Vom Journalisten zum medialen Alleskönner

Schon seit mehreren Jahren durchläuft das Berufsfeld des Journalisten einen massiven Wandel. Durch immer wieder auftauchende oder besser gesagt nicht endende Diskussionen wird deutlich, dass dieser Wandel von großer Bedeutung ist. Sowohl für die Journalisten oder diejenigen, die diesen Beruf anstreben, aber auch für die Konsumenten des Endproduktes. Doch aus was genau besteht dieses Endprodukt überhaupt?

Durch die Entwicklung der Technik in den letzten Jahren hat sich auch die Arbeit des klassischen Journalisten geändert. Das so bezeichnete Endprodukt ist demnach nicht mehr nur noch morgens beim Frühstück in der klassischen Zeitung vorzufinden. Es begleitet uns multimedial durch den Tag, beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit auf unserem Smartphone in Form einer Nachrichtenapp oder auf dem Tablet-PC als Online-Version einer Zeitung.

Durch die Verschmelzung verschiedener Medien miteinander, der Medienkonvergenz, wurde der Anspruch auf crossmediales Arbeiten im Journalismus erhoben. In der Crossmedialität verschmelzen die medialen Bereiche nicht komplett miteinander. Es bleiben Grenzen zwischen den Einzelmedien auf der inhaltlichen, technischen und wirtschaftlichen Ebene bestehen. In Bezug auf crossmediales Arbeiten sind unter den Journalisten also eher die multimedialen Alleskönner als die monomedialen Spezialisten gefragt.

Kleiner Exkurs: Der soeben verwendete Ausdruck der Medienkonvergenz ist für Fachleute und Wissenschaftler ein gängiger Begriff. Wir leben die Medienkonvergenz, die die Annäherung verschiedener Einzelmedien beschreibt, Tag für Tag. Sie ist in unseren Alltag integriert und macht sich manchmal mehr, manchmal weniger bemerkbar. Doch was sagen Unkundige zum Thema Medienkonvergenz, die diese Annäherung zwar erleben, sich aber nicht expliziter mit ihr befassen? Im folgenden Video versucht Berkan Çakır, Tübinger Student der Medienwissenschaft und Rhetorik, Licht ins Dunkel zu bringen und befragt Laien zum Thema „Was ist Medienkonvergenz eigentlich genau? Ein Faktum? Oder nur ein Gespenst?“

Es steht also fest, dass wir alle die Verschmelzung der Medien nutzen, jedoch ist das Bewusstsein für die technischen Innovationen nicht immer gleich stark ausgeprägt.

Wenn wir das Hauptaugenmerk nun wieder auf den Journalismus und den Prozess der Produktion solcher medienkonvergenten Inhalte lenken oder besser gesagt auf die Produzenten, stellt sich unwillkürlich die Frage:

Ist die eierlegende Wollmilchsau wirklich die Lösung?

eierlegende_wollmilchsau

Abb.1: Die eierlegende Wollmilchsau; Quelle: http://whichboxmedia.com/14/eierlegende-wollmilchsau

