Der Journalist im Medienwandel

Dass der stetige Wandel unserer Zeit auch am Journalismus nicht reibungslos vorbei zieht, ist kaum mehr zu übersehen. Mit der wachsenden Selbstverständlichkeit digitaler Medien nagt das Print-Geschäft am hohlen Zahn. Verlage orientieren sich für alle Welt sichtbar am digitalen Markt, versuchen ihr Dasein zu retten, weiter zu wachsen und verwandeln sich zu multimedialen Mediengiganten. Kaum eine Zeitung hat sich nicht ein zweites Online-Standbein aufgebaut und versucht dieses – mehr oder weniger – als seriöse Informationsquelle zu gestalten. Doch wie sieht die Zukunft aus? Welche Bedeutung hat das schrumpfende Print-Geschäft für Journalisten, und insbesondere für solche, die es werden wollen? Schließlich bietet das Internet jedem Laien eine Plattform, um sich in die Öffentlichkeit zu begeben. Continue reading

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Der Journalist im Medienwandel

Das der stetige Wandel unserer Zeit auch am Journalismus nicht reibungslos vorbei zieht, ist kaum mehr zu übersehen. Mit der wachsenden Selbstverständlichkeit digitaler Medien nagt das Print-Geschäft am hohlen Zahn. Verlage orientieren sich für alle Welt sichtbar an dem digitalen Markt, versuchen ihr Dasein zu retten, weiter zu wachsen und verwandeln sich zu multimedialen Mediengiganten. Kaum eine Zeitung hat sich nicht ein zweites Online-Standbein aufgebaut und versucht dieses – mehr oder weniger – als seriöse Informationsquelle zu gestalten. Doch wie sieht die Zukunft aus? Welche Bedeutung hat das schrumpfende Print-Geschäft für Journalisten, und insbesondere, für solche die es werden wollen? Schließlich bietet das Internet jedem Laien eine Plattform, um sich in die Öffentlichkeit zu begeben. Unter diesen Umständen stellt sich verstärkt die Frage: Wird es den klassischen Journalisten in Zukunft überhaupt noch geben? Und was müsste dieser mitbringen, um nicht einer von vielen unsichtbaren Akteuren im World Wide Web zu sein?

Im Profil: Mark Glaser

Der in Chicago lebende Journalist Mark Glaser hat ihn am eigenen Leib erfahren – den Wandel von Print zu Digital. Angefangen als freiberuflicher Publizist, der sich mit Kolumnen über Hip Hop, Reiseberichte oder humoristischen Artikeln über die „Titanen der Technologie“  finanzierte, ist Mark Glaser nunmehr fast ausschließlich Online unterwegs. Glaser beschäftigt sich insbesondere mit der Ausbildung von Journalisten. Sein Blog www.pbs.org/mediashift, den er mittlerweile mit sechs weiteren Journalisten pflegt, dreht sich um den Einfluss von Social Media, Weblogs, Podcastings oder Online Videos, auf die Medien-Welt und der damit einhergehenden Veränderung des Informationsflusses.

Frage und Antwort

Auf der Suche nach Antworten hat sich Mark Glaser zu einem Interview bereiterklärt.

  1. Journalismus im Wandel

Inwiefern hat sich Journalismus über die letzten Jahre verändert? Glaser beschreibt den Wandel im Journalismus auf persönlicher Ebene. Heute schreibt er nicht länger nur Artikel. Er ist Online- und Multimedia-Produzent, er bloggt, produziert Video-Shows und Podcasts, beschäftigt sich mit Social Media Marketing, hilft beim Verkauf von Werbe- und Anzeigenschaltungen und vieles mehr.

