Wandel des Journalismus in Osteuropa

Mit Insider-Blick von Media-Experten

Technische Innovationen, Digitalisierung sowie veränderte Informations- und Kommunikationsmuster stellen den modernen Journalismus vor neue Herausforderungen. In den letzten Jahren haben wir die neuen Tendenzen sowohl in der Mediengestaltung allgemein als auch in den Journalismuskonzepten beobachtet. Das Web 2.0 hat die klassische Rollenaufteilung zwischen Produzent und Rezipient zur Geschichte gemacht. Heute kann jeder ohne großen Aufwand und Vorkenntnisse in Blogs, durch Social-Media, in Foren oder über Youtube neue Medieninhalte generieren bzw. mit der Welt kommunizieren. Kann sich also heutzutage jeder als Journalist bezeichnen? Wo liegt der Unterschied zwischen professionellen Journalisten und ihren Hobby-Kollegen? Was zeichnet Journalismus innerhalb des postsowjetischen Raums aus?

Obwohl die aktuellen Trends in der Medienbranche generell in eine Richtung gehen, sind die landesspezifischen Differenzen deutlich erkennbar. Die Erklärungen dafür findet man meistens in der Geschichte eines Landes, die die Gegenwart geprägt und Auswirkung auf viele bedeutende Wandelprozesse, einschließlich Medien, hat. Continue reading

Der Journalist im Medienwandel

Dass der stetige Wandel unserer Zeit auch am Journalismus nicht reibungslos vorbei zieht, ist kaum mehr zu übersehen. Mit der wachsenden Selbstverständlichkeit digitaler Medien nagt das Print-Geschäft am hohlen Zahn. Verlage orientieren sich für alle Welt sichtbar am digitalen Markt, versuchen ihr Dasein zu retten, weiter zu wachsen und verwandeln sich zu multimedialen Mediengiganten. Kaum eine Zeitung hat sich nicht ein zweites Online-Standbein aufgebaut und versucht dieses – mehr oder weniger – als seriöse Informationsquelle zu gestalten. Doch wie sieht die Zukunft aus? Welche Bedeutung hat das schrumpfende Print-Geschäft für Journalisten, und insbesondere für solche, die es werden wollen? Schließlich bietet das Internet jedem Laien eine Plattform, um sich in die Öffentlichkeit zu begeben. Continue reading

Zukunftsvision Qualitätsboulevard? Eine Qualitätsdebatte des Online-Journalismus am Beispiel des SPON

„Der Journalismus, dem sich die meisten Sites verschrieben haben, strebt nach dem Ideal einer standardisierten, mechanistischen, geradezu unoriginellen Berichterstattung, die bei peinlich genauer Befolgung des Instrumentariums und gezielter Anwendung des Handwerkzeugs stabile Quoten verspricht.“ “Klicks, Quoten, Reizwörter: Nachrichten-Sites im Internet – Wie das Web den Journalismus verändert” – Friedrich-Ebert-Stiftung

Während bei Print-Redaktionen der Erfolg einer Ausgabe durch den Absatz der gedruckten Exemplare messbar ist, so dient Online Nachrichtenportalen die Klickrate der Leser als maßgebliche Orientierung. Die Quote eines Artikels ist für den Redakteur der Kontrollfaktor für dessen Erfolg. Die Klickraten repräsentieren die Gesamtheit der Nutzer, so ist der Erfolg oder Misserfolg eines journalistischen Erzeugnisses über die gesamte Reichweite direkt messbar. Ein Artikel kann nur kurze Zeit nachdem er online gegangen ist, entfernt und durch einen erfolgversprechenderen Artikel ersetzt werden. Sich nicht dem „Diktat der Quote“ zu unterwerfen, sondern weiterhin auf die Qualität der Inhalte statt auf die Quantität der Klicks zu setzen, ist für Online-Nachrichtenportale eine große Herausforderung.  Websites renommierter deutscher Verlagshäuser, wie dem SPIEGEL-Verlag, verschreiben sich jedoch verstärkt den journalistischen Prinzipien des Boulevardjournalismus, um Quotenerfolge zu verbuchen.


SPIEGEL ONLINE – kurz SPON

Die Website SPON wurde 1994 gegründet und verdankt ihren Erfolg einer Balance aus Information und Unterhaltung, die bisweilen ausgewogen schien. Die Kombination aus hauptsächlich journalistisch anspruchsvollen Erzeugnissen, gepaart mit boulevardesken Elementen, sicherte dem SPON seit der Gründung  die Vormachtstellung als einem der frequentiertesten Online-Nachrichtenportale Deutschlands. Mit durchschnittlich 173 Millionen Besuchern pro Monat im Jahr 2012 festigt der SPON diese Position als überdurchschnittlich beliebtes Nachrichtenportal im Netz. Die Anzahl der Unique User lag im Jahr 2012 im Durchschnitt bei 11,2 Millionen monatlich. Aktuelle Angaben aus dem Januar 2013 bestätigen diese Zahlen (siehe Grafik).

Ausschnitt AGOF Ranking  TOP 50 Nachrichten-Websites - Quelle: http://meedia.de/internet/agof-news-top-50-raus-aus-dem-feiertagsloch/2013/03/13.html

Ausschnitt AGOF Ranking TOP 50 Nachrichten-Websites – Quelle: http://meedia.de/internet/agof-news-top-50-raus-aus-dem-feiertagsloch/2013/03/13.html

Obwohl die Statistiken den SPON weiterhin als eines der präferierten Online-Nachrichtenportale listen, gerät die Seite zunehmend in die Kritik zahlreicher Leser und Medienjournalisten wie Stefan Niggemeier, die die inhaltliche Entwicklung des Portals der letzten Jahre monieren. Laut ihrer Kritik, findet zunehmend eine Boulevardisierung der SPON-Inhalte statt und politisch sowie gesellschaftlich relevante Themen werden dem „Primat der Unterhaltung“ unterworfen. Ob der SPON demnach noch immer seine Stellung als „Seismograph unserer Tage für Journalisten“ innehat, so wie es 2004 der renommierte Journalist Hans Leyendecker definierte, oder ob Leyendeckers damalige Beobachtung, der SPON sei “manchmal etwas zu boulevardesk” mittlerweile Überhand genommen hat, soll im Folgenden diskutiert werden.

Präferenz der Leserschaft durchlebt Wandel

Bei der der heutzutage vermehrt aus Digital Natives bestehenden Leserschaft ist tatsächlich ein geändertes Mediennutzungsverhalten zu beobachten. Das Informationsbedürfnis scheint schneller befriedigt werden zu wollen und der Fokus liegt verstärkt auf ereignisgetriebenen Informationen, als auf purem Faktenwissen. Laut Katharina Borchert, CEO des SPON, wird diese „Gier“ der Leser von journalistischer Seite befeuert, da die Journalisten schlicht und ergreifend wüssten, „dass es funktioniert“. Bei den Lesern will zudem der unmittelbare Bezug zum eigenen Leben hergestellt werden. Das Internet bedient genau diese geänderten Bedürfnisse der Leserschaft. Es sei der Tageszeitung in Punkto Aktualität, Schnelligkeit und Überblick einfach überlegen, so Katharina Borchert. Zur „neuen Königsdisziplin“ und Repräsentation einer neuen Art von Echtzeitberichterstattung habe sich der Live-Ticker entwickelt: „Ein Live-Ticker kann ein sehr wertvolles, hochspannendes Instrument in der Berichterstattung sein. Das wird derzeit aber arg überstrapaziert. Das beste Beispiel ist eine deutsche Tageszeitung, die den Tod einer Giraffe live im Zoo getickert hat“.

Schnelligkeit und Aktualität

Das geänderte Mediennutzungsverhalten der Leserschaft stellt nicht nur den SPON, sondern auch zahlreiche andere Online-Nachrichtendienste vor eine große Herausforderung. Die Leser haben zudem an Macht gewonnen, indem sie online direkt auf Artikel reagieren, sie stetig mit aktuellen Informationen füttern – aber auch auf Fehler hinweisen können. Die verantwortlichen Autoren müssen sich heute unmittelbarer mit der Kritik der Leser auseinandersetzen und die Informationen nachhaltiger prüfen, um die Leserschaft auch langfristig durch qualitativ hochwertige journalistische Arbeit an sich zu binden. Die Netzgemeinde arbeitet wesentlich schneller als die Zeitungen, wie das Beispiel des zurückgetretenen Ministers Guttenberg verdeutlicht. Das Zusammentragen von Beweisen des ihm vorgeworfenen Plagiierens erfolgte im Internet im Minutentakt. Die stetige Aktualisierung der Beweislage ist im Netz nicht nur schneller, sondern auch mit weniger Aufwand zu realisieren.

Die Tatsache, dass das Internet einem hohen Aktualitätsanspruch genügt, ist gleichzeitig Segen als auch Fluch. Informationen müssen schnell verarbeitet werden, um den konkurrierenden Redaktionen einen Schritt voraus zu sein und keinen Nutzerverlust aufgrund mangelnder Aktualität zu verzeichnen. Dennoch sollten die Informationen geprüft und nicht nach dem Stille-Post-Prinzip übernommen werden. Diverse Beispiele belegen allerdings, dass beim SPON nicht selten Artikel exakt nach diesem Prinzip gefertigt werden. Gerade der SPON ist durch eine Vielzahl weiterer Nachrichtendienste einer hohen Konkurrenz ausgesetzt und darf trotz des stetigen Drucks, aktuelle und geprüfte Informationen zu liefern, nicht an Qualität einbüßen.

Was will der Leser wirklich?

Wollen die Leser eher umfangreich informiert werden, oder beschränkt sich ihr Bedürfnis eher darauf, gut unterhalten zu werden? Ist im Idealfall eine Kombination aus beidem möglich, ohne eine boulevardeske Tendenz einzuschlagen?

Durch die „Fülle und Komplexität unserer Welt heute“ sei es laut Borchert kaum noch möglich, alles genau zu durchdringen, was außerhalb des unmittelbaren eigenen Interessensgebietes liegt. Es werde immer schwieriger, Themen wirklich zu erschließen. „Ich kann schon verstehen, warum viele Leute irgendwann kapitulieren und einfach nur froh sind, wenn sie ungefähr wissen, was gerade so los ist“, so Borchert.


Einfluss der Digitalisierung

Durch die im Zuge der Digitalisierung entstandenen Distributionswege erhöht sich die mögliche Reichweite journalistischer Arbeit. Durch Apps für Smartphones und Tablet-PCs sind die Inhalte ständig von allen Nutzern, welche über solch eine Anwendung verfügen, abrufbar. Um erfolgreich zu bleiben, muss das Geschäftsmodell der traditionellen Medien überdacht und an die Gegenwart angepasst werden. Das unterstreicht auch Medienjournalistin Mercedes Bunz in ihrem Buch „Die stille Revolution“.  Zudem, und das ist in dem Kontext einer Qualitätsdebatte des Online-Journalismus besonders zu berücksichtigen, muss die Rolle des Journalismus neu definiert werden. Dabei ist es unerlässlich, die Rezeptionssituation der Leser mit einzubeziehen, die Inhalte mobil abrufen und nicht mehr ausschließlich ein Medium konsumieren, sondern simultan unterschiedliche Nachrichtenquellen nutzen.

Durch die zunehmende Digitalisierung der Presse droht der SPON den gedruckten SPIEGEL an Reichweite zu überholen, denn während der SPON stets wächst, verzeichnet die Print-Ausgabe einen kontinuierlichen Verkaufsrückgang. Im Jahr 1989 lag der Absatz des Magazins noch bei knapp über einer Million Exemplare pro Ausgabe. Diese Zahl blieb zwar auch im Zuge der Digitalisierung weitestgehend stabil. Die Millionenmarke wurde jedoch seit 2010 nicht mehr geknackt.

Qualität ist nicht vom Medium abhängig

Durch die Digitalisierung werden die traditionellen Strukturen des Journalismus grundlegend in Frage gestellt. Es ist jedoch bedeutend zu erkennen, dass die Online-Redakteure keine Konkurrenz für die Arbeit der Print-Redakteure darstellen, sondern als Bereicherung dieser dienen. Die Digitalisierung bietet die Chance, Geschichten auf eine völlig neue, intensivere Art und Weise zu erzählen. Der Online-Journalismus als Untergruppe des Journalismus bietet dem Journalisten durch die Konvergenz der einzelnen Sektoren wie audio-, video und textbezogener Arbeit gegenüber dem Print-Journalismus eine deutlich höhere kreative Vielfalt. „Es ist das spannendere Medium. Ich habe viel mehr Möglichkeiten, mehr Ausdrucksformen […], habe keine starre Zeilenbegrenzung. Es ist unmittelbar, verlinkbar, social, es wird geteilt,  kommentiert und diskutiert. Ich würde es nicht missen wollen“, so Borchert. Bedingt durch die verstärkte Multimedialität und die Implementierung von Audio- und Videodateien steigt der Unterhaltungswert für die Leser deutlich. Ebenfalls vorteilhaft für Verfasser sowie Leser ist, dass sich die Online-Inhalte theoretisch über einen unbegrenzten Zeitraum abrufen lassen. Was man online verfasst hat, könne man auch in fünf Jahren noch aufrufen und Print hingegen „wird zu Altpapier“. Eine Weiterentwicklung für den Leser gegenüber dem Print-Journalismus ist zudem die zielgerichtete Informationsbeschaffung bei der Suche im Online-Content. Bei Interesse für ein bestimmtes Thema gibt es oft die Möglichkeit, durch verlinkte Inhalte zielgerichtet detailliertere Informationen zu erhalten.