Sonja Kretzschmar, ehemalige Redakteurin u.a. bei den Tagesthemen und heute als Professorin tätig, beschäftigt sich seit einiger Zeit mit der Ver­änderung des Journalismus durch cross­mediale Medien­produk­tion. Bereits 2009 beobachtete sie den Wandel des Journalismus mit einem kritischen Auge und stellte sich in ihrer Publikation Crossmedialer Journalismus die Frage, ob es wirklich das Ziel sei, sogenannte eierlegende Wollmilchsäue auszubilden. Sie sah es für die journalistische Ausbildung in Zukunft als notwendig an, dass die Kernelemente, wie Fach- und Sachwissen, sowie die handwerklichen Fachkompetenzen, erhalten bleiben sollten und lediglich in einigen Bereichen durch crossmediale Kompetenzen, beispielsweise Teamfähigkeit, erweitert werden müssten. Die Herausforderung liege ganz klar darin, den Mittelweg zwischen journalistischer Unabhängigkeit und der gleichzeitigen Veränderung des Medienmarktes, damit natürlich verbunden die Arbeitsstruktur wie auch –organisation, zu finden. Außerdem müsse ein gewisses Gespür bei Journalisten gefördert werden, nämlich das, genau zu wissen, wie man den Inhalt dem Medium entsprechend aufbereitet. Denn crossmediales Arbeiten bedeutet, journalistischen Mehrwert zu produzieren und nicht eine Umwälzung des Inhalts. Resultierend daraus würden also keine einheitlichen Standards in der journalistischen Ausbildung mehr gelten. Außerdem gibt es durch den News- und Workflow im Internet keinen Redaktionsschluss mehr, da Nachrichten 24/7 aufbereitet und verbreitet werden müssen. Das bedeutet für Journalisten einen höheren Leistungsdruck, da die Menschen rund um den Globus immer up to date sein und mit den neusten Nachrichten versorgt werden wollen. Ohne den Redaktionsschluss geht der Feierabend verloren und ohne ihn sollen Journalisten quasi wie Maschinen funktionieren und ihre Arbeit mit nach Hause nehmen.

In Bezug auf crossmediales Arbeiten kann man im folgenden Video Eindrücke gewinnen, wie crossmediale Produktion, ungeachtet des Verlags, funktionieren kann.

Um auf den bereits erwähnten Alleskönner zu sprechen zu kommen, so sah Sonja Kretzschmar im Jahr 2009 in dieser Journalistenform kein Massenphänomen. Auch der Spezialist würde im Journalismus nicht so sehr gefördert sein wie der bimediale Vielkönner. (Ein Artikel zum Thema „Journalisten müssen nicht alles können aber mehr“, Sonja Kretzschmar im Interview)

Diese Ansichten sind etwa drei Jahre alt, in denen sich ebenfalls der journalistische Wandel weiter vollzogen hat. Laut Kretzschmar fand in dieser Zeit auf der einen Seite vor allem eine Ausdifferenzierung des Journalismus quer durch die Medien statt, zum anderen wurde die Suche nach neuen und ergänzenden Geschäftsmodellen bis heute fortgesetzt. Bis zum heutigen Zeitpunkt setzt sich Sonja Kretzschmar mit diesem Wandel auseinander und bestätigt nach wie vor: „Die Kernkompetenzen in Fach- und Sachwissen sind für den Journalismus weiterhin unerlässlich.“ Jedoch stellen neue Medien zusätzlich neue Anforderungen. Durch Innovationen entstehen stets Änderungen; dies könne man auch in anderen Berufsfeldern beobachten. Die Grundformel für den Erfolg scheint dabei ganz simpel zu sein: der Kern bleibt erhalten, Neuerungen erfordern weitere Kompetenzen.

In Bezug auf das journalistische Arbeitsfeld bedeutet das für Kretzschmar, dass Journalisten nicht nur die crossmedialen Potenziale einer Geschichte erkennen und auch umsetzen müssen, sondern dies in einer effizienteren Verzahnung von News- und Workflow stattfinden solle.

Nun ist oft die Rede von Wandel, was dieser bewirkt, was neu für die Journalisten ist usw. Aber beinhaltet ein Wandel nicht auch manchmal noch Konstanten? „Guter Journalismus ist immer noch guter Journalismus; und die Nachfrage danach ist ungebrochen“, sagt Kretzschmar. Die Veränderung bestünde darin, dass die Medienkonvergenz nicht mehr nur die großen Nachrichtenagenturen betrifft, sondern dass die Dringlichkeit des Wandels mittlerweile auch jede kleine Lokalredaktion in  Deutschland erreicht hat.

