Der Journalist im Medienwandel

Dass der stetige Wandel unserer Zeit auch am Journalismus nicht reibungslos vorbei zieht, ist kaum mehr zu übersehen. Mit der wachsenden Selbstverständlichkeit digitaler Medien nagt das Print-Geschäft am hohlen Zahn. Verlage orientieren sich für alle Welt sichtbar am digitalen Markt, versuchen ihr Dasein zu retten, weiter zu wachsen und verwandeln sich zu multimedialen Mediengiganten. Kaum eine Zeitung hat sich nicht ein zweites Online-Standbein aufgebaut und versucht dieses – mehr oder weniger – als seriöse Informationsquelle zu gestalten. Doch wie sieht die Zukunft aus? Welche Bedeutung hat das schrumpfende Print-Geschäft für Journalisten, und insbesondere für solche, die es werden wollen? Schließlich bietet das Internet jedem Laien eine Plattform, um sich in die Öffentlichkeit zu begeben.

Internet und Öffentlichkeit

Wer in den letzten Jahrzehnten Öffentlichkeit schaffen wollte, war auf die Hilfe von Journalisten angewiesen. Um eine breite Masse zu erreichen, brauchte es Massenmedien wie Zeitungen, das Radio oder das Fernsehern als Kommunikatteure. Die Entscheidungsgewalt, welche Informationen in die Öffentlichkeit gehörten oder nicht lag ausschließlich bei den Journalisten. Diese Ausgangssituation hat sich heute geändert. Mit dem Einzug des Internets in den Alltag der Menschen braucht es keinen Mittelsmann mehr oder gar verschiedene Kanäle, um Öffentlichkeit herzustellen. Es bedarf lediglich eines Zugangs zum World Wide Web, eines Blogs oder eines Accounts bei Twitter oder Facebook. Hier findet sich nicht nur für jedermann ein Sprachrohr, sondern auch schnell die richtige Bezugs- und Interessengruppe. Das Berufsbild des Journalisten steckt also in einer Sinnkrise.

Noch im 20. Jahrhundert war es üblich, dass Nachrichten ausschließlich zum Zeitpunkt der Ausstrahlung gesehen werden konnten. Wer einen Beitrag verpasste, hatte schlechte Karten diesen jemals wieder zu finden. Heutzutage, dank digitaler Databases wie sie über das Internet zu finden sind, hat sich das Verhalten Informationen zu konsumieren geändert. Es bedarf keiner unentwegten Aufmerksamkeit mehr. Ganz im Gegenteil. Jeder hat die Möglichkeit auf digitalen Plattformen Informationen zu verbreiten und sich als Experte auf einem bestimmten Gebiet zu beweisen. Freunde werden mehr zum glaubwürdigen Informationsfilter als etablierte News Brands. Die heutige Technologie erlaubt mehr Nachrichten, produziert und erreichbar in Lichtgeschwindigkeit, oftmals sogar kostengünstiger als zuvor. Doch nicht nur für Journalisten hat sich einiges geändert.

Das Internet hat die Pforten für eine neue Generation des Informationsflusses geöffnet. Auch dessen Nutzer entwickeln neue Muster des Nachrichten-Konsums, kaum mehr zu vergleichen mit denen einer Generation ohne allgegenwärtigen Internetzugang. Es macht den Anschein, heutzutage wird intensiver konsumiert. Die neuesten Nachrichten werden zwar konstant wie Updates online abgerufen – insbesondere bei Smartphone und Tablet-Nutzern – dennoch wird seltener regelmäßig gelesen. Es gibt immer weniger Leute, für die eine Tageszeitung zum Frühstücksritual gehört. Dafür wird bei der Suche nach Informationen im World Wide Web mehr in die Tiefe gegangen. Hyperlinks sorgen schnell dafür, sich in einer Thematik zu verlieren. Nie war es so einfach, sich mit einem Klick immer mehr und mehr Hintergrundwissen anzueignen.