Es scheint aber noch immer fest verankert in den Köpfen vieler Leute, dass Printmedien automatisch für eine höhere Qualität der Inhalte stehen als Online-Medien. Dabei sind die Kennzeichen von Qualitätsjournalismus formübergreifend und nicht von einer bestimmten Darstellungsform journalistischer Inhalte abhängig. Doch was bezeichnet der so genannte Qualitätsjournalismus überhaupt? Ist eine Unterscheidung in Qualitäts- und Boulevardjournalismus überhaupt noch zeitgemäß und sollten die Leser nicht den Anspruch stellen, dass jedwede Form des Journalismus einem hohen qualitativen Anspruch genügt? Eine Definition von Qualität des Journalismus ist schwierig zu fassen, denn wenn sich die Begriffsbestimmung des Journalismus an sich ändert, verschiebt sich auch das Empfinden von Qualität, so Mathias Spielkamp, Projektleiter von iRights.info. Die Tatsache, die zahlreiche Redaktionen dazu verleitet, eine boulevardeske Tendenz einzuschlagen, ist, dass man mit Qualitätsjournalismus vermeintlich nicht so viel Aufmerksamkeit erregen kann, wie mit spannungsgeladenen Inhalten, die eine leichte Kost für den Leser darstellen. „Welchen Leser interessieren noch die Folgen eines weiteren Anschlags in Nahost?“, fragt sich der Publizist Dr. Wolfgang Storz. Der „Neuigkeitswert“ fehlt bei derartigen Meldungen ab einem gewissen Zeitpunkt und die Aufmerksamkeit der Leser ist nur noch schwer zu erreichen.

Ein Definitionsversuch

Qualität ist der Maßstab einer journalistischen Leistung, die für ein bestimmtes Publikum erbracht wird. Diese wird laut der Bundeszentrale für politische Bildung gemessen an der Informations-, Orientierungs-, Integrations-, Kritik- und Kontrollfunktion. Desto eher diese Funktionen erfüllt sind, umso qualitativ hochwertiger ist ein Artikel. Die Informationsfunktion steht für das Verarbeiten von gesellschaftlich und politisch relevanten Themen. Die Orientierungsfunktion dient der Gewichtung der einzelnen Themen. Mit der Integrationsfunktion wird ausgedrückt, wo Schnittstellen zwischen dem Autor und den Lesern bestehen. Durch die Kritik- und Kontrollfunktion wird eine gegebenenfalls negative Wertung der dokumentierten Ereignisse vorgenommen. Ein Artikel zu einem aktuell politisch diskutierten Thema mit einem hohen Nachrichtenwert, der essentielle, neuwertige Informationen beinhaltet, thematisch eine Faszination für Autor sowie Leser darstellt und kritisch hinterfragt, würde diesen Kriterien gerecht.

Als Qualitätsmedium kann sich ein Nachrichtenportal dann bezeichnen, wenn es als Referenzmedium für andere Journalisten dient. Dass aber in vielen Redaktionen auch die Inhalte der BILD-Zeitung orientierungsgebend sind, zeigt, dass ein häufiges Verweisen oder Zitieren durch andere Medien nicht immer auf Qualität schließen lässt.


Der Journalist im Wandel

Die zahlreichen Möglichkeiten, die durch die Digitalisierung gewonnen wurden, dürfen allerdings nicht die oft prekäre Situation der Journalisten beschönigen. Für diese wird es immer schwieriger, ausschließlich von ihren journalistischen Erzeugnissen zu leben und keinen weiteren Tätigkeiten nachzugehen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. In einer Zeit, in der jeder Nutzer zum Hobby-Journalisten werden kann, ist es für die ausgebildeten Journalisten schwieriger geworden, sich durch ihre Beiträge abzuheben. Nachrichtendienste stellen ihre Informationen kostenlos zur Verfügung und drohen damit, die Leistungen der Journalisten teilweise zu ersetzen. Zudem werden die Journalisten, so bemerkt es auch Prof. Dr. Lilienthal, Inhaber der Rudolf-Augstein-Stiftungsprofessur für Praxis des Qualitätsjournalismus, immer zurückhaltender, nehmen eine „defensive Haltung“ an. Sie passen sich an, um keine Reibungsfläche zu bieten und nehmen sich in subjektiven Urteilen zurück, auch wenn sie diese durch tiefgehende Recherche begründen könnten. Die Existenzangst vieler junger Journalisten ist der Grund dafür, weniger Profil zu zeigen. Um dem Erfolgsdruck standzuhalten und keine Entlassung – die auch auf öffentlichen Druck hin stattfinden kann – zu riskieren, bleibt man auf der sicheren Seite und betreibe lieber „Mainstreamjournalismus“, wie es ein ehemaliger Ressort-Leiter des SPIEGEL beschreibt.

Ob es einer gesonderten Ausbildung für den Beruf als Online-Journalist bedarf, ist diskutabel. Das grundlegende Handwerk, sowie die ethischen Grundsätze des Berufes, seien bei Print-, sowie Online Journalismus gleich, so Katharina Borchert. Die Online-Skills, die den Digital Natives vermeintlich in die Wiege gelegt wurden und den meisten von ihnen in Fleisch und Blut übergegangen sind, befähigen aber noch lange nicht zu einer Tätigkeit als Online-Journalist. Der Umgang mit Leserkommentaren, die Einbindung von Social Media, die Suchmaschinenoptimierung und essentielle technische Grundkenntnisse als Voraussetzungen für eine Tätigkeit als Online-Redakteur, müssen oft noch dazu gelernt werden. In dieser Hinsicht sei vieles „nicht selbstverständlich“ und sollte Teil einer spezifischen Ausbildung sein, so Borchert.


SPON in der Kritik

Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung untermauert das Empfinden zahlreicher Leser, dass nicht nur der klar boulevardesk-lastige Online-Auftritt der BILD durch Faktoren wie Prominenz, Sex und Tratsch an Reichweite gewinnt. Auch bei dem Online-Auftritte des SPON soll sich vermehrt an dieser Art von Reichweite-stärkenden Faktoren bedient werden. Der Kern der Kritik liegt darin, dass Themen, denen keine stichhaltigen Informationen zu Grunde liegen, aufgeblasen werden, um die Aufmerksamkeit der Leser zu erlangen. Die SPON-Autoren flechten zudem in einige ihrer Artikel Attribuierungen ein, welche die Interpretationsfreiheit des Lesers durch fehlende Neutralität einschränken. Die Schlagzeilen der SPON-Artikel haben teilweise eine spekulative, gar reißerische Tendenz, welche zum Beispiel deutlich wird, wenn in Bezug auf Fukushima von „Strahlenbrühe“ gesprochen wird. Bei derartigen Überschriften hat das Generieren von Aufmerksamkeit oberste Priorität und der eigentliche Nachrichtenwert rückt in den Hintergrund. Martin Eiermann, der stellvertretende Chefredakteur des „The European“ sieht das Online-Nachrichtenmagazin durch ebensolche journalistische Ausdrucksweise in seiner Position als deutsches Leitmedium gefährdet. Laut Eiermann stehen beim SPON aktuell weniger die Inhalte im Vordergrund als plumpe „Phrasendrescherei“.  Bei dem SPON werde Themen häufig eine hohe Wichtigkeit zugeschrieben, die zwar von anderen Medienvertretern zuvor aufgegriffen wurden, dadurch aber noch lange keine Legitimation zur journalistischen Weiterverarbeitung bieten.

Diese Meinung wird in der Blogosphäre weites gehend geteilt. Dort hat der SPON einen deutlichen Reputationsverlust zu verbuchen. Webseiten wie spiegelkritik und spiegelblog setzen sich kritisch mit den Inhalten des SPON auseinander. Vermehrt in die Schusslinie geraten SPON-Berichte über vermeintliche Berühmtheiten, deren Daseinsberechtigung im öffentlichen Leben nur durch zweifelhafte TV-Auftritte besteht. Durch das Zubilligen von Aufmerksamkeit solcher Persönlichkeiten, gibt der SPON einer Sorte von Personen, übergreifend sogar einem ganzen Themenfeld Aufmerksamkeit, dem es als faktenorientiertes, nachrichtliches Leitmedium eigentlich keine Plattform geben sollte. Es wird sogar der Vorwurf laut, dass Informationen ungeprüft in einen Artikel eingebunden und somit falsche Fakten an den Leser weitergegeben werden. Als ein Beispiel dafür dient ein Artikel über den Tattoo-Szene Star Kat von D, in dem sie sich laut SPON 400 Tattoos binnen 24 Stunden gestochen haben soll, dabei war sie diejenige, die die Tattoos an Fremden stach. Wenn sich diese offenbar wenig engagierte Recherche auf Artikel gesellschaftlich relevanter Thematiken überträgt, ist dies mehr als ärgerlich für den Leser. Eine aktuelle Studie der Technischen Universität Darmstadt über das Nutzungsverhalten von Mitgliedern sozialer Netzwerke zeigt, dass SPON-Artikel, sowie Beiträge von BILD online, besonders gerne von den Nutzern geteilt werden. Die Linie, die der SPON verfolgt, scheint bei der breiten Masse auf Zustimmung zu stoßen. Ob diese hohe Akzeptanz der Leser auf „halbseidene Bildergalerien […] [und] krachlederne Sprache“ zurückzuführen ist, ist von den Präferenzen der Leser abhängig.

Panorama-Ressort Schuld?

Die Kritik an SPON beläuft sich jedoch maßgeblich auf das Ressort Panorama, welches in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut wurde. Die Anzahl der Artikel in ebendiesem Ressort ist höher als in den Sparten Politik – Deutschland und Politik Ausland; dies ergab ein wissenschaftliches Forschungsprojekt aus dem Jahr 2010. In diesem Zusammenhang sollte jedoch berücksichtigt werden, dass Beiträge, die besagtem Ressort zugeordnet werden, zumeist schneller zu verfassen sind als Polit-Beiträge und demnach die Anzahl höher sein kann. Die Leser werden hauptsächlich dazu verleitet, die Panorama Beiträge zu lesen, weil sie weniger komplex als die des Politik- oder Wirtschaftsressorts sind und den Intellekt der Leser nicht fordern. Doch auch wer selbst Kritiker der bunten Panorama Sparte ist, liest die Inhalte, wenn auch nur beiläufig, so bestätigt von SPON Geschäftsführerin Katharina Borchert: „Kürzlich sagte jemand zu mir, er fände das total toll, dass unser Börsenticker immer ungefähr auf Höhe des Panoramaressorts ist, weil er so Morgens bei der Arbeit in der Bank als aller erstes unsere bunten Panorama Nachrichten lesen, aber immer noch behaupten kann, eigentlich hätte er nur auf den Börsenticker geguckt“.

Problematisch wird es nur, wenn der SPON mit Artikeln aufwartet, in denen Prominente thematisiert werden, deren Namen die Zielgruppe womöglich noch nie gehört haben (siehe Beispiel 2). Eine auf SPON oft erwähnte Person des öffentlichen Lebens ist der US-Reality Star Heidi Montag, die durch nichts weiter als einen Schönheits-OP Marathon und die Teilnahme in einer US-amerikanischen Pseudo- Dokumentation von sich Reden gemacht hat. Es ist fraglich, ob Informationen, die mit dieser Person in Verbindungen stehen, von Relevanz für die SPON Leser sind. Ebenfalls problematisch ist es, wenn auf SPON Bilderstrecken von Online-Klatschmagazinen übernommen werden, in denen ,berühmte’ Personen erscheinen, die in Deutschland nur einen kleinen bis gar keinen Bekanntheitsgrad genießen. Zudem wird der Vorwurf laut, der SPON verwende in besagtem Ressort Überschriften, die sich durch zu gut gemeinte Wortspiele dem Leser nicht immer erschließen (siehe Beispiel 1 + 3).

Beispiele:
1.
2.
3.
Zweitverwertung von Inhalten

Wer zuerst berichtet, steigt in der Gunst der Leser. Verständlicherweise möchte der SPON keinen Verlust der Leserschaft verbuchen, indem er nicht als erster Online-Nachrichtendienst neue Meldungen aufgreift. Im selben Atemzug ist es aber auch wichtig, die Informationen mit einer gewissen Seriosität aufzuarbeiten und sie nicht schlichtweg von anderen News-Medien ungeprüft zu übernehmen. So wie schon mehrfach geschehen im Panorama-Ressort des SPON, bei dem oft eine Zweitverwertung von Inhalten anderer Klatsch-Seiten stattfindet. Besonders beliebt sind bei den SPON-Redakteuren die Inhalte der Dailymail und der britischen THE SUN. Themen, die in der Daily Mail nur als Randnotiz verarbeitet werden, dienen dem SPON zeitweise als Aufhänger, ohne die Informationen gründlich zu prüfen oder zu hinterfragen. Natürlich ist es nicht verwerflich, sich inhaltlich an anderen Magazinen zu orientieren, um Themen zu beleuchten, die bereits in aller Welt diskutiert werden. Doch es ist sicherlich erstrebenswerter, diese Themen eigenständig auf die Agenda zu setzen, ohne sie von anderen Medien der Klatschwelt zu adaptieren. Beispiel 4 zeigt einen Artikel, bei dem der SPON das pinke Handy mit Hasenohren der in Deutschland eher weniger bekannten Helena Bonham Carter in den Titel setzt. Es wird als Ergänzung sogar eine Bildstrecke angeboten, in der das entsprechende Handy aber nicht mal abgebildet ist. Liest man aber den originalen Artikel der Daily Mail, stellt man fest, dass das pinkfarbene Handy noch nicht mal zu der Schauspielerin gehörte.