„Nun, Wissenschaftler sind keine Wahrsager. Ich habe auch keine Kristallkugel, aus der ich die Zukunft lesen kann.“

Das ist die Antwort auf die Frage, was uns der Wandel in der Zukunft bringen wird. Es gibt allerdings einige Dinge, die man auf uns zukommen sieht. Kretzschmar veranschaulicht dies an einem praktischen Beispiel: „Vor ein paar Jahren, als das Buch „Innovationen im Journalismus“, das ich gemeinsam mit Prof. Fengler von der Universität Dortmund veröffentlicht habe, auf den Markt kam, waren viele Inhalte noch utopisch – das 3-D-Fax zum Beispiel, das auch für den Journalismus nutzbar sein kann. Innerhalb weniger Jahre hat sich die Technik weiterentwickelt – und ein haptischer Journalismus, bei dem man z.B. neue Bauprojekte auch anfassen kann, […] [ist] gar nicht mehr so utopisch, wie es vielleicht den Anschein hatte.

Ähnliche Entwicklungen sieht man auch in anderen Bereichen: „Computer-Zeitung“ war das erste Wort für „Online-Journalismus“ – alle waren sich sicher, dass nun wirklich niemand eine Zeitung im Computer brauchen würde. Heute ist die Medienwelt ohne Online-Journalismus unvorstellbar. „Handy-TV“ – auch einen Fernseher im Handy konnte sich keiner vorstellen. Alle waren sich einig, dass sich das nie durchsetzen würde. Heute werden Bewegtbild-Clips auf jedem Schulhof-Handy genutzt.“

Für eine weitere Prognose brauche man, Kretzschmar zufolge, keine hellseherischen Fähigkeiten: „Auch wenn Ihre Generation 60 Jahre und älter sein wird, werden Ihre Enkel sich abmühen, Oma und Opa die Bedienung vom neuen xyz-Medium beizubringen, ohne das ihr Leben unvorstellbar sein wird. Und Sie werden sicher finden, dass das neue xyz-Medium eigentlich überflüssig ist – aber dem Leben eine neue, bisher unbekannte Dimension geben kann.“

Der Wandel setzt sich also immer weiter fort und findet sich in jeder Generation ähnlich wieder, natürlich mit anderen Techniken und Medien. So haben wir etwa versucht, unseren Großeltern beizubringen, wie man eine SMS schreibt und haben unseren Eltern ein Email-Konto eingerichtet. Selbst schauen wir auf unserem Smartphone Filme oder lesen auf dem Tablet-PC unsere Zeitung. „Mehr geht einfach nicht!“ hört man oft, wenn man sich über die neuesten Geräte und ihre Funktionen austauscht. Doch fest steht: es geht. Es stellt sich lediglich die Frage, was unsere (Enkel-) Kinder erst versuchen werden, uns noch beizubringen.

Auch Richard Gingras, Chef von Google’s news products, setzt sich mit dem Wandel des Journalismus auseinander und veröffentlichte im Jahr 2012 einen Artikel, in dem er sich acht Fragen stellte, um die Zukunft des Journalismus‘ zu definieren. Dieser zukünftige Journalismus ist ihm zufolge besser als der jetzige. Vor allem die Art und Weise, wie die Nachrichten derzeit aufgebaut sind und wie Information hergestellt wird, müsse überdacht werden. In diesem Punkt scheinen sich Kretzschmar und Gingras einig, denn es gibt neue Wege, Informationen zu konsumieren und zu teilen. Neue Technologien verändern demnach, was Journalisten tun und wie sie es tun. Aber auch in dem Punkt, dass die neue Technik an sich nicht die Lösung ist, herrscht Einigkeit. Es liegt jedoch an uns, sie richtig einzusetzen. In diesen Punkten lassen sich keine großen Unterschiede zwischen den Annahmen von Kretzschmar aus dem Jahr 2009 und denen von Gingras aus dem vorherigen Jahr ausmachen. Gingras untermauert seine Aussage mit acht Antworten auf anregende Fragen, die im zukünftigen Journalismus unabdingbar sein werden. Er weist nicht darauf hin, dass eine komplette Änderung notwendig ist, aber die Reflexion ein wertvoller Prozess für den Journalismus sein kann. Im Folgenden werden die Fragen, die zum Nachdenken animieren und für den Zukunftsjournalismus wegweisend sein sollen, aufgeführt.