Letztendlich ist das Internet gegenüber anderen Medienkanälen überaus demokratisch. Doch der freie Zugang zur Öffentlichkeit schwächt gleichermaßen den Journalisten und seine Bedeutung für die Gesellschaft. Ist er überhaupt noch von Bedeutung? Der einstige Gatekeeper, der Journalist als Entscheidungsträger über die Diskussion von morgen, ist vor lauter neuer Türen, die das Internet eben bietet, nahezu wehrlos dem Informationsfluss eines Jedermann gegenübergestellt. Unter diesen Umständen stellt sich verstärkt die Frage: Wird es den klassischen Journalisten in Zukunft überhaupt noch geben? Und was müsste dieser mitbringen, um nicht einer von vielen unsichtbaren Akteuren im World Wide Web zu sein?

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Screenshot Marc Glaser, Quelle: http://www.pbs.org/mediashift/about/#markglaser

Der in Chicago lebende Journalist Mark Glaser hat ihn am eigenen Leib erfahren – den Wandel von Print zu Digital. Angefangen als freiberuflicher Publizist, der sich mit Kolumnen für diverse Zeitungen finanzierte, ist Mark Glaser nunmehr fast ausschließlich Online unterwegs. Glaser beschäftigt sich insbesondere mit der Ausbildung von Journalisten. Sein Blog www.pbs.org/mediashift, den er mittlerweile mit sechs weiteren Journalisten pflegt, dreht sich um den Einfluss von Social Media, Weblogs, Podcastings oder Online Videos, auf die Medien-Welt und der damit einhergehenden Veränderung des Informationsflusses.

Auf der Suche nach Antworten hat sich Mark Glaser zu einem Interview bereiterklärt.

Journalismus im Wandel

Inwiefern hat sich Journalismus über die letzten Jahre verändert?

Glaser beschreibt den Wandel im Journalismus auf persönlicher Ebene. Heute schreibt er nicht länger nur Artikel. Er ist Online- und Multimedia-Produzent, er bloggt, produziert Video-Shows und Podcasts, beschäftigt sich mit Social Media Marketing, hilft beim Verkauf von Werbe- und Anzeigenschaltungen und vieles mehr.

Das Für und Wider des Online-Journalismus.

Prinzipiell ist Glaser pro Online, sieht aber auch große Hürden, die es zu bewältigen gilt. Für ihn liegen die Vorteile des Online-Journalismus vor allem darin, dass er für jeden frei zugänglich ist. Jeder kann sich einen Blog, eine Website, Tumblr oder Instagram in wenigen Minuten einrichten. Allerdings ist es genau deshalb auch so schwer, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen. Insbesondere ohne jeglichen Zusammenhang zu einer größeren Website oder Institution, wie z.B. der Huffington Post, Buzzfeed oder Business Insider in den USA. Hier verdeutlicht sich die Problematik des Online-Journalismus: Es ist schwer, als selbstständiger Produzent ein gewisses Vertrauen zu seinem Publikum aufzubauen, geschweige denn dieses erst einmal zu gewinnen. Hinter der Fassade einer größeren Institution, eines Verlags oder einer Zeitung, ist es einfach eine Leserschaft aufzubauen – die Glaubwürdigkeit der Artikel entsteht von ganz allein. Als eigenständiger Journalist in der Online-Sphäre sieht das anders aus. Trotzdem blickt Mark Glaser optimistisch in die Zukunft. Denn auch traditionelle Medienunternehmen sind nahezu gezwungen, sich dem Online-Geschäft hinzugeben. Das bietet Journalisten wiederum die Chance, sich über größere Institutionen Online einen Namen zu machen. Die klare Linie von Print und Digital beginnt langsam zu verwischen.

Zukunftsprognosen.

Mit einem Blick in Zukunft wird es laut Glaser noch einen enormen Wandel zur mobilen Nutzung geben, insbesondere im Bezug auf Smartphones und Tablets. Diese Veränderung ist für Journalisten von großer Bedeutung, denn sie bietet eine Chance zur Neuerfindung:

„No one has really created the perfect mobile news experience“, so Glaser „but it’s a challenge as well because no one knows what people want to get in mobile“.