Für und wider des Online-Journalismus. Prinzipiell ist Glaser pro Online, sieht aber auch große Hürden, die es zu bewältigen gilt. Für ihn liegen die Vorteile des Online Journalismus vor allem darin, dass er für jeden frei zugänglich ist. Jeder kann sich einen Blog, eine Website, Tumblr oder Instagram in wenigen Minuten einrichten. Allerdings ist es genau deshalb auch so schwer, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen. Insbesondere ohne jeglichen Zusammenhang zu einer größeren Website oder Institution, wie z.B. der Huffington Post, Buzzfeed oder Business Insider in den USA. Hier verdeutlicht sich die Problematik des Online Journalismus: Es ist schwer, als selbstständiger Produzent ein gewisses Vertrauen zu seinem Publikum aufzubauen, geschweige denn dieses erst einmal zu gewinnen. Hinter der Fassade einer größeren Institution, eines Verlags oder einer Zeitung, ist es einfach eine Leserschaft aufzubauen – die Glaubwürdigkeit der Artikel entsteht von ganz allein. Als eigenständiger Journalist in der Online-Sphäre sieht das anders aus. Trotzdem blickt Mark Glaser optimistisch in die Zukunft. Denn auch traditionelle Medienunternehmen sind nahezu gezwungen, sich dem Online-Geschäft hinzugeben. Das bietet Journalisten wiederum die Chance, sich über größere Institutionen Online einen Namen zu machen. Die klare Linie von Print und Digital beginnt langsam zu verwischen.

Zukunftsprognosen. Mit einem Blick in Zukunft wird es laut Glaser noch einen enormen Wandel zur mobilen Nutzung geben, insbesondere im Bezug auf Smartphones und Tablets. Diese Veränderung ist für Journalisten von großer Bedeutung, denn sie bietet eine Chance zur Neuerfindung: „No one has really created the perfect mobile news experience“, so Glaser „but it’s a challenge as well because no one knows what people want to get in mobile“. Desweiteren charakterisiert sich der Online Journalismus schnelllebig. Es wird konstant veröffentlicht und es gibt konstant Reaktionen und Feedback auf verschiedensten Kanälen wie Facebook oder Youtube – eine Herausforderung, aber auch ein Gewinn an Möglichkeiten.

Mit Mark Glaser als Spezialist für „Education Journalism“, ist es besonders interessant in die Zukunft des journalistischen Nachwuchses zu blicken. Wird es den Journalisten wie wir ihn kennen überhaupt noch geben? Welche Auswirkungen haben die genannten Veränderungen auf die Ausbildung und Anforderungen von Journalisten?

  1. Education Journalism

Wie sieht der Journalist der Zukunft aus? Laut Mark Glaser wird der Journalist der Zukunft wohlmöglich in zwei Richtungen gehen. Es wird zum einen diejenigen geben, die sich mit besonderem Interesse einem Feld gewidmet haben, wie z.B. Spezialisten im Video-, Social Media oder Data-Bereich. Auf der anderen Seite wird es besonders Ambitionierte geben, die sich jedem Genre gleichermaßen widmen – multimediale Alleskönner. Im Hinblick auf die Zukunft des Online Journalismus empfindet Glaser es für besonders wichtig, diese beiden Richtungen miteinander zu verbinden. Für den idealen Journalisten der Zukunft ist es mehr als ratsam, ein multimediales Grundverständnis aufzubauen, ein bisschen von allem zu können. Gleichermaßen sollten sich angehende Journalisten weiterhin besonders einem bestimmten Gebiet richten und sich darin ein vertieftes Wissen aneignen. Damit hätten sie gleich zwei große Spezialitäten in einem zu bieten, und heben sich von der Masse ab: „They can do it all, or they have an area of expertise“, je nachdem, was sie voran bringt.

Was hat sich an der journalistischen Ausbildung verändert? Generell hat sich die Ausbildung von Journalisten bereits über die letzten Jahre verändert. Immer mehr Journalisten erlernen ihre Fähigkeiten schon während Schul- und Studienzeiten, werden dort gefördert und haben bereits vor dem Start ihrer eigentlichen Karriere eigene Werke weitreichend publiziert. Das amerikanische News21 Journalism Education Programm beispielsweise, hat in den USA mit seinen Publikationen ein starkes Gehör in den Mainstream Medien erreicht. Auch viele Universitäten fördern ihre Studenten mit größeren Publikationen in den Massenmedien. Glaser selbst hat mehrfach für die Website des Yale Center for Globalization sowie für Havard’s Nieman Reports  geschrieben.