(Den kompletten Artikel mit allen acht Fragen finden Sie hier: http://www.niemanlab.org/2012/04/googles-richard-gingras-8-themes-that-will-help-define-the-future-of-journalism/)

1.      Addressing content architecture. Bis jetzt hat sich der Aufbau von Nachrichten kaum verändert. Ein Artikel erscheint an einem Tag und kann am nächsten schon im Archiv landen. Gingras regt an, darüber nachzudenken, ob es nicht besser wäre, die Arbeit von Journalisten mithilfe einer festen URL zu dokumentieren, anstatt den Artikel vergessen im Archiv verstauben zu lassen. Diese Innovation könnte auch für die Leser ansprechender sein.

2.      Evolving the narrative form– “Every new medium begins as a container for the old.” (McLuhan). So wurden zu den Anfangszeiten des Radios Artikel aus der Zeitung vorgelesen. Diese Art, Nachrichten über das Radio zu vermitteln, wurde sehr schnell durch einen kürzeren und knackigeren Stil ersetzt. Die Informationsverarbeitung wurde also an das Medium angepasst. Heute leben wir in einer digitalen Welt, die von Posts und sogenannten bullet points beherrscht wird. Die Frage, die sich uns jetzt schon stellt, ist, ob es überhaupt Ansätze gibt, den sogenannten in-depth Journalismus mit über 5.000 – 10.000 Wörtern pro Artikel auf andere Weise zu vermitteln.

3.      Creating the Reporter’s Notebook 2.0. Es gibt kein Limit an Datenmengen mehr, was das Publizieren betrifft. Dank dem Web 2.0 ist es jedem Journalisten möglich, rund um die Uhr Informationen zu publizieren. Der Journalist kann sich folgendermaßen vollwertig ausdrücken. Besteht ein signifikanter Wert darin, neue Tools zu entwickeln, die die täglichen Mühen des Journalisten unterstützen?

4. Rethinking organizational workflow. Angesichts der aktuellen und zukünftigen Fortschritte, wie Nachrichten gesammelt, organisiert und präsentiert werden, sollte man darüber nachdenken, dass das auch ein Umdenken in den redaktionellen Aufgaben und dem organisatorischen Workflow andeutet.

5. Exploring computational journalism. Eine wichtige technologische Auswirkung ist die Möglichkeit, Informatik zu nutzen, um die Berichterstattung zu unterstützen, um große Datenmengen zu analysieren und um öffentliche Datenquellen zu überwachen. Kann investigativer Journalismus den Computer-Journalismus offensiv beeinflussen, um nicht nur mit Artikeln auszuhelfen, sondern so, dass investigative Meldungen dauerhafte und automatisierte Meldungen werden?

6. Leveraging search and social. Die Suche ist nach wie vor eine wichtige Quelle, um neue Informationen zu entdecken. Vor allem Social-Media-Plattformen sind bedeutend, wenn es um das Lenken von Nachrichten geht. Gibt es einen noch besseren Weg, nicht nur den Leser zu lenken, sondern diesen auch zu informieren? Posts von Social-Media-Plattformen können beispielsweise, jeder an sich, einen Teil zu einem Beitrag hinzufügen. Können wir dieses Konzept auf neue Formen des Journalismus übertragen?

7. Rethinking site design. Durch Links oder die gezielte Suche werden 75% der Seitenbesucher direkt auf die Artikelseite weitergeleitet. Lediglich 25% landen auf der Homepage. Diese Zahlen regen dazu an, darüber nachzudenken, in wie weit diese Änderung des „audience-flow“ das Design der Website beeinflusst. Sollten wir soweit gehen und das bisherige Design über Bord werfen und mehr Wert auf die Artikelseiten, bzw. auf das, was wir als Artikel bezeichnen, als auf die Homepage als solche legen?