Der Online-Journalismus charakterisiert sich schnelllebig. Es wird konstant veröffentlicht und es gibt direkte Reaktionen und Feedback auf verschiedensten Kanälen wie Facebook oder Youtube – eine Herausforderung, aber auch ein Gewinn an Möglichkeiten. Deshalb müssen neue Technologien wie das Smartphone oder das Internet an sich nicht unbedingt eine Bedrohung für Journalisten sein. Auch wenn sich durch das breite Angebot an Kanälen sowie Technologien die Informationsquellen tagtäglich ins Unermessliche häufen, bedeutet dies nicht, dass jede Quelle von qualitativem Wert ist. Häufig werden Nachrichten verbreitet, die nur für eine kleine Interessengruppe von Relevanz ist, schlecht recherchiert oder unattraktiv aufgemacht. Um die richtigen Themen auszuwählen und diese auch für ein breites Publikum interessant aufzubereiten, braucht es oftmals eben doch Erfahrung und ein gewisses Maß an journalistischer Expertise. Das Berufsbild des Journalisten verwandelt sich somit zu dem eines Informationsmanagers, der ausgewählte Nachrichten bereits gefiltert der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt und im Vergleich zu den meisten Laien dabei Qualität verspricht. Dieser Aspekt sollte nicht unterschätzt werden, denn wie man es von den Technologien selbst kennt, so ist es auch mit den Daten die sie kommunizieren: Der Mensch zahlt gerne für Qualität und guten Service.

Mit Mark Glaser als Spezialist für „Education Journalism“ ist es besonders interessant, in die Zukunft des journalistischen Nachwuchses zu blicken. Wird es den Journalisten wie wir ihn kennen überhaupt noch geben? Welche Auswirkungen haben die genannten Veränderungen auf die Ausbildung und Anforderungen von Journalisten?

Education Journalism

Wie sieht der Journalist der Zukunft aus?

Laut Mark Glaser wird der Journalist der Zukunft wohlmöglich in zwei Richtungen gehen. Es wird zum einen diejenigen geben, die sich mit besonderem Interesse einem Feld gewidmet haben, wie z.B. Spezialisten im Video-, Social Media oder Data-Bereich. Auf der anderen Seite wird es besonders Ambitionierte geben, die sich jedem Genre gleichermaßen widmen – multimediale Alleskönner. Im Hinblick auf die Zukunft des Online-Journalismus empfindet Glaser es für besonders wichtig, diese beiden Richtungen miteinander zu verbinden. Für den idealen Journalisten der Zukunft ist es mehr als ratsam, ein multimediales Grundverständnis aufzubauen, ein bisschen von allem zu können. Gleichermaßen sollten sich angehende Journalisten weiterhin besonders einem bestimmten Gebiet widmen und sich darin ein vertieftes Wissen aneignen. Damit hätten sie gleich zwei große Spezialitäten in einem zu bieten, und heben sich von der Masse ab: „They can do it all, or they have an area of expertise“, je nachdem, was sie voranbringt.

Was hat sich an der journalistischen Ausbildung verändert?

Generell hat sich die Ausbildung von Journalisten bereits über die letzten Jahre verändert. Immer mehr Journalisten erlernen ihre Fähigkeiten schon während Schul- und Studienzeiten, werden dort gefördert und haben bereits vor dem Start ihrer eigentlichen Karriere eigene Werke weitreichend publiziert. Das amerikanische News21 Journalism Education Programm beispielsweise, hat in den USA mit seinen Publikationen ein starkes Gehör in den Mainstream Medien erreicht. Auch viele Universitäten fördern ihre Studenten mit größeren Publikationen in den Massenmedien. Glaser selbst hat mehrfach für die Website des Yale Center for Globalization sowie für Havard’s Nieman Reports geschrieben.

Eine Ausbildung im Print?