Eine Ausbildung im Print? Weiterhin im Print-Bereich eine Ausbildung als Journalist abzuschließen ist für Glaser eine Frage der Erwartungshaltung. Es ist einerseits interessant und niemals falsch, allerdings sollte sich ein angehender Journalist darüber im Klaren sein, dass es schwer wird später auch tatsächlich im Print-Bereich zu arbeiten. Zusätzlich stellt sich hier auch die Frage, in welchem Land ein Journalist arbeiten möchte. Während das Print-Geschäft in den USA erheblich schrumpft und auch in Europa langsam aber sicher ins Schwanken gerät, lebt es – so Glaser – in Indien vielleicht gerade auf.

Im generellen Ländervergleich müssen sich zumindest die USA und Europa derzeit denselben Schwierigkeiten stellen. Auch wenn sich die Basis journalistischer Ethik und das Berichterstatten mit dem digitalen Wandel nicht großartig verändert hat, so hat sich das verbreiten von Information und die Art und Weise in der das Publikum interagieren kann drastisch gedreht. Journalismus ist ein interaktiver Prozess geworden.

Journalismus gestaltet sich neu

In einem Interview mit Leif Kramp und Stephan Weichert von der Süddeutschen Zeitung, zeigt sich Journalismusexperte Stephen B. Shephard mit einer ähnlichen Einstellung zur Zukunft des Journalismus, insbesondere im Bezug auf die Ausbildung von Journalisten.

Mit dem mehr und mehr schwindenden Print-Markt wird der Journalismus nicht gehen, aber er wird sich neu erfinden müssen. Es gibt etliche Möglichkeiten multimedialen Online Journalismus zu betreiben. Wie schon Glaser erwähnt, ist auch laut Shephard diese Form von Journalismus nicht länger ein Produkt, sondern ein Prozess – ein Dialog zwischen Produzent und Nutzer. Gerade wegen dieser Interaktivität ist es wichtig, sich durch das freizugängliche Medium Internet nicht im Laienjournalismus zu verrennen, sondern weiterhin in die Ausbildung von Journalisten zu investieren, um sich so qualitativ hochwertigen, jedoch an die Umstände angepassten Journalismus für die Zukunft zu sichern. Außerdem müssen neue Geschäftsmodelle aufgebaut werden. Auch Online-Journalismus muss finanziert werden – ob durch Werbung oder Inhalt. Shephard nennt dies Hybrid-Journalismus: die Zukunft liegt in der Verschmelzung von Online und Zeitung. Wie Mark Glaser plädiert auch Shephard für den Journalist der Zukunft, der ein bisschen von allem kann: Gute Stories, Interaktivität, Video, Audio, Fotostrecken und vieles mehr. Die Frage ist nicht ob, sonder was das Internet Journalisten bietet.

Zusammenfassend steht fest: Der Markt verändert sich. Durch die immer mehr expandierende Online Media Industry hat das Print-Geschäft zurzeit schlechte Karten sich zu behaupten. Leider verliert dadurch der Journalismus für viele Junganwärter an Attraktivität, wenn selbst Zeitungen und Verlage um ihre Existenz kämpfen müssen. Laien feiern dafür mit zahlreichen Blogs und Twitter-Accounts mehr oder minder Erfolge. Die Zukunft des Journalismus scheint undurchsichtig.  Doch dabei sollte bewusst sein, dass der Journalismus an sich nicht ausstirbt, sondern sich viel eher auf neues Terrain begibt. Deshalb gilt es, sein Wissen zu erweitern.

Solange das Interesse an glaubwürdigem und qualitativem Informationsfluss nicht verschwindet, wird auch Journalismus nicht verschwinden. Er wird sich nur anpassen, an das Web 2.0.