8. Shifting to a culture of constant product innovation. Das Tempo der technologischen Veränderung wird nicht abflachen. Im Gegenteil, es wird noch höher. Es ist nicht möglich, von einem Übergang von dem technischen Stand X auf den technischen Stand Y zu sprechen. Doch wie kann man Nachrichten-Organisationen so ausstatten, dass konstante Innovation sozusagen in die Organisationsstruktur eingeflochten wird und auch in die Rolle eines jeden Teilnehmers?

Durch diese Denkanstöße wird deutlich, dass mit den technologischen Veränderungen größere Möglichkeiten auf uns zukommen und mit diesen Möglichkeiten auch die Verantwortung unsererseits wächst. Es wird also wieder die alte Debatte angeregt: Was machen die Medien mit uns? Gingras verweist aber auf die angebrachtere Frage, was wir mit den Medien machen. Wie setzen wir das technische Know-how um, um Informationen aufzubereiten und zu verbreiten? Welche Möglichkeiten halten zukünftige Innovationen in der Technik für uns bereit?

Sicherlich weisen diese acht aufgestellten Fragen, die man aber auch als Thesen betrachten kann, darauf hin, dass einige Aspekte im Journalismus überdacht werden müssen. Jedoch ist der aktuelle Journalismus deshalb nicht schlecht. Ob und inwiefern Gingras‘ Aussagen umgesetzt werden, werden wir wohl erst mit der Zeit und so mit dem journalistischen Wandel erfahren.

Eines ist jedoch klar: ein Wandel ist der Vorgang, wenn ein Zustand in einen anderen übergeht. Spricht man von dem Wandel des Journalismus kann mit gutem Gewissen von einem ständigen Wandel gesprochen werden. Denn zu keinem Zeitpunkt kann eine klare Definition zu dem Stand des Journalismus gegeben werden. Und so werden auch die Journalisten und ihre Fähigkeiten immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt und dem Wandel unterzogen.

Heutzutage muss man kein Studium absolvieren, um Journalist zu werden. Eine Ausbildung ist auch nicht unbedingt notwendig. In den deutschen Vorlesungssälen gibt es sogar schon Vorträge über das Thema „Berufswunsch: Irgendwas mit Medien“. Dort sitzt man schließlich als eine von wenigen Medienwissenschaftsstudenten inmitten von Chemie- Literaturwissenschafts-, Geschichtsstudenten usw. Unweigerlich steigt in einem die Frage auf: „Wieso studiere ich denn Medien, wenn ich auch mit anderen Studienrichtungen später in den Berufszweig einsteigen kann?“ Dadurch, dass die journalistische Ausbildung keine festen Richtlinien vorgibt, kann man auch mit anderen Voraussetzungen in den Beruf einsteigen. Wahrscheinlich haben es Quereinsteiger noch etwas schwerer wirklich Fuß zu fassen, wie es wohl in allen Berufsfeldern als Quereinsteiger der Fall ist. Durch die immer neu geforderten Kompetenzen jedoch, werden auch immer wieder neue Anforderungen, vor allem an den beruflichen Nachwuchs, gestellt. Weist ein Quereinsteiger die gefragten Zusatzkompetenzen auf, beispielsweise deshalb, weil er privat daran interessiert ist, einen Blog zu hosten, so kommt ihm der mediale Wandel gelegen und macht ihn für Arbeitgeber interessant. Dies führt weiter zu der Frage, ob eine journalistische Ausbildung überhaupt noch erforderlich ist. Da man als Journalist oder, allgemeiner betrachtet, als Medienschaffender gewisse Grundlagen benötigt, ist diese Frage schnell zu beantworten: bestimmtes Fach- und Sachwissen, sowie handwerkliche Fachkompetenzen sind und bleiben Voraussetzung für ein Arbeiten in der Medienwelt. Das ist eine Konstante, die trotz oder gerade wegen des fortwährenden Wandels bestehen bleibt, denn neben den neuen Ansprüchen, werden die alten Werte, die den Kern des Journalismus bilden, beibehalten und geschätzt.