Weiterhin im Print-Bereich eine Ausbildung als Journalist abzuschließen ist für Glaser eine Frage der Erwartungshaltung. Es ist einerseits interessant und niemals falsch, allerdings sollte sich ein angehender Journalist darüber im Klaren sein, dass es schwer wird, später auch tatsächlich im Print-Bereich zu arbeiten. Zusätzlich stellt sich hier auch die Frage, in welchem Land ein Journalist arbeiten möchte. Während das Print-Geschäft in den USA erheblich schrumpft und auch in Europa langsam aber sicher ins Schwanken gerät, lebt es – so Glaser – in Indien vielleicht gerade auf.

Neue Schule – den Journalismus neu erfinden

Eines der in den USA bekanntesten Journalismus Programme ist News21. Getreu dem Motto „Redefining Journalism“ haben hier die talentiertesten Journalismus Studenten die Möglichkeit sich zusammenzufinden, um gemeinsam Themen aufzubereiten und Multimedia-Projekte zu produzieren. News21 will zeigen, wozu Studenten fähig sind und mit einer guten crossmedialen Ausbildung die Nachrichtenindustrie neu definieren. Das Education Programm setzt darauf, mit renommierten Kooperationspartnern aus der Medienbranche, wie Zeitungen oder Fernsehen zusammenzuarbeiten und lässt seine Studenten wie in einer echten Redaktion gemeinsam arbeiten.

Ähnlich ambitioniert arbeitet auch Harvard’s Nieman Reports an der Zukunft des Journalismus. Im Jahr 1938 gegründet, ist die Nieman Foundation for Journalism in Harvard eine der traditionsreichsten Programme, junge Talente im Journalismus zu schulen. Um der Bedrohung eines irritierten Journalismus entgegenzuwirken, wurde kürzlich das Nieman Journalism Lab gegründet – ein Versuch, die Zukunft des Journalismus im Internetzeitalter ausfindig zu machen. Denn wenngleich das Internet einen Schwall an Nachrichten und Informationen mit sich bringt, zerstört es auch alte Business Modelle, die Jahrzehnte lang Qualitätsjournalismus abgesichert und unterstützt haben. Das Nieman Lab hat es sich zur Aufgabe gemacht, innovative Ideen hervorzubringen, wie die Zukunft des Journalismus funktionieren könnte. Es soll erforscht werden, was diese Innovationen zum Erfolg oder scheitern bringt. Es sollen Ideen gefunden werden, damit andere diese adaptieren können, um so dem Journalismus eine Überlebenschance zu bieten.

In den USA scheinen Journalismus Programme Ihre Schützlinge nicht nur mit der bestmöglichen crossmedialen Ausbildung zu wappnen. Es wird gleichermaßen aktiv an Lösungswegen gearbeitet, den Journalismus zu stabilisieren. Doch wie sieht das Ganze in Deutschland aus?

Auch Deutschland zeigt sich durchaus fortschrittlich. Geht es um die Ausbildung junger Talente, reagieren Universitäten und Journalismus-Schulen bereits mit Veränderungen Ihrer Rahmenbedingungen. Finanzielle Mittel werden geschaffen und in Labore und Einrichtungen gesteckt, die es Studenten ermöglichen sollen, sich ein crossmediales Know-how anzueignen. Es soll gelernt werden, Themen so aufzubereiten, dass sie auf verschiedensten Kanälen funktionieren. In „Warum der Journalismus an Wert verliert“ zitiert Kurt Weichler den Journalistik-Professor der Universität Eichstätt, Klaus Meier wie folgt:

„Ohne crossmediale Ausbildung wird es künftig nicht mehr gehen. (…) Multimediales, crossmediales Denken zu beherrschen, ist unabdingbar für eine erfolgreiche journalistische Laufbahn – heute schon, aber erst recht in der Zukunft.“ Außerdem, so Klaus Meier: „Wenn wir ein Thema erarbeiten, kann die Frage nicht mehr sein: Was ist für dieses Thema die optimale Darstellungsform? Oder: Wie machen wir daraus eine hervorragende Reportage für die Seite 3 oder einen spannenden Radiobeitrag fürs Mittagsmagazin? Die Frage lautet jetzt: Was machen wir wie für welches Medium?“