Das detaillierte Interview mit Stephen B. Shepard gibt es hier: S. Shephard über die Zukunft des Journalismus

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Podcasts:

 

Vom Monolog zum Dialog – Crossmedia im Zeitalter der Digitalisierung

„Wir befinden uns in der größten Medienrevolution seit Gutenberg.“ (Hubert Burda 2007

Bücher werden zu eBooks, Schreibmaschinen zu Tablet-PCs, Briefe zu Emails – Die Medienrevolution ist allgegenwärtig. Ihr Anführer heißt Internet, seine Anhänger sind wir – Du und ich, der Mann mit in der S-Bahn und die Frau im Café, die Studenten in der Bibliothek und der Nachbar im 3. Stock. Als neues Medium par excellence ist das World Wide Web aus unserem Alltag heute nicht mehr wegzudenken: Wir loggen uns ein, wir twittern, followen, posten, wir mailen, kommentieren und scrollen. Während sich immer weniger Menschen tagtäglich durch die Welt blättert, klickt sich die Mehrheit auf 13 Zoll durch sie hindurch und in sie hinein. Wir wollen nicht mehr einfach bloß blättern und rezipieren, wir wollen partizipieren und produzieren. Wir wollen die Welt mitgestalten. Continue reading

Der Einfluss des World Wide Web auf den Printjournalismus

In den Zeiten des World Wide Web, das rund die Hälfte der Bevölkerung der Europäischen Union regelmäßig nutzt, hat es der Journalismus schwer das ehemalige Monopol der Nachrichtenübermittlung zu behaupten. Weltweit  haben rund 20 Prozent der Weltbevölkerung die Möglichkeit online zu gehen und sich so jederzeit die Informationen zu beschaffen, die sie haben möchten.

In den vergangen Jahrzehnten wohnte den Redaktionen und Pressebüros die Aufgabe inne, die Bevölkerung mit den wichtigen Informationen, die aus der ganzen Welt stammen, zu versorgen. Der Beruf des Journalisten war ein angesehener Beruf. Nicht selten schwingt bei dem Berufsbild, vor allem beim investigativen Journalismus,  eine Art Weltverbesserungs- und Aufdeckungsgedanke mit. Mit dem Aufkommen des Internets begann sich dies jedoch zu ändern. Mehr und mehr Menschen begannen sich über das Internet selbst zu informieren. Denn dort werden alle Informationen unvermittelt und vor allem für alle zugänglich dargeboten. Jeder konnte Teil haben am großen Gesamtwerk ‚Internet‘. Partizipation sowie stille Rezeption sind ebenso möglich, wie beispielsweise die Erstellung eines eigenen Blogs. Der Bürger, der nun nicht mehr reiner Rezipient sein möchte, entwickelt sich zu einer Art ‚produser‘, der am Geschehen teilhaben möchte und auch kann.

Sind Journalisten nun überflüssig? Nein. Denn auch wenn sich ihre Arbeitsweise nun verändern muss, was die hohe Zahl der entlassenen Journalisten und Schließungen vieler Redaktionen der letzten Jahre beweist, wird dieser Pressezweig nicht verschwinden. Laut einem Artikel des Goethe-Instituts über Journalismus sind 48.000 Menschen „hauptberuflich und hauptsächlich damit beschäftigt, aktuelle, auf Tatsachen bezogene und relevante Informationen zu sammeln, zu beschreiben und in journalistischen Medien zu veröffentlichen“. Trotz der stetigen Veränderung ist klar, dass das Internet den Beruf des Journalisten nicht überflüssig machen wird. Laut dem Rieplschen Gesetz kann kein neues Medium ein altes Medium komplett verdrängen.

Sich an dieser Aussage orientierend erledigen Journalisten täglich ihre Arbeit und passen sich nach und nach an die gegebenen Veränderungen an.