Für Interessierte:

In Deutschland gibt es kartellrechtliche Beschränkungen, die es verbieten, multimediale Großkonzerne zu gründen, die alle Medienkanäle zur Ausspielung der Inhalte nutzen. In den USA ist es anders; dort gibt es auch Konzerne, die TV-, Radio-, Online- und Print-Produkte liefern. Daher sind die Medienproduzenten in Deutschland weiterhin bimedial aufgestellt, also Rundfunk/Online und Print/Online.  Das wird aus wettbewerbsrechtlichen Gründen auch so bleiben. Genau deshalb ist auch mehr der bimediale Vielkönner gefragt, als der monomediale Spezialist oder der multimediale Vielkönner.

Man muss allerdings sehen, dass „online“ mittlerweile auch Bewegtbild-Elemente umfasst, außerdem entwickeln sich neue Darstellungsformen, zum Beispiel interaktive Grafiken. Gemeinsam mit einer Kollegin, Prof. Kinnebrock von der Universität Augsburg, hat Sonja Kretzschmar eine Studie zum Thema Crossmedia durchgeführt, die zeigt, dass tatsächlich die Grenze zwischen Bi- und Multimedialität verwischt – und dass die neuen Kompetenzen vor allem von den jungen Mitarbeitern erwartet werden. Außerdem wird aufgewiesen, dass es für eine erfolgreiche und nachhaltige Crossmedia-Implementierung vor allem an Strategien und gezieltem Management mangelt. Ein weiterer Punkt ist, dass „[a]uch mit neuen journalistischen Formen […] meist nur punktuell experimentiert [wird] [.] [E]s gibt noch viel Potenzial für eine systematische Integration und permanente Evaluation neu zu entwickelnder Formen der öffentlichen Kommunikation.“ (Kinnebrock & Kretzschmar 2012, 21). Als wichtiges Element für erfolgreiches crossmediales Arbeiten, das offensichtlich noch zu wenig genutzt wird, nennen Kinnebrock und Kretzschmar die Einbindung von Mitarbeitern. Ziel ist es eine Redaktions- und Unternehmenskultur zu schaffen, die dem stetigen Medienwandel offen gegenüber steht. Durch den permanenten Wandel ist es nötig, Strukturen zu entwickeln, die es erlauben (technische) Innovationen stets in den redaktionellen Ablauf einzubinden. Man sollte „Verkrustungen entgegenwirken und einen pro-aktiven Umgang mit journalistischen Innovationen erlauben“ (Kinnebrock & Kretzschmar 2012, 21).

Die Studie von Kinnebrock und Kretzschmar finden Sie hier:

http://www.bpb.de/gesellschaft/medien/137867/crossmedia

Literaturverzeichnis:

Gingras, Richard (2012): Google’s Richard Gingras: 8 questions that will help define the future of journalism. http://www.niemanlab.org/2012/04/googles-richard-gingras-8-themes-that-will-help-define-the-future-of-journalism/, abgerufen am 27. März 2013.

Kretzschmar, Sonja (2008): Crossmedialer Journalismus. In: Hausmann, Lothar/Kretzschmar,

Sonja/Opitz, Stefanie/Röper, Horst (Hrsg.): „Wir müssen mehr experimentieren“ Journalistenausbildung zwischen Wissenschaft und Praxis. Dortmund: QuaMedia Verlag GmbH, S. 108-121.

Kinnebrock, Susanne/Kretzschmar, Sonja (2012): Forschungsbericht Crossmedia 2012.

http://www.bpb.de/gesellschaft/medien/137867/crossmedia, abgerufen am 27. März 2013.

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