Beispiel:
4.
Geheimwaffe Klickstrecke

Zum Erweitern der Klickzahlen sind bunte Bildergalerien in Form von Klickstrecken beim SPON äußerst beliebt. Der Leser muss oft weit über 20 Mal klicken, um eine bestimmte Bilderserie komplett zu erfassen. Die enorme Anzahl von Klicks, die sich dadurch generieren lässt, beschert dem SPON eine hohe Pageimpression – also viele Seitenaufrufe innerhalb einer Website. Viele Klicks erhöhen die Attraktivität für Werbekunden – also sind Klickstrecken eine durchaus lukrative Angelegenheit. Unter dem Deckmantel einer besseren inhaltlichen Übersicht bedienen sich fast alle deutschen Online-Nachrichtenportale dieser Methode. Von einem inhaltlichen Mehrwert für den Nutzer kann in diesen Fällen aber selten zu sprechen sein, da das eigentliche Thema meist nur auf zwei Bildern thematisiert wird und die restlichen Fotos ein Sammelsurium aus annähernd verwandten Inhalten ist.

Spannung um jeden Preis?

Für Stefan Niggemeier steht besonders das künstliche Erzeugen von Spannung bei Artikeln des SPON im der Kritik. Er wirft dem SPON vor, spannungsgeladene Inhalte von anderen Zeitschriften zu adaptieren, nur weil sie das Etikett „spannend“ tragen, missachtend ihres inhaltlichen Wertes. Die Schwierigkeit dabei ist laut Niggemeier nur, dass ein mit Spannung erwartetes Ereignis, das journalistisch auch so präsentiert wurde, bei Eintreten gar nicht mehr so aufregend ist. Ein weiteres Problem ist, dass sich aus manchen Inhalten gar keine spannenden Geschichten erzählen lassen, der SPON es aber trotzdem versucht und daran scheitert. Ein Beispiel liefert Stefan Niggemeier anhand seiner Kritik des SPON Artikels zur Wahl des ZDF-Intendanten Thomas Bellut, bei der der Aspekt der Spannung schlichtweg nicht im Vordergrund steht. Die Spannungslosigkeit der Intendantenwahl wird dann aber zum Hauptthema des Artikels und interessante Aspekte, die einer vertiefenden Behandlung gebühren, werden ausgelassen, wie zum Beispiel die fehlende Transparenz der Intendantenwahl. Niggemeier konstatiert zu Recht, dass eine Intendantenwahl nicht den Anspruch hat, spannend zu sein. Sogar der Ort, an dem die Intendantenwahl stattgefunden hat, schien dem Verfasser des Artikels langweilig, denn er merkt an, dass das Spannendste, was an diesem Ort passiert sei, der Überfall während eines Pokerturniers war. Warum er den Anspruch erhebt, dass ein Raum zur Intendantenwahl spannend sein muss, erwähnt der Autor hingegen nicht. An diesem Beispiel macht Niggemeier deutlich, dass die „Ansprüche, die »Spiegel Online« an die Welt hat, […] dramaturgischer, nicht inhaltlicher Natur“ seien.
Laut Wolfgang Blau, Chefredakteur der ZEIT, gibt es zweierlei Ziele einer Nachrichtenseite: Entweder die qualitativ hochwertigste zu sein, oder die mit der höchsten Reichweite, ohne auf ein qualitatives Alleinstellungsmerkmal zu pochen. Beides in Kombination schließt sich seiner Auffassung nach jedoch aus. Möchte man als Online-Redakteur mit seiner Seite möglichst viele Leser erreichen, ist eine zumindest teilweise Boulevardisierung der Inhalte unabdingbar, so Blau. Diese Boulevardisierung stellt allerdings eine Gefahr für renommierte Nachrichtenmagazine dar, denn eine boulevardeske Tendenz kann laut Wolfgang Blau zu einer „Verwässerung der Inhalte“ führen und somit wiederum kontraproduktiv für die Klickzahlen sein. Eine reine Finanzierung über Werbung bedingt eine hohe Reichweite – diese versucht der SPON durch eine möglichst hohe Bandbreite an Artikeln zu erreichen. Umso mehr Artikel verfügbar, desto höher die Chance, dass die potentiellen Leser durch eine Suchmaschine auf die Seite gelangen. Traditionelle Verlagshäuser, die online eine stärkere boulevardeske Färbung haben als in ihrer Print-Ausgabe, missachten die Tatsache, dass absolute Reichweiten nicht alles sind, denn Werbekunden können theoretisch auf zahlreiche andere Angebote zurückgreifen als auf journalistische Seiten, um ihre Produkte einem möglichst großen Publikum zuträglich zu machen, so Blau.


Zukunft Qualitätsboulevard?

Qualitätsboulevard ist ein journalistisches Konstrukt, gekennzeichnet durch “blumige Sprache, […] tendenziöse Themendarreicherung [und] [einen] bunte[n] Themenmix.” Stellt diese Form des Journalismus die Zukunft des SPON dar? Zumindest laut Eiermann handelt es sich beim SPON nicht selten nur noch um „aggregierten Informationsbrei“. Fest steht, dass eine Boulevardisierung der Inhalte stattfindet, um die Leserschnittmenge zufrieden zu stellen – nicht nur im Panorama-Ressort. Die journalistischen Möglichkeiten, die den Redakteuren zur Verfügung stehen, werden nicht immer in ganzem Maße genutzt, sondern oft bewusst verweigert, um schneller zu einem Ergebnis zu gelangen, das auf die Zustimmung der breiten Masse trifft. Dies gelingt eher, wenn man auch Artikel einbindet, die nicht den Anspruch eines tiefgreifenden Polit-Reports oder einer mehrseitigen Reportage stellen. Der durchschnittliche Leser möchte zwar über die aktuellen, gesellschaftlich relevanten Themen informiert sein, aber den SPON stets mit einem positiven Gefühl konsumieren: Bloß keine Überforderung beim Lesen! Diesen Bedürfnissen passen sich die Artikel des SPON teilweise an. Da die Inhalte auf SPON als Orientierung für andere Nachrichtenmagazine dienen, ist es unabdingbar, dass diesen Artikeln eine ausführliche Recherche zugrunde liegt. Denn die Themen, welche von den SPON-Redakteuren als relevant eingeordnet werden, sind für die Redaktionen anderer Nachrichtendienste, online sowie offline, richtungsweisend. Der SPON gilt als der Agenda-Setter der Nachrichtensphäre und sollte seine Themenauswahl auch dementsprechend rücksichtsvoll auswählen und journalistisch darstellen. Dabei ist es aufgrund des geänderten Mediennutzungsverhalten der Nutzer notwendig, auch tendenziös boulevardesk zu berichten. Trotzdem sollten die journalistischen Grundprinzipien wie Objektivität, Sorgfalt, Wahrhaftigkeit und der Verzicht auf Sensationsberichterstattung eingehalten werden.

Maya Marquardt

 

Wenn Journalismus im Rahmen des Medienwandels betrachtet wird

 

Perspektiven, meist von Wissenschaftler, über einzelne Medienbegriffe und -Konzepte

– von Vivian Napoles –

Vor allem dank aufeinander folgender technologischer Innovationen befindet sich die journalistische Branche wieder vor einem Paradigmawechsel. Seit Anfang der 1990er verändert sich das menschliche-kommunikative Verhalten nachdrücklich und lässt sich u.a. durch die hohe Geschwindigkeit dieses Verhaltens und von dem immer größeren Zugang zu freien Möglichkeiten der Medienproduktion, -Angebot und -Konsum als besondere auffällige Merkmale dieses Prozesses betrachten.

Mindestens seit dem 18. Jahrhundert wird die Medienindustrie u.a. von den technologischen und technischen Entwicklungen wirkungsvoll begleitet, wobei die Dimension ihrer Logik kontinuierlich anders geworden sind und bestimmt weiter sein werden. Zurzeit werden finanzielle, organisatorische und strukturelle Umwandlung des Medienproduktionsprozesses und des Medienangebotsprozesses ein Fakt, das als besonders wichtig oder als vielleicht ja notwendig vor allem für manche Verlage verwirklichen.

Als Ursache des genannten Paradigmawechsels erhob PD Dr. Stephanie Jungheim in ihrer Habilitation Medienordnung und Wettbewerbsrecht im Zeitalter der Digitalisierung und Globalisierung, die im Wintersemester 2009/2010 angenommen wurde, drei Hauptmotive: “Die technischen Entwicklungen, die zu Konvergenz der Medien führen, die Deregulierung und die Globalisierung der Telekommunikations- und Medienmärkte.”

Besonders die technischen und die technologische Entwicklungen vervollständigen einigermaßen die Formen menschlicher Aktivitäten, vor allem motivieren oder provozieren sie die Schaffung von Neuordnung angesichts des Umfelds, in dem der Mensch interagiert. Vermutlich wird von daher als Ausgangspunkt von manchem wissenschaftlichen Diskurs über die zeitgenössische Medienproduktion -Angebot und -Konsum die Digitalisierung dieser und deren konsequenten weiteren Neuschöpfungen betrachtet.

Als voriges grundlegendes Beispiel dafür lässt sich die Entwicklung der Drucktechnik anführen, auf Grund deren u.a. sich das Phänomen der Massenpresse (grob gesagt: Presse, die hohe Zahl in Auflage haben) in der Gesellschaft entstehen und mittlerweile festigen konnte. Dr. Manuel Wendelin beschrieb diese Idee in dem Buch Medialisierung der Öffentlichkeit: Kontinuität und Wandel einer normativen Kategorie der Moderne, wie folgt:

“Im Hinblick auf die technische Dimension der Medienlogik war für das 19. Jahrhundert die Erfindung der Schnellpresse zentral. Dadurch konnten die Druckkapazitäten um das Fünffache des bisherigen Outputs gesteigert werden. In den 1850er-Jahren wurde die Doppelschnellpresse entwickelt und 1868 stand die erste Zweifarbendruckmaschine zur Verfügung. Weitere Leistungssteigerungen brachte die Einführung des Rotationsprinzips. Das vorläufige Ende dieser Phase stürmischer Entwicklungen, die zugleich eine notwendige Bedingung für das Phänomen >Massenpresse< darstellte, markierte Ottmar Mergenthalers Erfindung der Zeilensetz- und Gießmaschine (Linotype) von 1884″, bemerkt Dr. Wendelin.

In diesem Sinn war die Schaffung der Eisenbahn für die Entstehung und Festigung der Massenpresse auch fundamental, denn dafür mussten die Medienangebote verteilt werden, wie es der Professor neben vieler anderer technologischer Entwicklungen bemerkte.

Bezüglich des zeitgenössischen, journalistischen Wandelprozesses wäre interessant anzumerken, dass die Produkte oder die Folge mancher aktueller technologischer Innovationen nicht unbedingt tastbar erscheinen, wie es früher oft der Fall war. Heute sind sie nicht ausschließlich materiell. Als ein industrielles Modell der Nachrichtenproduktion und -Angebot ist die Art und Weise der journalistischen Aktivität, die bis zur Einbeziehung der Digitalisierung erfolgte, von einer aktuellen Studie der ColumbiaJournalism School | Tow Center for Digital JournalismusPost-Industrial Journalism: Adapting to the Present– gennant, ausführlich dargelegt und im Rahmen des hierbei betrachtenden Thema evaluiert worden.

Heute erleben wir, wie man anhand des US-Dokument erfahren kann, eine Wandelzeit, wobei das postindustrielle Format der Medienproduktion, -Angebot und -Konsum Teil der Entstehung einer digitalen Wirtschaft u.a. ist: “Ein Produktionssystem, das auf immateriellen Vermögen basiert ist, nämlich Kenntnisse, Information und Weisheit.”

Der oben angeführte Gedanke ist von dem brasilianischen Nachrichtenunternehmen Observatório da Imprensa einem Mediensender, der erst 1996 im Online-Format, 1998 im TV-Format und 2005 im Radiofunk-Format erschien und der in Brasilien hauptsächlich dazu dient, das veröffentliche Nachrichtenangebot kritisch zu betrachten – unterstützt und das mittels mehrmaliger inhaltlicher Analyse das hier erwähnten US-Dokuments kritisierte (erster, zweiter,dritter und vierter Artikel). Generell gesagt wurde dabei bestimmt dass was wir heute erleben sich nicht um den Ersatz eines Modells für andere handelt, “denn es gibt schon genügenden Daten, die belegen können, dass die beiden Modelle koexistieren werden, genauso wie das Feudalsystem immer noch in vielen Ländern dieser Welt überlebt, wobei der industrielle Kapitalismus dominiert”, so in dem zweiten Artikel (von Carlos Castilho).