Aber wohin entwickelt sich der Printjournalismus nun? Es existieren weiterhin Zeitungen, auch wenn einige Verlage und Redaktionen nach und nach schließen müssen, wie vor Kurzem beispielsweise die Redaktion der Financial Times Deutschland. Sie haben seit zwölf Jahren keine schwarzen Zahlen mehr geschrieben, sodass der Aufsichtsrat des Verlags beschlossen hat, die Zeitungsproduktion einzustellen. Aber wie kann das passieren, dass eine Zeitung über ein Jahrzehnt hinweg keinen Gewinn einfährt?

 

 

Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen lehrt als Professor an der Universität Tübingen. In einem Interview mit der tagesschau.de über den ‚Untergang‘ der Financial Times Deutschland erklärt er, wie es passieren kann, dass ein Unternehmen wie die FTD Konkurs gehen kann. Auf die Frage aus welchem Grund sich die Financial Times Deutschland nie auf dem deutschen Markt etabliert hat, antwortete Pörksen, dass erstens die Zielgruppe immer eine verhältnismäßig kleine gewesen ist und dass sich zweitens die dreifache Krise des Journalismus negativ auf die Entwicklung der Financial Times Deutschland auswirkte. Mit dieser dreifachen Krise des Journalismus meint Pörksen einerseits die „Abwanderung wichtiger Anzeigen wie Stellen- oder Rubrikenanzeigen“ ins Internet und andererseits den generellen Einbruch des Anzeigenaufkommens. Diese beiden Punkte wirken sich besonders negativ auf die Entwicklung des Zeitungsmarktes aus, da das Tageszeitungs-Konzept zu zwei Dritteln aus Anzeigen finanziert wird. Als letzten Punkt nennt Pörksen eine ‚Kreativitätskrise‘ des gedruckten Journalismus. Diese Krise behandelt die Frage wie sich der „gedruckte Qualitätsjournalismus in einem Klima refinanzieren [lässt], in dem Print als Medium von vorgestern gilt und systematisch tot geredet wird?“ (Welty 2012).

Man könnte daraus schlussfolgern, dass das Internet an dieser Entwicklung des Zeitungsmarktes Schuld trägt. Sicherlich ist dies einerseits korrekt, jedoch lässt Pörksen keinen Zweifel daran, dass die Verlage auch selbst einen entscheidenden Teil zu dieser Entwicklung beigetragen haben: „Sie [hier: die Verlage] haben ihrem Publikum signalisiert, dass Artikel, Recherchen und Features zwar in der Herstellung etwas kosten mögen, aber eben im Netz gratis zu haben sind. Das war ein fatales Signal, weil man so seine Zielgruppe daran gewöhnt hat, dass die eigenen Leistungen nicht vergütet werden müssen“ (Welty 2012). So entsteht in der Gesellschaft eine Haltung, die es verweigert für dieselben Produkte, die es vorher kostenlos gab, Geld zu zahlen. Aus diesem Grund schlägt Pörksen vor, dass sich der Printjournalismus breiter aufstellen sollte. Er sollte die bestehende Finanzierungsmöglichkeit des Anzeigenmarktes durch andere Finanzierungsmöglichkeiten erweitern. Dies könnte beispielsweise das Anbieten von Reisen, den Verkauf von Büchern oder DVDs, das Entwickeln von Communities sein. So könnte der Printjournalismus auch seine Leser an sich binden. Es muss und werde laut Pörksen Versuche geben, die Gratiskultur aufzubrechen und so auf bezahlten Printjournalismus zu setzten und Kooperationen zwischen dem Print- und dem Onlinejournalismus aufzubauen. Immerhin gibt es beispielsweise bei der ‚New York Times‘ schon längere Zeit ein funktionierendes Paid-Content-System, bei dem der Leser nur eine gewisse Anzahl an Artikeln kostenfrei lesen kann und danach bezahlen muss um weiterlesen zu können (Welty 2012). Dennoch muss man diesen Ansatz von Pörksen auch kritisch betrachten, da die Gewöhnung der Menschen an die Gratiskultur im Internet sicherlich nicht der einzige Grund für die derzeitigen Entwicklungen sind.