Unsere Sinne werden auch bei dem aktuellen Prozess des Medienwandels anders geweckt. Der Dozent Jens Best bemerkte es – bei seiner 27.10.2012 Sichtung an der medienwissenschaftlichen Abteilung der Universität Bonn, als er das Buch Die stille Revolution: Wie Algorithmen Wissen, Arbeit, Öffentlichkeit und Politik verändern, ohne dabei viel Lärm zu machenvon Dr.Mercedes Bunzzitierte -, dass man bei der Industrialisierung z.B. ‘Lärm’ auf den Straßen ständig hörte. Ganz anders läuft es jetzt bei der sogenannten Digitalzeit, bei der die technische und technologischen Veränderungen ‘in Stille’ fortgehen. 

Folglich werden im Rahmen des bisher aufgeführten Themas einzelne Begriffe und Konzepte kurz dargelegt und verschiedene Ausgangspunkte mit einander leicht konfrontiert. Sie verkörpern die Thematik, die Essenz oder das Extrakt mehrerer Überlegungen um den hier betrachtende Inhalt. 

Es mag als eine echte Kurzfassung von verschiedenen aktuellen, meist wissenschaftlichen, Kerngedanken betrachtet werden, wobei man sich einen Klick von einzelnen Beiträgen, Zeitschriften, Websites, Blogs, Videos u.ä. entfernt befinden wird, in denen das Thema im spezifischen Fokus beschrieben, diskutiert oder analysiert wurde. Kurz vor dem Ende der vorliegenden Schrift, wurde das Thema in Bezug auf die wissenschaftsjournalistische Arbeit in wenigen Worten behandelt.

Konvergenzprozess: Resonanz

Die zentrale Idee der Konvergenzthese besteht darin, dass “die bisher getrennten Sektoren des Kommunikationswesens Rundfunk und Telefonie aufgrund der Digitalisierung zusammenwachsen”, so PD Dr. Stephanie Jungheim. Daher ist im Telekommunikationsgebiet der Sinngehalt von Konvergenz für die digitale Datenübertragung verwendet.

Besonders in dieser Variante der Datenübertragung ist vor allem, dass alle Informationen in ein Zahlensystem codiert werden, das nur aus den Ziffern bzw. dem Binärcode ‘0’ und ‘1’ bestehet, und die in Wörter, Bilder und auditive Harmonien übersetzt werden. 

Dabei entsteht noch die Idee einer Konvergenz der Kommunikationsplattformen in Sinne eines Endgerätes, wie PD Dr. Jungheim auch kommentiert, “wobei am Ende der Entwicklung ein einziges Multimedia-Endgerät stehen” würde, “das die Funktionen von Telefon, Fernseher, Computer und Spielkonsole vereinte”, meint sie. 

Die Akademiker glaubt, dass “die technische Konvergenz zur Konvergenz der Dienste und Märkte und der Konvergenz des Nutzerverhaltens führt”, wobei sie in Erinnerung bringt, “dass der Begriff Konvergenz eigentlich sich annähern bedeutet”, sodass für sie führt diese Entwicklung “nicht zwangsläufig zu einem Multimedia-Endgerät, sondern wird zu einem Nebeneinander unterschiedlicher Endgeräte mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten aber Nutzungsschwerpunkten führen.”

Diesen Moment erleben wir schon nach und nach. Wir haben z.B. Internetzugang in unseren Handyapparaten und auch bei unserem Laptop, PC, IPad u.ä., währenddessen das Handy für uns vielleicht als Nutzungsschwerpunkt ‘jemandem anzurufen’ oder ‘an jemanden eine SMS schreiben’ umfasst, wobei der Laptop für uns wahrscheinlich hauptsächlich dazu dient ‘längere Texte zu schreiben’ und ‘im Internet zu veröffentlichen’.

Im Kontext des Konvergenzprozesses betonte Pr. Dr. Stephan Füssel seinerseits in dem Buch Medienkonvergenz – Transdiziplinärfolgendes: “Die zentrale Fragestellung ist die politische Dimension der Medienkonvergenz, da die neuen Kommunikationsmöglichkeiten eine Individualisierung und Spezialisierung hervorbringen. Auf gesamtgesellschaftliche Ebene wird dadurch aber auch die Gefahr einer Fragmentierung des Wissens und des Zugangs zu Bildung und Information zu besorgen registriert.” Diese letzte Äußerung führt uns zu der sogenannten “Theorie der Wissenskluft-These”, wie im folgenden Absatz kurz angesprochen.

Wissenskluft-These

Die Theorie der Wissenskluft-These oder Die Hypothese der wachsenden Wissenskluft erschien erst 1970 in der Zeitschrift Public Opinion Quarterly und wird u.a. von Pr. Dr. Heinz Bonfadelli seit lang her und immer noch häufig eingesetzt und diskutiert (kurz dazu PDF-Datei, oder bei seinem Buch von 1994 Die Wissenskluft-Perspektive: Massenmedien und gesellschaftliche Information oder noch bei dem Buch von Michael Schenk Medienwirkungsforschung). 

Pr. Stephan Füssel synthetisierte seinerseits die Idee dieser These, dass es sich um eine digitale Spaltung handelt: “als sich erweiternder Abstand zwischen den Gut-Informierten und den Schlecht-Informierten zu erwarten” ist. “Während es den bereits Gut-Informierten gelingt, sich noch umfassender zu informieren und somit vom bestehenden Informationsangebot zu profitieren, können die Schlecht-Informierten (übertragen auf die neue Medien) das Medienangebot nicht produktiv nutzen”, so Pr. Füssel.

Konvergenzprozess: Fortsetzung

PD Dr. Stephanie Jungheim zitiert in ihrem hier bereits erwähnten Buch u.a. Dr. Claudia Masts Artikel Massenkommunikation – quo vadis?, der in dem Buch Massenkommunikation: Ergebnisse und Perspektiveerschienen istwobei die Autorin den Konvergenzprozess in drei Entwicklungssphären differenziert: 1) “Von der Standardisierung zur Individualisierung der Leistungsangebot”; 2) “Der Trend von der Synchronisierung zur Asynchronisierung medialer Kommunikation, weil die Gleichzeitigkeit der medialen Kommunikation durch die Möglichkeit des individuellen Zugriffs verloren geht”; 3) “Das Publikum zerfällt in seiner personellen und zeitlichen Identität, als auch im Sinne seine räumliche-territoriale Identität.” Von daher meint Dr. Mast, dass “der Umbau im Mediensystem eine Schwächung der Integrationsleistung der Medien zur Folge” hat.

Die oben zitierte Entwicklungssphäre von Dr. Claudia Mast umarmt eine interessante Diskussion, auf den Pr. André Lemos im Rahmen der Medienfunktionen, angesichts des Konvergenzprozesses, konzeptuell in dem Artikel Cidade e Mobilidade. Telefones Celulares, funções pós-massivas e territórios informacionaiseingeht. Pr. André Lemos unterscheidet die gesellschaftlichen Funktionen der Medien mittels zweier Konzepte, nämlich die “massiven Funktionen” bzw. “klassischen” und die “postmassiven Funktionen” bzw. “digitalen”. 

Die Bedeutung der “massiven Funktionen”, so der Professor, nehmen fast immer Bezug auf eine Konkurrenz zwischen den Institutionen der Massenkommunikation, sodass sie hohe Audienz und Verkauf immer im Auge haben, und von daher der Einflüsse in die öffentliche Meinung.

Die “postmassiven Funktionen” Pr. André Lemos wurden u.a. besonders von dem Dozent Ricardo Oliveira in dem Beitrag Convergncia Midiática: trs categorias zusammengestellt und kritisiert. Sie neigen seiner Meinung nach dazu, die massiven Funktionen zu erweitern, zu ändern oder sogar dazu sie umzukehren, “weil wir über ein Paradigma Umbruch im Rahmen der Informationssender sprechen, wobei der heutige Informationsinhalt bzw. Kommunikationsinhalt u.a. durch personalisierte Gestaltung extrem zugänglich sind, der unmittelbar und teilweise ausgesetzt werden können und weil neue Technologien immer weiter erscheinen, die die postmassiven Funktionen ausnutzen und genau dadurch das Entstehen von neuen spezifischen Tools für die Akteure ermöglichen und gleichzeitig verursachen”, meint der Dozent.

Ricardo Oliveira hat verschiedene Punkte in seinem Artikel hervorgehoben, wobei die Verteidigungsform und die Beziehungen zwischen den Kommunikationsakteuren “postmassive Funktionen” haben. Zum Beispiel angesichts Kommunikationen, die mittels Blogs erfolgen, wobei es “kein Interesse an finanziellen Gewinn gibt, es gibt reservierte Plätze für Kommentare seitens des Empfängers, der Fokus befindet sich in Nischen mit spezifischen Interesse und ist in Creative Commons Lizenzen normalerweise verankert (d.h. mit geringen vorbehaltenen Rechten)”, so Oliveira. 

In diesem Sinn bezieht sich Pr. André Lemos seinerseits auf die Höhe der Beteiligung zwischen den Akteuren und dem Kommunikationsprozess(-es): “die Blogs, Podcasts, Wikis, die Diskussionsforen und die soziale Software funktionieren nicht wegen der Informationszentralisierung; sind nicht unbedingt mit Kommunikationsunternehmen verbunden; begrenzen sich nicht nur auf Informationsübermittlung; sind nicht mit der Publizität und dem Marketing, die ihre Emissionen bezahlen, unbedingt verbunden; sind keine staatlichen Konzession und sind nicht auf eine geographische Abdeckung begrenzt.”

Die “postmassiven Funktionen” haben ein “Deterritorialisierungspotential”, meint der Professor, Begriff des seit lang her Gielles Deluze und Félix Guattari in der Philosophie u.a. benutzten und Bezug auf Nietzsches “verlorenes Territorium” prinzipiell übernehmen und der sich von Dr. Claudia Masts oben bereits erwähntem dritten Punkt der Entwicklungssphäre vom Konvergenzprozess nährt – als Wiederholung: 3) “Das Publikum zerfällt in seiner personellen und zeitlichen Identität, als auch im Sinne seine räumliche-territoriale Identität”, so Dr. Claudia Mast. (Mehr dazu: Pr. Dr. Friedrich Balke hat das Buch Gilles Deluzegeschrieben, in dem er eine kurze Zusammenfassung um das Thema “Deterritorialisierungspotential” im Rahmen des Nitzsches “verlorenes Territori” präsentiert). 

Pr. André Lemos geht davon aus, dass sich eine neue Masse aufbaut, die er “Nischemasse” nannte (nicht mit “Nischenmaße” zu verwechseln) und die Blogers, Amateur-Videomakers, Musikgruppen u.ä. umfasst, wobei die Medienintermediation bzw. Medienvermittlung (was vor allem Einflüsse heißt) seitens des Medienunternehmens neutralisiert werden.

Wichtig wäre es hierbei zu betonen, dass die Idee von Masse angesichts der Medien und im Rahmen der Öffentlichkeitssphäre nicht an Bedeutung verlor. Bei manchen sozialen Netzwerken kann man sofort sehen wie viele ‘Followers’ ein Mensch hat – man sieht es tatsächlich und diese Zahl spielt schon eine große Rolle in und für die digitalen Räume (wobei sie die erste Entwicklungssphäre des Konvergenzprozesses von Dr. Claudia Mast Bezug nehmen: “Von der Standardisierung zur Individualisierung der Leistungsangebot”) – und wahrscheinlich wird sie immer bedeutender sein, sich dafür zu interessieren und auch danach zu fragen, nicht nur ‘wie viele’ sondern ‘was für’ ‘Follower’ jemand hat.

Crossmedia

Konvergenz und Crossmedia werden oft nebeneinander im Rahmen des Medienwandels dargestellt. Obwohl eine crossmediale Kommunikation nicht umbedingt mittels des Netzes erfolgt, wie dies der Fall bei der Medienkonvergenz ist, wurde die crossmediale Produktion dank der Digitalisierung – und von daher auch dank des Konvergenzprozesses – anders und wird nach und nach häufiger von den Mediensender angewendet. Nebenbei verändert sich die journalistische Aktivität elementar. Aber es ist wichtig zu betonen, dass cossmediale Produktion, Angebot und Konsum nicht eine neue Sache ist.

Um den Begriff ‘Crossmedia’ unter technischer Betrachtung zu bestimmen, kompiliert der Dozent Christian Jakubetzin dem Buch CrossmediaWikipedias Begriffsdefinition, in der zu lesen war, so der Autor, dass “es sich dabei um eine Kommunikation über mehrere inhaltlich, gestalterisch und redaktionell verknüpfte Kanäle hinweg handelt”. Ausgehend von diesem Standpunkt weist Christian Jakubetz allerdings darauf hin, dass ein crossmediales Konzept am heutigen Tag dringend einen Rückkanal beinhalten muss und “vielleicht auch mehrere.” 

Bei Wikipedia ist diese Definition mittlerweile anders zu lesen, wobei “den Rückkanal” berücksichtig werden. Crossmedia wird dann bei ihm vor allem als “Kommunikation, Dialog und Interaktion” bezeichnet. Hierbei verwendet Christian Jakubetz den Begriff “Paradigmawechsel”, um die Umformung in der journalistischen Tätigkeit zu benennen: “Journalismus eher als Dialog denn als Monolog”, eine Sache, “die man in der Praxis erst umsetzen muss”, meint er.

Aber prinzipiell übernehmen die crossmedialischen Darstellungsformen das, was “selbst zu Zeit von Web 0.0 unsere Kernkompetenz war: Inhalte”, so der Dozent. Die crossmediale Produktion, meint er, stellt das journalistische Berufsverständnis komplett in Frage, denn der “Journalist, das Medienhaus als alleiniger Gatekeeper zur Information” funktioniert nicht mehr.

Hierbei wäre interessant ein Konfrontation von den Anwendung des sogenannten ‘Cross-‘ und ‘Multimedia’ darzulegen, denn sie lassen sich von einander mittels der Art und Weise, wie Medieninhalte bearbeitet oder dargestellt werden, differenzieren. Das Konzept von Crossmedia mag von dem der Multimedia differenziert werden, wobei die Idee von der “trimedialen Arbeit” auch hier auftauchen könnte.

Der Dozent Christian Jakubetz beschreibt diese Differenzen auf eine einfache Art und Weise in dem Beitrag Der Unterschied zwischen Cross- und Multimedia. Kurz gesagt: “Multimedia bezeichnet die Verwendung von verschiedenen medialen Darstellungsformen innerhalb eines Themas. In der Praxis gemeint sind allerdings dann tatsächlich Darstellungsformen, die einen Mediensprung beinhalten; wenn also tatsächlich so unterschiedliche Darstellungsformen wie Text, Video und Audio integriert sind. Crossmediales Arbeiten bedeutet, dass ein Inhalt über diverse Plattformen hinweg publiziert wird. In der Kommunikationswissenschaft wird dies so bezeichnet, als dass multisensorische Hinweise auf die jeweiligen Zielplattformen zu erfolgen haben. Wenn man von crossmedialem Arbeiten spricht, muss mindestens ein weiteres Medium im Spiel sein (Beispiel: Internet – Zeitung). Dies ist beim multimedialen Arbeiten nicht zwingend der Fall”, schrieb Christian Jakubetz.

Der technische und der konzeptionelle Aspekt des Themas Crossmedia wurden von dem Dozent betrachtet, in dem er meint, “man kann nicht einfach mal eben auslosen, wo welcher Inhalt präsentiert werden soll.” Die simple Frage nach “Welche Equipment benötigt man?” wäre dann heute bedeutsamer denn nie zuvor, besonders wenn die Qualität des Endmaterials und die Nutzung von diesem auch in Frage kommen.

“Zugespitzt gesagt: Man braucht einen Laptop, ein Mikro, eine DV-Kamera (ggf. reicht auch ein guter Camcorder), eine Digitalkamera, ein Stativ, ein Mikrofon, einen Kopfhörer, ein digitales Aufnahmegerät, einen mobilen Internetzugang, eventuell ein kleines Mischpult, neuerdings würde ich auch noch ein hochwertiges, multimediafähiges Handy empfehlen – und das war’s dann auch schon, zumindest in der Theorie. Ist alles eine Frage des wofür. Gleichwohl wird es demnach in der Zukunft zu den Schlüsselqualifikationen des crossmedial arbeitenden Journalisten gehören beurteilen zu können, wo welches Material eingesetzt werden muss”, meint der Autor. 

Es ist das erste Mal in der Mediengeschichte, so Christian Jakubetz, dass “potenzielle neue Endgeräte bereits in enorm großen Mengen vorhanden” sind. “Nur an den Inhalten fehlt es bisher, sowohl, was die Ideen dafür angeht als auch an tatsächlichen, fertigen Inhalten. Eine enorm große Chance für Journalisten und Redaktionen”. ‘Das mediale Umfeld wird anders und die Öffentlichkeit, vor allem in einzelner digitalen Form, erweitert.

Medienempfänger: passiv – aktiv – partizipativ

PD Dr. Stephanie Jungheim charakterisiert den aktuellen Mediennutzer als “aktiv”, der die Medien zur Bedürfnisbefriedigung nutzt. Dabei dient es dem Gedankengang von dem Dozenten Ricardo Oliveira – bezüglich eines Textes von Pr. André Lemos und anders von Pr. Rektor Henry Jenkins als Komplement. Ricardo Oliveira bemerkt, dass es immer einen “aktiven” Mediennutzer gab, der gegenüber der Produktion von Medieninhalten jetzt nicht nur “aktiv” wurde, sondern “partizipativ”. Obwohl sie ähnliche Gedanken haben und wahrscheinlich auch meinen, verkörpern beide den Diskurs einer Diskrepanz von einander in Bezug auf die Charakterisierung des Medienempfängers.

Der Dozent betont, dass die Erhaltung von Informationen bereits eine Aktivität impliziert. Die Vorstellung von einer “Passivität” seitens des Medienempfängers sollte lieber als die Art und Weise wie der Mediensender seinen Empfänger bis jetzt wahrgenommen hat, angewendet werden, anstatt wie der Medienempfänger sich eigentlich benommen hat, meint er.

Die Anwendung der Leserbriefe wäre noch in Erinnerung zu rufen, wobei der traditionelle Medienempfänger sich äußern dürfte, obwohl in ganz anderer Beschaffenheit, mit anderen Rahmenbedingungen – z.B. die Briefe wurden nicht immer und, wenn dann, oft nicht komplett veröffentlicht, die Veröffentlichung von den Briefen wurde mittels und dank der Mediensender ermöglicht oder erlaubt und diese hat auch einige Zeit gedauert u.ä. (man darf aber nicht vergessen, dass sozialen Netzwerken – oder einfacher gesagt, die online Medien generell – beinhalten ihre eigenen Bedingungen, Grenzen, Interessen usw.).

Mediensender: Journalisten

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) veröffentlichte im Juni 2011 einen langen Artikel, der Wer Journalisten sind und wie sie arbeiten gennant wurde. In dem Artikel wurden ganz am Ende drei Faktoren, die durch die letzten Jahre die journalistische Arbeit machtvoll beeinflusst haben, unter dem Untertitel Wandel der journalistischen Arbeit pointiert, zusammengefasst wie folgt: “Die Digitalisierung, die Publikumsorientierung und die zunehmende Ausrichtung redaktioneller Arbeit an wirtschaftlichen Gesichtspunkten.”

Der Text schildert die deutsche journalistische Tätigkeit bzw. diesen Horizont minutiös und beinhaltet die folgende Bemerkung schließlich: “In den nächsten Jahren werden die meisten Journalisten weiterhin für Print- und Rundfunkmedien arbeiten. Weil das Internet als Vermittlungsweg noch weiter an Bedeutung gewinnen wird, müssen künftige Journalisten-Generationen multimedial denken und agieren ohne die bewährten journalistischen Standards zu vernachlässigen.”

Der Dozent Christian Jakubetz meint in dem hier schon erwähnten Buch Crossmedia, dass sich heute drei wichtige Veränderungen im Rahmen der journalistischen Arbeit skizzieren lassen, die anders als die erhobenen von der bpb sind, aber nicht gegensätzlich, wie folgt: 1) “Die Bedeutung linearer Programme bzw. linear strukturierter Medien sinkt zunehmend” (was dazu führt, dass “Selektion in der Zukunft wichtiger denn je sein wird” und von daher, dass wenn Journalisten den Netznutzer mit seinem Angebot erreichen wollen, müssen sie neben der Qualität seiner Schaffung im Augen haben, “wen” und “wo” genau sie ihn erreichen wollen oder überhaupt können); 2) “Die Position von Journalisten, die Bedeutung ihrer Inhalte sowie das Verhältnis von Journalisten und Konsumenten zueinander. All das hat sich bereits verändert und wird sich weiterhin radikal verändern”; 3) “Wir werden immer mobiler.”

Besonders aktuell in der Thematik ist das hier schon erwähnte US-Dokument Post-Industrial Journalism: Adapting to the Present (kurz Überblick von Joshua Benton), in welchem der US-Journalismus im Rahmen des Medienwandels ausführlich dargestellt und diskutiert wurde. Es handelt sich vor allem um ein Essay “part survey and part manifest”, der von drei Akademikern (nämlich C.W. Anderson, Emily Bell und Clay Shirky), verfasst wurde. Ein langer Bericht, der als eine Beschreibung von der zeitgenössischen und wichtigsten Faktoren der journalistischen US-Branche dient. Der Text wurde auf qualitative Interviews und auf “the industry experience and precious scholarship of its authors” basiert und auf drei Hauptsparten verteilt, zwar “Journalisten, Medienunternehmen und Medien Ökosystem”, sodass man sie separat lesen und verstehen kann, eben wenn man selbst ein Laie auf diesem Themengebiet ist.

Eines der zentralen Themen dieses Essays ist, dass die zeitgenössischen Journalisten angesichts der Kollaboration mit dem Medienempfänger fähiger sein müssen, wie folgt: “Journalists have to bekome more skilled at collaboration, with technologies, crowds and partnerships, to help scale the considerable task to reporting events.” In diesem Sinne sind die Autoren der Meinung, dass “Working collaboratively and across disciplines should start in the newsroom, which is where this organizational skill set should flow from. This in itself requires journalistis to be freer to think about and improve the overall process of journalism.”

In dem US-Dokument wurde der aktuelle Journalismus mittels fünf zentraler Änderungen betrachtet, die direkten Bezug auf die neuen technologischen Entwicklungen nehmen, anhand deren das bis jetzt existierende Geschäftsmodell von “doing journalism” untergraben wird, so in dem Essay: 1) “Deadlines und formats for journalism become unresricted”; 2) “Geography becomes les relevant for information gathering and the creation and consumption of journalism”; 3) “Live streams of data and social activity provide new and unfiltred source material”; 4) “Real-time feedback influences stories”; 5) “Individuals become more significant than the brand”. Darüber hinaus: “The conditions within the news industry have led to individual journalists feeling disempowered rather than having more influence over their work.”

Aber der Text soll mit Sorgfalt empfangen werden, denn es handelt sich um das journalistische US-Geschehen an sich, das viele Ähnlichkeiten z.B. zu dem europäischen beinhaltet, aber auch Diskrepanzen. Die Besonderheit des journalistischen US-Fall hat Dr. Rasmus Leis Nielsen ausführlich betrachtet (zum Artikel), wobei er seinerseits u.a. kritisiert, dass das Dokument zur Erscheinung von neuer “politischen Medienbesitzer” weniger Achtung schenkt (z.B. Philip Anschutz, Douglas Manchester und die neuen Besitzer von Philadelphia Media Network).

Um ein kurzes Beispiel zu nennen, das die Differenzen zwischen dem europäischen und dem US-Journalismus verdeutlicht, hat das schon erwähnte Nachrichtenunternehmen Observatório da Imprensa zusammengefasst, wie teilweise folgt:

“Das aktuelle US-Medienökosystem ist weltweit einzigartig, es kann in große und dekadente Nachrichtenunternehmen, als auch in eine Weite von viele kleinen gemeinnütziger (die sich auch in Schwierigkeiten befinden) und auch in öffentlich-rechtliche verteilt werden, wobei eine neue spezialisierte Art von Nachrichtenunternehmen, die nicht institutionalisiert sind, mit Neuem experimentiert. In Westeuropa bspw. die öffentlich-rechtlichen Sender sind der große Teil des Medienökosystems, in dem der kommerzielle Typ von Medienangeboten nie wirklich dominant war”, so in dem ersten Artikel (von Larriza Thurler übersetzt, Informationen von Rasmus Kleis Nielsen). 

Von daher befinden sie sich momentan auch gegenüber strategischer Herausforderung, meint der Nachrichtenunternehmen, aber wenn man den westeuropäischen Fall mit dem beschleunigten Rückgang des privaten US-Medienmodells vergleicht, lassen sich die westeuropäischen Medienunternehmen als noch etwas finanziell stabiler begreifen.

Ein interessanter Punkt in dem US-Bericht ist ein Vergleich zwischen den Fähigkeiten von Journalisten und Maschinen, What Machines do Better betitelt. Eine kurze Beschreibung, in der es um die Euphorie der technologischen Industrie geht (z.B. durch die Medienangebote von den Unternehmen Palantir, Kaggle und Narrative Science), und bestätigen mag, dass sich die journalistische Tätigkeit vor einer Veränderung in all seinen Dimensionen befindet (Datenerhebung, Datenarchivierung, Produktions- und Darstellungsformen u.ä.).

Die IT-Entwickler sind euphorisch, so das Essay, mit “the infinite capabilities offered by data gathering and organization through algorithms.” Der technische Chef (CTO) von dem Unternehmen Narrative Science Kristian Hammond z.B. gab ein Interview, das im April 2012 in Form eines langen Artikels (Can an Algorithm Write a Better News Story Than a Human Reporter? betitelt, von Steven Levy) von der Zeitschrift Wired (deutsche Auflage) veröffentlicht wurde, wobei er behauptet hat, dass “80 to 90 percent of storiesin the future will be algorithmically generated.” Dazu sagte er, dass die Maschine, die seine Mitarbeiter gerade entwickeln, wie ein Journalist denken können muss, darüber hinaus schrieben C.W. Anderson, Emily Bell und Clay Shirky “Reporters and editors find this scenario terrifying.” 