Nach Pörksen ist die einzige Möglichkeit des Printjournalismus auch in Zukunft erfolgreich zu bestehen die, dass sie selbst die Qualität des eigenen Produktes thematisieren und so die gesellschaftlichen Schichten davon überzeugen, dass das teuer hergestellte Produkt ‚Nachricht‘ auch bezahlt werden muss. Auch wenn man so nicht hundertprozentig sagen kann, ob der Zeitungsmarkt noch in 10 Jahren vorzufinden ist, so hofft der Medienwissenschaftler Pörksen, dass zumindest die Idee der Zeitung noch existieren wird. Dabei handelt es sich „- idealerweise – um einen entschleunigten, nachdenklichen Journalismus. Zeitungen sind gerade in Zeiten hektischer Dauerkommunikation Medien des zweiten Gedankens; sie leisten die tiefenscharfe Recherche und eine genaue, unabhängige Beobachtung, die diese Gesellschaft dringend braucht. Für diese Idee der Zeitung lohnt es sich zu streiten“ (Welty 2012).

In diese Medien zweiten Gedankens wurde viel Arbeit und Zeit investiert, die auf irgendeine Art und Weise entlohnt werden muss. Nur so können die Zeitungen wieder schwarze Zahlen schreiben und aufhören ihre Journalisten zu entlassen. Auch wenn nicht alle Beteiligten hinter dem Paid-Content-System stehen, weiß jeder, dass es so wie es zurzeit ist nicht weiter gehen kann.

Studien zum Thema fanden heraus, dass je mehr das Internet in einem Bereich als Nachrichtenmedium genutzt wird, desto höher sind die Einbußen der Zeitungen dieses Bereichs (Koehler 2007). Bedeutet dies nun, dass das World Wide Web tatsächlich den Zeitungsmarkt verdrängt?

Einerseits wurde die damals vorherrschende Stellung der Zeitungen im Laufe der Zeit immer mehr durch das Internet zurück gedrängt, was auch weiterhin geschehen wird, wenn der Printjournalismus am bestehenden Finanzierungskonzept festhält. Andererseits ist die stetige Veränderung der Medienlandschaft schon immer existent gewesen. Es ist von alten Medienübergängen bzw. –entwicklungen bekannt, dass das ‚ältere‘ vorherrschende Medium langsam von dem neuen Medium in eine Randposition gedrängt wird ohne ganz zu verschwinden. So bedeutet das Internet für die Zeitung nicht das Ende der Existenz, sondern ‚lediglich‘ das Ende der bis dahin gelebten Existenz. Das Internet mit seinen neuen Möglichkeiten läuft der Zeitung in einigen Punkten den Rang ab, sodass der Zeitungsmarkt zur Veränderung gedrängt wird. Ein Beispiel hierür wäre die Konzentration der Tageszeitungen auf die regionale Verankerung, wie Dominik Leitner in seinem Blog behauptet. Wichtig ist jedoch zu beachten, dass kein Medium (auch nicht das Internet) entwickelt wird ohne dass eine Notwendigkeit darin gesehen wurde. Die Frage lautet also, ob das Internet den Printjournalismus in diese Lage gebracht hat oder ob der Printjournalismus für die Entstehung und den Siegeszug des Internets mitverantwortlich ist?

Quellen:

Koehler, Benedikt (2007): Online verdrängt Print: Studie befasst sich mit den Digitalisierungsverlierern Tageszeitungen.
http://blog.metaroll.de/2007/12/12/online-verdraengt-print-studie-befasst-sich-mit-den-digitalisierungsverlierern-tageszeitungen/, abgerufen am 27.11.2012

Welty, Ute (2012): Die Lust an der Apokalypse ist groß. http://www.tagesschau.de/wirtschaft/zeitungssterben100.html, abgerufen am 27.11.2012