Die Autoren des US-Dokuments sind der Meinung, dass die Journalisten sich von den Maschinen in mindestens zwei wichtigen Aspekten sicherlich differenzieren können, sodass sie singulär und notwendig in der Art und Weise von “Stoytelling” weiter bleiben werden, wie zusammengefasst folgt: 1) “Access and exclusivity or overship of a story is created through interviewing people. These very personal and human activities mark journalism as a form of information performance rather than simply a dissemination of facts”; 2) “The origination of ideas, algorithms, the formation of movements, and innovations to practices all riquire originality of thought. Journalist should be provoking change, initiating experimentation and instigating activity. Cultural literacy skills distinguish reporters, editors, designers and other journalist from other systems of data gathering and dissemination.”

Unten folgt ein flüchtiger Blick auf fünf Leitthemen, die als ‘Maxime’ bei der Einführung des US-Essays dienen und einiges Positive über “doing journalism” heute sozusagen verteidigen:

. “Journalism matters – roles will change, overlapping with the individuals (and crowds and machines) whose presence characterizes the new news environment;

. Good journalism has always been subsidized – Income can come from advertisers, sponsors, users, donors, patrons or philanthropies; cost reductions can come from partnerships, outsourcing, crowdsourcing or automation;

. The internet wrecks advertising – the web wrecks horizontal integration;

. Restructuring is, therefore, a forced move – No solution to the present crisis will preserv the old models – We belive that the similar dynamic is at work today, one we’re calling post-industrial journalismus, a phrase first used by Doc Searls in 2001, to men journalism no longer organized around the norms of proximity to the machinery of production;

. There are many opportunities for doing good work in new ways – to take advantage of new possibilities. Journalists now have access to far more information than previously. They have new tools for creating visual and interactive forms of explanation.”

Wissenschaftsjournalismus und wissenschaftliche Verbreitung 

“Wissenschaft dürfte ihre soziale Bedingtheit nicht vergessen. Sie sei immer schon das Produkt einer sich wandelnden Gesellschaft und würde von menschlichen Interessen getrieben”

Dr. Manuel Wendelin im Buch “Medialisierung der Öffentlichkeit” über den Wert “Strukturwandel der Öffentlichkeit” (1962) von Jürgen Habermas

Aus der Leitfrage “Wie sich Medienkonvergenz und Wissenschaftskommunikation zum Konvergieren bringen lassen?” hat Pr. Stephan Ruß-Mohl eine These in dem Artikel Opfer der Medienkonvergenz? Wissenschaftskommunikation und Wissenschaftsjournalismus im Internet-Zeitalter (Video darüber) angeführt (dieser Artikel kann in dem hier schon erwähnten Buch Medienkonvergenz – Transdisziplinär gelesen werden), wobei er folgendes hinterfragt hat, u.a.:

“Brauchen wir die Wissenschaftsjournalisten noch, wo doch im Netz jeder mit jedem kommunizieren kann?; Weil in den Redaktionen gesperrt werden muss, kommen dann die Kleinstressorts – also die Wissenschaft, aber auch das Medienressort – zuerst unter den Räder? Oder könnte es sein, dass gerade der Wissenschaftsjournalismus neu aufblüht im Newsroom, in dem es keine Ressortgrenzen mehr gibt und von dem aus alle medialen Verteilkanäle bedient werden?”, so Pr. Stephan Ruß-Mohl. 

Der Professor geht davon aus, dass “auf den ersten Blick die Mediennutzer des Internets die großen Gewinner der Konvergenz sind”, denn “die meisten Inhalte, für die wir bisher bezahlt haben, bekommen wir gratis oder zumindest sehr viel billiger als bisher – und obendrein unendlich viele dazu, die bislang unerreichbar waren.” Dabei profitieren die Medienempfänger so sehr, dass ihre Aktivitäten (die direkten Bezug auf die Medien nehmen und ein simpler Kommentar, Fragen, ein privater Blog oder eine Mitteilung eines bereits existierenden Linkes bspw. verkörpern können) in Bezug auf die Medieninhalten sich immer mehr von dem aus, was sie im Grunde genommen schon mal waren differenzieren lassen. 

Von daher ist mit einer Stärkung seitens des Wissenschaftsjournalismus auch zu zurechnen, meint Pr. Annette Leßmöllmann ihrerseits, wie sie sich bei dem wissenschaftlichen Artikel >> Ich schau das mal eben im Netz nach! << Wie das Internet den Wissenschaftsjournalismus verändertgeäußert hat. Die Professorin meint, dass “durch crowdsourcing die Kompetenz des Publikums direkt angezapft” wird. Crowdsourcing ist ein Begriff, der von der Zeitschrift Wired geprägt wurde und “basiert auf outsourcing: Hierbei werden Fachleute außerhalb des Unternehmens beauftragt. Beim crowdsourcing werden Laien animiert, unentgeltlich für ein Unternehmen zu arbeiten”, so Pr. Leßmöllmann. 

Diese Partizipation seitens des Publikums ist das Merkmal von einer zweiten “Veränderungswelle, die vom Internet ausgeht und den Journalismus erfasst”, indem wir uns befinden, schrieb die Professorin – Zitat dessen von Erik Möller (beim Die heimliche Medienrevoluition – Wie Webblogs, Wikis und freie Software die Welt verändern). 

“Die erste rollte ab Anfang der 90er Jahre und verändert die Recherche- und Publikationsmöglichkeiten von Wissenschaftsjournalisten durch informative Forscherwebsites, den schnellen Recherchekontakt per E-Mail, Wissenschaftsticker und publizistischen Plattformen wie Sciencegarden oder Wissenschaft Aktuell, Online Wissenschaftskanälen große Verlage wie Spiegel Onlineoder spektrumdirektund schuf unter anderem das veränderliche Berufsbild des Online-Journalisten. Jetzt könnten eine neue Partizipation des Publikums seine Arbeit wieder modifizieren. Dank wesentlich erweiterter technischer Möglichkeiten, Texte, Bilder, Videos und Podcasts (also Audiobeiträge) in großen Mengen ins Netz zu stellen, sind der Publikationslust aller – nicht nur der Journalisten – kaum noch Grenzen gesetzt”, so Pr. Leßmöllmanns.

Die große Menge an Publikationen und Publikationsformen im Netz führt den Wissenschaftsjournalismus “realistischerweise” dazu, meint Pr. Ruß-Mohl, mit reduzierten Aufmerksamkeitsspannen und großer Ablenkungsgefahr seitens des Empfängers zu rechnen. “Wer Wissenschaft vermitteln will, muss das in einer Umgebung leisten, die von Entertainment und alternativen Informationsangeboten überflutet ist. Es gilt, sich zugleich auf Rezipienten einzustellen die aktiv werden”, ahnt er.

Zu der unmittelbar oberhalb zitierten Aussage zählen einige positive und herausfordernde Einstellungen seitens Professor Ruß-Mohl, die Pr. Annette Leßmöllmanns Ansicht auch begegnen und teilweise erweitern könnten, z.B.: “Durch Konvergenzprozesse wird der Trend, dass aus Wissenschaftsjournalismus Wissenschaftsjournalismus wird, absehbar verstärkt. Damit ist gemeint, dass Medien seltener über einzelne Forschungsprojekte berichten – aber dafür öfter die Expertise von Wissenschaftlern heranziehen, um tagesaktuelle Fragen zu klären. D.h., das journalistische Handeln wird weniger von unseren Erwartungen als Wissenschaftler bestimmt, sondern vermehrt von die Konkurrenz um Publika, und der Journalist ist nicht als Sprachrohr des Wissenschaftsbetriebs im Einsatz, sondern als findiger Gegenrechercheur, der den Beitrag von Wissenschaft im gesellschaftlichen Problemlösungsprozess auch in Frage stellen kann, soll und muss”, so der Professor.

Aus diesem Zusammenhang lässt sich verstehen, dass die Leistungsfähigkeit, die die Wissenschaftsjournalisten selbst vollbringen müssen, nicht zu unterschätzen ist, sie “sind in dieser Situation ganz besonders aufgefordert, über die Grenzen des Internets nicht die Grenzen ihrer Wissenswelt definieren zu lassen. Außerdem müssen sie heute intensiv Quellenkritiken üben: sie müssen wissen, welche Weblogs wirklich relevante wissenschaftliche Debatte führen und welche nur der Eitelkeit ihrer Produzenten dienen”, meint Pr. Leßmöllmann.

In diesem Sinn müssen Wissenschaftsjournalisten ernsthaft abwägen, welche Rolle und in wieweit Wissenschaftlerblogs wirklich spielen sollen, als auch Wissenschaftlerpodcasts, -Wikis, -Videos u.ä., denn “Blogs keine Primärequellen sind, könnten aber dennoch ein guter Ausgangspunkt für die Themenfindung sein. So verfolgen sie aktuelle Debatte, sodass Autoren daran ablesen können, wer mit welchen Positionen vertreten ist und welche Themen eine Community überhaupt bewegen. Dem Fachfremden geben sie so Hinweise auf mögliche Interviewpartner und auch auf relevante Fragen. Außerdem hilft der dort stattfindende Meinungsaustausch, wissenschaftlichen Ergebnissen den richtigen Stellenwert zuzuordnen und angebliche Hypes zu entlarven”, so Pr. Leßmöllmann. 

Pr. Stephan Ruß-Mohl spekuliert über das deutsche Verhalten – mit den Augen zur Nutzung vom Internet gewendet – angesichts des Medienangebotes und -Konsums anhand einiger Infografiken, die von dem Nachrichtenunternehmen Frankfurter Allgemeine (Faz) am 19.10.2010 veröffentlich wurden – mit dem Titel Jeden Tag mehr als eineinhalb Stunden im Netz, bei Blog “Netzökonomie” | Netzwirtschaft. Dabei meinte der Professor: “Redaktionsintern muss umstrukturiert werden. Dabei fällt die Erfordernis, das Web 2.0 als neuen, interaktiven Distribuitionskanal angemessen zu bedienen, meist mit rigiden Sparvorgaben zusammen: In der Hoffnung auf Synergien entstehen Newsroom und Newsdesks – schlankere und zugleich multimediale Redaktionen.” 

Auf Konvergenz reagieren: drei Varianten

Pr. Stephan Ruß-Mohl berichtet bei seinem hier schon erwähnte Artikel u.a. noch “wie große deutsche Medienhäuser auf Konvergenz reagieren.” Dabei hat der Professor herausgefunden, dass sich heute drei Varianten erkennen lassen. Dieses Szenario stellte der Professor dar, wobei er u.a. die Rolle von den deutschen “Publika, PR- und Werbungsunternehmen” in Beziehung zu dem deutschen Journalismus analysiert. Über diese Beziehung in den heutigen Tagen schrieb er: der Journalismus “droht im Bermuda-Dreiecke zu verschwinden, weil in der konvergenten Web 2.0-Welt die Online-Publika nicht zahlen wollen, die Werbeerlöse wegbrechen und die PR die Glaubwürdigkeit des Journalismus mehr und mehr untergräbt. 

Unten folgt ein Überblick in Form von einem Zitat von dem Teil, indem der Professor die drei Varianten beschreibt: 

– “Im Extremfall werden – wie bei Springer, Gruner+Jahr sowie bei der WAZ-Gruppe – ganze Zeitungs- oder Zeitschriftenredaktionen zusammengelegt, oder wie beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk in der Schweiz Fernseh-, Hörfunk- und Onlineredaktionen – und damit demnächst wohl auch deren Wissenschaftsredaktionen;

– In abgemilderter Form werden einzelne Redaktionen ausgelagert, die dann mehrere Zeitungstitel beliefern – wie bei Neven DuMont Schauberg, soll heißen: der Berliner Zeitung, der Frankfurter Rundschau, dem Kölner Stadtanzeiger und der Halleschen Zeitung;

– Weniger spektakulär werden in vielen herkömmlichen, aber auch in zusammengelegten Redaktionen die Ressortmauern eingerissen und durch flexiblere Teamstrukturen ersetzt. Hier entstehen – als Modell für die zukünftige, konvergente Medienwelt – Newsrooms und Newsdesks, die mehrere Kanäle, zumindest aber Print und Online gemeinsam bedienen.”

Wissenswert 

“Medienwandel ist vielleicht ein Wandel von Interaktionsformen vielleicht ebenfalls ein Wandel der ökonomischen und symbolischen Kräfteverhältnisse zwischen Rezipienten und verschiedenen Produzenten, vor allem aber ein Wandel jener Verwebungen, Assoziationen, Assemblagen von Techniken, Prozeduren und Routinen. Medienwandel ist ein Wandel von Interobjektivitätsformen” Dr. Jan-Hendrik Passoth (PDF)

. Interview mit dem Wissenschaftsjournalist Mathias Urbach (WordPress);

. The State of the News Media 2013: An Annual Report on American Journalism (Pew Research Center | View Previous Reports);

. Videos über Web 3.0 Conference (Mediabistro);

. What is Web 3.0 (Artikel bei dem Blog von Steve Seager) ;

. Database (Interview bei Nieman Journalism mit dem Co-autor Kenneth Cukier);

. “Humans and Machines” (Studie Narrative Science);

. Blog von C. Anderson Drohnenjournalismus und einem Artikel von ihm über Drohenjournalism bei Wired.

. Kriegsroboter und Drohnen (Artikel Netzpolitik.org).

Journalistisches Schreiben in Zeiten des web 2.0: Es muss sich was ändern

Die Medienrevolution steht vor der Tür – und einer der wichtigsten Akteure merkt es nicht oder scheint sich dieser Tatsache zu entziehen. Es wächst eine neue Welt heran, in der das Wissen nicht länger von oben Einzug in die Köpfe der Menschen erhält. Das „top-down“-System ist Geschichte. Im web 2.0 partizipiert das Publikum selbst. Jeder kann sich uneingeschränkt öffentlich artikulieren, die Zugangsbeschränkungen wurden aufgehoben. Die Theorie einer Öffentlichkeit, wie Habermas sie nur unter Intellektuellen in einem Diskurs sah, ist heute schlichtweg nicht mehr angemessen. Nutzer informieren sich selbst, schreiben ihre Gedanken in Blogs oder posten die neuesten Meldungen aus der ganzen Welt. Eine Aufgabe, die zuvor nur von einem durchgeführt wurde: dem Journalismus. Doch dieser müsste sich der neuen Zeit anpassen, wie der Werbetexter, Redenschreiber, Blogger und Journalist Klaus Jarchow in seinem Buch „Nach dem Journalismus“ betont. Continue reading

Transparenz, Politik und Internet

Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Möglichkeiten die das Internet im Punkto politische Transparenz bietet, beleuchtet aber auch notwendige Entwicklungsschritte und Probleme im Bereich der fortschreitenden Digitalisierung. Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf den Thesen des Geschäftsführers von Transparency International, Dr Christian Humborg. Continue reading

Vom Journalisten zum medialen Alleskönner

 

Schon seit mehreren Jahren durchläuft das Berufsfeld des Journalisten einen massiven Wandel. Durch immer wieder auftauchende oder besser gesagt nicht endende Diskussionen, wird deutlich, dass dieser Wandel von großer Bedeutung ist. Sowohl für die Journalisten oder diejenigen die diesen Beruf anstreben, aber auch für die Konsumenten des Endproduktes. Doch aus was genau besteht dieses Endprodukt überhaupt? Durch die Entwicklung der Technik in den letzten Jahren hat sich auch die Arbeit des klassischen Journalisten geändert. Das so bezeichnete Endprodukt ist demnach nicht mehr nur noch morgens beim Frühstück in der klassischen Zeitung vorzufinden. Es begleitet uns multimedial durch den Tag, beispielsweise  auf dem Weg zur Arbeit auf unserem Smartphone in Form einer Nachrichtenapp oder auf dem Tablet PC als Online Version einer Zeitung. Continue reading

Wandel des Journalismus in osteuropäischen Ländern am Beispiel von Russland

Technische Innovationen, Digitalisierung, veränderte Informations- und Kommunikationsmuster stellen den modernen Journalismus vor neue Herausforderungen. In den letzten Jahren haben wir die neuen Tendenzen sowohl in der Mediengestaltung allgemein als auch in den Journalismuskonzepten beobachtet. Das Web 2.0 hat die klassische Rollenaufteilung zwischen Produzent und Rezipient zur Geschichte gemacht. Heute kann jeder ohne großen Aufwand und Vorkenntnisse in Blogs, durch Social-Media, in Foren oder über Youtube neue Medieninhalte generieren bzw. mit der Welt kommunizieren. Kann sich also heutzutage jeder als Journalist bezeichnen? Wo liegt der Unterschied zwischen professionellen Journalisten und ihren Hobby-Kollegen? Was macht Journalismus innerhalb der Mediengesellschaft aus?

Obwohl die aktuellen Trends in der Medienbranche generell in eine Richtung gehen, sind die landesspezifischen Differenzen deutlich erkennbar. Die Erklärungen dafür findet man meistens in der Geschichte eines Landes, die die Gegenwart geprägt und Auswirkung auf viele bedeutende Wandelprozesse, einschließlich Medien, hat.

Wechselspiel zwischen Politik und Medien

Politik, Massenmedien, Demokratie… Diese drei Dimensionen hängen eng zusammen. So beginnt mit dem Zerfall der Sowjetunion eine neue Phase für Journalismus in osteuropäischen Ländern. Das Ende von kommunistischer Propaganda und Zensur sollten neue Horizonte für die Journalisten öffnen, indem freie Meinungsäußerung und -verbreitung möglich wird. Es könnte ein Neuanfang für unabhängigen Journalismus werden. Es könnte… Aber der Weg vom total kontrollierten Mediensystem hin zu Demokratisierung scheint immer noch viele Hindernisse von der staatlichen Seite zu haben.

Die 90er-Jahre brachten viele Veränderungen. Die Menschen waren es gewohnt, keine eigene Meinung, die der kommunistischen Ideologie widersprach, haben zu dürfen. Mehrjährige Repressionen gegen „Freidenker“ haben tiefe Spuren in dem Massengedächtnis hinterlassen, deswegen sollten die neuen Umstände zuerst verarbeitet werden. Das Mediensystem war davon auch betroffen, da die Rolle der Medien in den postkommunistischen Staaten noch ungewiss war: Ob sie zu einer selbständigen Institution werden oder weiter unter der Kontrolle der Regierung bleiben (vgl. Hribal, abgerufen am 26.11.12). Viele Journalisten haben es versucht, zeitgemäß zu handeln und sich umzuorientieren, um die Grundlage für eine freie und pluralistische Medienlandschaft aufzubauen. Bedrohungen, Verletzungen und Kündigungen waren in einigen Fällen die Reaktion auf die kritischen Meinungsäußerungen gegenüber den Machthabern.

Journalismus in Russland: Online-Medien als Problemlösung?

Es sind schon mehr als zwanzig Jahre nach der Auflösung des kommunistischen Regimes vergangen, die Mediensysteme in Russland und in mehreren postsowjetischen Ländern haben sich seitdem mehrfach umstrukturiert. Und trotzdem stehen in vielen dieser Staaten die Medien  immer noch unter Druck. Journalisten werden bedrängt und drangsaliert, Zugang zu Informationen eingegrenzt.

„Die repressive staatliche Medienstrategie zielt auf zwei Dinge ab. Erstens, die freiwillige Selbstzensur der russischen Journalisten als Konsequenz der individuellen Bedrohung von Journalisten durch staatliche Organe bzw. der Gefahr, dass das Medium als Ganzes staatlichen Repressionen zum Opfer fällt. Und zweitens: Die gezielte Instrumentalisierung der Medien“ (Schlinwein, abgerufen am 26.11.12), die nur vom Staat erwünschte Informationen verbreiten.

Digitale Medien haben die Situation wesentlich verändert und den Journalismus auf die nächste Stufe gebracht. Mit den neuen Kommunikationskanälen (z.B. Blogs, Twitter usw.) kommen zusätzliche Möglichkeiten ins Spiel. Viele Journalisten haben für sich bereits Online Media als Alternative zu den klassischen, inoffiziell zensierten Massenmedia entdeckt und nutzen sie für unabhängige Meinungsäußerung.

Was denken die Experten?

Für einen tieferen Einblick in die Medienwirklichkeit in Russland haben wir einen Experten aus der Medienbranche, Vasily Gatov, Leiter von MediaLab Project bei RIA Novosti (News), Inhaber/ President und Publizist bei 625 Publishing sowie bei 625 Magazine, um seine Meinung zu bestimmten Aspekten gefragt.

Anton Sementsov: Wir beobachten heute eine rasante Entwicklung von neuen Informationstechnologien, was natürlich mehr Möglichkeiten für Informationsanschaffung gibt. Ist, Ihrer Meinung nach, der Zugang zur Informationen in den letzten Jahren wirklich einfacher geworden? Und wie sieht es mit der Qualität aus?

Photo: lenta.ru

Vasily Gatov: Der Zugang ist sicherlich einfacher und „umfassender“ geworden. In den letzten zehn bis zwölf Jahren aktiver Entwicklung der digitalen Medien ist nicht nur ein größerer Informationsumfang verfügbar geworden, sondern hat sich auch die Anzahl der Möglichkeiten, diese Daten zu organisieren bzw. zu strukturieren, deutlich vergrößert. Solche Technologien wie Yandex-News und Google-News sind ein gutes Beispiel für fast an die Grenzen gehende Realisation von künstlicher Intelligenz, wenn man sie mit unstrukturierter Datenmasse vergleicht. Man konnte sich solche Möglichkeiten vor sieben bis acht Jahren gar nicht vorstellen. Was die Qualität dieser Informationen angeht, ist es wie üblich eine Frage der subjektiven bzw. persönlichen Einstelleng. Das Internet bietet genauso viel “qualitative Informationen” wie die anderen Massenmedien auch. Der einzige Unterschied besteht darin, dass es im Internet sozusagen eine Gleichberechtigung aller Quellen und praktisch keine Filtermechanismen (z.B. nach Preis oder Publikumsaufmerksamkeit) gibt und deswegen bekommen wir als Ergebnis mehr „Informationsmüll“ zu sehen. Mit anderen Worten sind auch viele Printausgaben keine intellektuellen Magazine, sondern enthalten Kreuzworträtsel und füttern uns mit „Trash“-Nachrichten. Sie werden aber nicht von jedem gekauft. Hier ist ein bewusster Medienkonsum gefragt, weil im Internet solche Trash-Seiten“ mit entsprechendem Informationsniveau auch versehentlich (z.B. wenn man einem Link folgt) geöffnet werden können.

 Darf ein Journalist solche Web 2.0-Technologien wie soziale Netzwerke, Twitter oder Blogs als zuverlässige Informationsquellen benutzen/ behandeln?

 Das Web 2.0 ermöglicht aktive gegenseitige Kommunikation, Sozialisation und Kontextualisierung des Contents, eine der wichtigsten Vorgehensweisen beim Sammeln und bei der Analyse von Informationen, und bietet einen Weg zu Qualität und Effizienz. Einerseits besteht die Möglichkeit von den Ereignissen direkt von der ersten Quelle bzw. dem Augenzeugen (z.B. über Twitter), in Echtzeit und ohne die zahlreichen Zwischenglieder bzw. Vermittler, zu erfahren, unbezahlbar. Andererseits sollte man die gleichen Bewertungskriterien für die Informationsquellen aus Sozialen Netzwerken wie für die „traditionellen“ Nachrichtenquellen haben, d.h., ohne zwei unabhängige Bestätigungen kann sie nicht als Tatsache gelten.

Heutzutage haben immer mehr Menschen ihren eigenen Blog. Kann man sie auch als Journalisten bezeichnen bzw. betrachten?

 Ja, definitiv, aber nur unter bestimmten Umständen. Und zwar, wenn sie die erforderlichen Bedingungen fürs journalistisches Arbeiten wie z.B. Informationsprüfung, Unterscheidung zwischen einem Fakt und einer Meinung usw., die auch bei den Profis ein Muss sind, erfüllen. Dann kann man solche Blogger als Journalisten betrachten. In dem Fall, wenn ein Blog nur als Werkzeug, um sich selbst auszudrücken, gilt, hat dann ein solcher Blogger viel mehr gemeinsam mit einem Schriftsteller, der eine eigene „deformierte“ Vision von der Realität hat und deswegen nicht die maximal objektive Wiedergabe von Informationen in den Vordergrund stellt.

Wie ist Ihre Einstellung zu den Online-Zeitungsausgaben? Können Sie sich vorstellen, dass schon in Kürze die Printversionen dadurch vollständig ersetzt werden?

Online-Ausgaben von Zeitungen unterscheiden sich von ihren Printversionen […] in Periodizität (die neue Artikel werden auf der Seite mehrmals am Tag aktualisiert) und in interaktiver Kommunikationsform, die es ermöglichen, ein Feedback von Lesern zu bekommen. Außerdem beziehen einige Online-Zeitungen neue Contentformen wie Video und Audio mit ein, die eigentlich für eine Zeitung nicht inhärent sind. Online-Versionen ersetzen traditionelle Printmedien und dieser Prozess wird immer schneller, da er durch die Verbreitung bzw. Nutzung von Smartphones, Tablet-PCs und Laptops praktisch unterstützt wird.

Was denken Sie, welchen Medien vertraut man heute mehr?

Mehr Vertrauen genießen diese Medien, die den Lesern relevante und ihren Interessen entsprechende Themen anbieten. Ob diese Information auf dem Papier, auf dem Bildschirm oder mittels Lautsprecher vermittelt wird, ist von geringerer Relevanz. Online-Medien sind interaktiv […], was sie für die Rezipienten, für die wichtig ist, die eigene Meinung mitteilen zu können, attraktiver macht. Das betrifft insbesondere junge Generationen, deren Besonderheiten kritisches Denken und pragmatische Analyse von Informationen sind. Dementsprechend vertrauen sie mehr Online-Medien.

Wie würden Sie die Meinungsfreiheit in Russland bewerten? Werden die Online Medien in Russland zensiert?

 Die Meinungsfreiheit im Internet ist höher im Vergleich zu Printmedien, aber die Verantwortung für die Aussagen ist auch niedriger. In Russland gibt es keine Massenmedien, die der Zensur – im wahren Sinne des Wortes – ausgesetzt sind. Was wir heute darunter verstehen, ist eine politische Kontrolle noch in der Vorbereitungsphase, also vor der Veröffentlichung. Es wird eine Tagesordnung bestimmt und die Meinungen und Quellen nach dem Prinzip „akzeptabel“ oder „unakzeptabel“ verteilt. In Online Medien zeigt sich keine politische Kontrolle, mit Ausnahme von denjenigen Redaktionen, die sich einer politischen Struktur freiwillig verpflichtet haben. Wo es keine Verpflichtungen gibt, existiert die politische Kontrolle nur in Form der Unzufriedenheit der politischen Akteure mit dem bereits veröffentlichten Kontext.

Aus Ihrer Erfahrung, welche Herausforderungen stehen vor den Journalisten in dem digitalen Zeitalter?

 Vor allem die Fähigkeit mit Informationsmengen zu arbeiten, die in der medialen Welt ganz verschiedene Formen annehmen, inklusive derjenigen, mit denen der Umgang während des Studiums nicht gelernt wird. So z.B. der Problembereich „Informationsflut“, nicht strukturierter Content usw. Dazu kommt die Notwendigkeit, sich schnell neue Kommunikationswege anzueignen und den neuen Spielregeln anzupassen, weil zukünftig statt Facebook ein neues Soziales Netzwerk kommt sowie Twitter durch ein anderes Medium ersetzt wird usw., deren Arbeitsweisen im Hinblick auf Informationen von den bereits existierenden abweichen können.

Und der letzte Punkt: Ein professioneller Online-Journalist muss über standhafte ethische Prinzipien verfügen, denn die Interaktivität und Variabilität des digitalen Umfelds kann schon eine harte Probe werden, weil man ständig „provoziert“ wird, ohne Faktenüberprüfung, die Texte einfach abzuschreiben.

Welche Vor- und Nachteile des Online-Journalismus würden Sie nennen?

Genau die gleichen, die der Offline-Journalismus hat, aber nur mit Verschärfung einiger traditioneller „Krankheiten“  wie Oberflächlichkeit, das Fehlen von Originalität, Konzentration auf Form statt Inhalt. ABER: im Großen und Ganzen ist alles relativ gleich schlecht.

Und zum Schluss würden wir gerne wissen wie Sie die Zukunft des Journalismus in Russland sehen?

 Uns erwarten schwierige, aber trotzdem interessante Zeiten. In dem journalistischen Berufsfeld finden massive und nicht immer linear verlaufende Veränderungen statt, was insbesondere die Kompetenzen betrifft. Leider steht Russland nicht an der Spitze dieses Wandels, obwohl wir relativ weit vorne liegen, wenn es um die Technologie geht. Unsere Zukunft hängt vor allem von ideenreichen Köpfen, Fähigkeiten, Offenheit und Ehrlichkeit ab, nicht von mehr, aber auch nicht von weniger.

Zusätzliche Quellen:

  1. Hribal, Lucie (2003): Medien und Demokratisierung in Osteuropa
  2. Schlindwein, Simone: Zwischen Propaganda und Kommerz – Medien(un)freiheit in Südost-, Mittelost- und Osteuropa

 

Der Journalist im Medienwandel

Das der stetige Wandel unserer Zeit auch am Journalismus nicht reibungslos vorbei zieht, ist kaum mehr zu übersehen. Mit der wachsenden Selbstverständlichkeit digitaler Medien nagt das Print-Geschäft am hohlen Zahn. Verlage orientieren sich für alle Welt sichtbar an dem digitalen Markt, versuchen ihr Dasein zu retten, weiter zu wachsen und verwandeln sich zu multimedialen Mediengiganten. Kaum eine Zeitung hat sich nicht ein zweites Online-Standbein aufgebaut und versucht dieses – mehr oder weniger – als seriöse Informationsquelle zu gestalten. Doch wie sieht die Zukunft aus? Welche Bedeutung hat das schrumpfende Print-Geschäft für Journalisten, und insbesondere, für solche die es werden wollen? Schließlich bietet das Internet jedem Laien eine Plattform, um sich in die Öffentlichkeit zu begeben. Unter diesen Umständen stellt sich verstärkt die Frage: Wird es den klassischen Journalisten in Zukunft überhaupt noch geben? Und was müsste dieser mitbringen, um nicht einer von vielen unsichtbaren Akteuren im World Wide Web zu sein?

Im Profil: Mark Glaser

Der in Chicago lebende Journalist Mark Glaser hat ihn am eigenen Leib erfahren – den Wandel von Print zu Digital. Angefangen als freiberuflicher Publizist, der sich mit Kolumnen über Hip Hop, Reiseberichte oder humoristischen Artikeln über die „Titanen der Technologie“  finanzierte, ist Mark Glaser nunmehr fast ausschließlich Online unterwegs. Glaser beschäftigt sich insbesondere mit der Ausbildung von Journalisten. Sein Blog www.pbs.org/mediashift, den er mittlerweile mit sechs weiteren Journalisten pflegt, dreht sich um den Einfluss von Social Media, Weblogs, Podcastings oder Online Videos, auf die Medien-Welt und der damit einhergehenden Veränderung des Informationsflusses.

Frage und Antwort

Auf der Suche nach Antworten hat sich Mark Glaser zu einem Interview bereiterklärt.

  1. Journalismus im Wandel

Inwiefern hat sich Journalismus über die letzten Jahre verändert? Glaser beschreibt den Wandel im Journalismus auf persönlicher Ebene. Heute schreibt er nicht länger nur Artikel. Er ist Online- und Multimedia-Produzent, er bloggt, produziert Video-Shows und Podcasts, beschäftigt sich mit Social Media Marketing, hilft beim Verkauf von Werbe- und Anzeigenschaltungen und vieles mehr.

Für und wider des Online-Journalismus. Prinzipiell ist Glaser pro Online, sieht aber auch große Hürden, die es zu bewältigen gilt. Für ihn liegen die Vorteile des Online Journalismus vor allem darin, dass er für jeden frei zugänglich ist. Jeder kann sich einen Blog, eine Website, Tumblr oder Instagram in wenigen Minuten einrichten. Allerdings ist es genau deshalb auch so schwer, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen. Insbesondere ohne jeglichen Zusammenhang zu einer größeren Website oder Institution, wie z.B. der Huffington Post, Buzzfeed oder Business Insider in den USA. Hier verdeutlicht sich die Problematik des Online Journalismus: Es ist schwer, als selbstständiger Produzent ein gewisses Vertrauen zu seinem Publikum aufzubauen, geschweige denn dieses erst einmal zu gewinnen. Hinter der Fassade einer größeren Institution, eines Verlags oder einer Zeitung, ist es einfach eine Leserschaft aufzubauen – die Glaubwürdigkeit der Artikel entsteht von ganz allein. Als eigenständiger Journalist in der Online-Sphäre sieht das anders aus. Trotzdem blickt Mark Glaser optimistisch in die Zukunft. Denn auch traditionelle Medienunternehmen sind nahezu gezwungen, sich dem Online-Geschäft hinzugeben. Das bietet Journalisten wiederum die Chance, sich über größere Institutionen Online einen Namen zu machen. Die klare Linie von Print und Digital beginnt langsam zu verwischen.

Zukunftsprognosen. Mit einem Blick in Zukunft wird es laut Glaser noch einen enormen Wandel zur mobilen Nutzung geben, insbesondere im Bezug auf Smartphones und Tablets. Diese Veränderung ist für Journalisten von großer Bedeutung, denn sie bietet eine Chance zur Neuerfindung: „No one has really created the perfect mobile news experience“, so Glaser „but it’s a challenge as well because no one knows what people want to get in mobile“. Desweiteren charakterisiert sich der Online Journalismus schnelllebig. Es wird konstant veröffentlicht und es gibt konstant Reaktionen und Feedback auf verschiedensten Kanälen wie Facebook oder Youtube – eine Herausforderung, aber auch ein Gewinn an Möglichkeiten.

Mit Mark Glaser als Spezialist für „Education Journalism“, ist es besonders interessant in die Zukunft des journalistischen Nachwuchses zu blicken. Wird es den Journalisten wie wir ihn kennen überhaupt noch geben? Welche Auswirkungen haben die genannten Veränderungen auf die Ausbildung und Anforderungen von Journalisten?

  1. Education Journalism

Wie sieht der Journalist der Zukunft aus? Laut Mark Glaser wird der Journalist der Zukunft wohlmöglich in zwei Richtungen gehen. Es wird zum einen diejenigen geben, die sich mit besonderem Interesse einem Feld gewidmet haben, wie z.B. Spezialisten im Video-, Social Media oder Data-Bereich. Auf der anderen Seite wird es besonders Ambitionierte geben, die sich jedem Genre gleichermaßen widmen – multimediale Alleskönner. Im Hinblick auf die Zukunft des Online Journalismus empfindet Glaser es für besonders wichtig, diese beiden Richtungen miteinander zu verbinden. Für den idealen Journalisten der Zukunft ist es mehr als ratsam, ein multimediales Grundverständnis aufzubauen, ein bisschen von allem zu können. Gleichermaßen sollten sich angehende Journalisten weiterhin besonders einem bestimmten Gebiet richten und sich darin ein vertieftes Wissen aneignen. Damit hätten sie gleich zwei große Spezialitäten in einem zu bieten, und heben sich von der Masse ab: „They can do it all, or they have an area of expertise“, je nachdem, was sie voran bringt.

Was hat sich an der journalistischen Ausbildung verändert? Generell hat sich die Ausbildung von Journalisten bereits über die letzten Jahre verändert. Immer mehr Journalisten erlernen ihre Fähigkeiten schon während Schul- und Studienzeiten, werden dort gefördert und haben bereits vor dem Start ihrer eigentlichen Karriere eigene Werke weitreichend publiziert. Das amerikanische News21 Journalism Education Programm beispielsweise, hat in den USA mit seinen Publikationen ein starkes Gehör in den Mainstream Medien erreicht. Auch viele Universitäten fördern ihre Studenten mit größeren Publikationen in den Massenmedien. Glaser selbst hat mehrfach für die Website des Yale Center for Globalization sowie für Havard’s Nieman Reports  geschrieben.

Eine Ausbildung im Print? Weiterhin im Print-Bereich eine Ausbildung als Journalist abzuschließen ist für Glaser eine Frage der Erwartungshaltung. Es ist einerseits interessant und niemals falsch, allerdings sollte sich ein angehender Journalist darüber im Klaren sein, dass es schwer wird später auch tatsächlich im Print-Bereich zu arbeiten. Zusätzlich stellt sich hier auch die Frage, in welchem Land ein Journalist arbeiten möchte. Während das Print-Geschäft in den USA erheblich schrumpft und auch in Europa langsam aber sicher ins Schwanken gerät, lebt es – so Glaser – in Indien vielleicht gerade auf.

Im generellen Ländervergleich müssen sich zumindest die USA und Europa derzeit denselben Schwierigkeiten stellen. Auch wenn sich die Basis journalistischer Ethik und das Berichterstatten mit dem digitalen Wandel nicht großartig verändert hat, so hat sich das verbreiten von Information und die Art und Weise in der das Publikum interagieren kann drastisch gedreht. Journalismus ist ein interaktiver Prozess geworden.

Journalismus gestaltet sich neu

In einem Interview mit Leif Kramp und Stephan Weichert von der Süddeutschen Zeitung, zeigt sich Journalismusexperte Stephen B. Shephard mit einer ähnlichen Einstellung zur Zukunft des Journalismus, insbesondere im Bezug auf die Ausbildung von Journalisten.

Mit dem mehr und mehr schwindenden Print-Markt wird der Journalismus nicht gehen, aber er wird sich neu erfinden müssen. Es gibt etliche Möglichkeiten multimedialen Online Journalismus zu betreiben. Wie schon Glaser erwähnt, ist auch laut Shephard diese Form von Journalismus nicht länger ein Produkt, sondern ein Prozess – ein Dialog zwischen Produzent und Nutzer. Gerade wegen dieser Interaktivität ist es wichtig, sich durch das freizugängliche Medium Internet nicht im Laienjournalismus zu verrennen, sondern weiterhin in die Ausbildung von Journalisten zu investieren, um sich so qualitativ hochwertigen, jedoch an die Umstände angepassten Journalismus für die Zukunft zu sichern. Außerdem müssen neue Geschäftsmodelle aufgebaut werden. Auch Online-Journalismus muss finanziert werden – ob durch Werbung oder Inhalt. Shephard nennt dies Hybrid-Journalismus: die Zukunft liegt in der Verschmelzung von Online und Zeitung. Wie Mark Glaser plädiert auch Shephard für den Journalist der Zukunft, der ein bisschen von allem kann: Gute Stories, Interaktivität, Video, Audio, Fotostrecken und vieles mehr. Die Frage ist nicht ob, sonder was das Internet Journalisten bietet.

Zusammenfassend steht fest: Der Markt verändert sich. Durch die immer mehr expandierende Online Media Industry hat das Print-Geschäft zurzeit schlechte Karten sich zu behaupten. Leider verliert dadurch der Journalismus für viele Junganwärter an Attraktivität, wenn selbst Zeitungen und Verlage um ihre Existenz kämpfen müssen. Laien feiern dafür mit zahlreichen Blogs und Twitter-Accounts mehr oder minder Erfolge. Die Zukunft des Journalismus scheint undurchsichtig.  Doch dabei sollte bewusst sein, dass der Journalismus an sich nicht ausstirbt, sondern sich viel eher auf neues Terrain begibt. Deshalb gilt es, sein Wissen zu erweitern.

Solange das Interesse an glaubwürdigem und qualitativem Informationsfluss nicht verschwindet, wird auch Journalismus nicht verschwinden. Er wird sich nur anpassen, an das Web 2.0.

Das detaillierte Interview mit Stephen B. Shepard gibt es hier: S. Shephard über die Zukunft des Journalismus

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