Deshalb ist es wichtig, den Fokus der journalistischen Ausbildung auf ein gutes organisatorisches Verständnis und die Förderung von technischen, crossmedialen Fähigkeiten zu setzen. Denn wie bereits erwähnt, die Zukunft des Journalisten liegt erschwert im Managen und Filtern von Informationen, anstelle der reinen publizistischen Tätigkeit. Eine undankbare Entwicklung? Verliert der Journalist für die Öffentlichkeit scheinbar an Wert, wird sein Aufgabenbereich im selben Atemzug wesentlich komplexer und anspruchsvoller. Nebst technischem Know-how müssen sich Journalisten noch einer anderen Aufgabe stellen: Sie müssen verstehen, was Rezipienten heute wollen. Wie Mark Glaser anmerkte, durch die mobile Technik haben sich Konsumverhalten und Nutzeransprüche erheblich verändert und bis heute hat noch niemand die ideale Lösung gefunden.

Zusammenfassend müssen sich die USA und Deutschland im Punkt Umbruch im Journalismus derzeit denselben Schwierigkeiten stellen. Auch wenn sich die Basis journalistischer Ethik sowie das Berichterstatten mit dem digitalen Wandel nicht großartig verändert haben, so hat sich das verbreiten von Information und die Art und Weise, in der das Publikum interagieren kann drastisch gedreht. Journalismus ist ein interaktiver Prozess geworden, geprägt von multimedialer Berichterstattung.

Journalismus gestaltet sich neu

In einem Interview mit Leif Kramp und Stephan Weichert von der Süddeutschen Zeitung, zeigt sich Journalismusexperte Stephen B. Shephard mit einer ähnlichen Einstellung zur Zukunft des Journalismus. Auch er nimmt zu dieser Thematik insbesondere Bezug auf die Ausbildung von Journalisten.

Mit dem mehr und mehr schwindenden Print-Markt wird der Journalismus nicht gehen, aber er wird sich neu erfinden müssen. Es gibt etliche Möglichkeiten multimedialen Online-Journalismus zu betreiben. Wie schon Glaser erwähnt, ist auch laut Shephard diese Form von Journalismus nicht länger ein Produkt, sondern ein Prozess – ein Dialog zwischen Produzent und Nutzer. Gerade wegen dieser Interaktivität ist es wichtig, sich durch das frei zugängliche Medium Internet nicht im Laienjournalismus zu verrennen, sondern weiterhin in die Ausbildung von Journalisten zu investieren, um sich so qualitativ hochwertigen, jedoch an die Umstände angelehnten Journalismus für die Zukunft zu sichern. Außerdem müssen neue Geschäftsmodelle aufgebaut werden. Auch Online-Journalismus muss finanziert werden – ob durch Werbung oder Inhalt. Shephard nennt dies Hybrid-Journalismus: Die Zukunft liegt in der Verschmelzung von Online und Zeitung. Wie Mark Glaser plädiert auch Shephard für den Journalist der Zukunft, der ein bisschen von allem kann: Gute Stories, Interaktivität, Video, Audio, Fotostrecken und vieles mehr. Die Frage ist nicht ob, sondern was das Internet Journalisten bietet. Mit einem rückwirkenden Blick auf die Journalismus Programme von heute, könnte die Zukunft doch optimistisch gesehen werden.

Ein ganz anderes Problem, welches der Wandel im Berufsbild des Journalisten mit sich bringt, ist der Verlust junger Talente. Verliert der einst beliebte Job des Journalisten durch seine undurchsichtige Zukunft an Attraktivität?

Gänzlich uninteressant scheint das Berufsbild des Journalisten noch nicht geworden zu sein. Nicht umsonst platzen die Briefkästen und Postfächer renommierter Journalismus Schulen und Universitäten mit vergleichbarem Angebot an Kursen und Lehrkörpern. Auch Verlage können sich trotz drohendem Untergang nicht über einen Mangel an Bewerbern beschweren. Ob es der letzte Funken Idealismus in den Köpfen der Junganwärter oder schlichtweg die Anziehungskraft der Medien ist, die so viele Nachwuchs-Publizisten die Risiken der journalistischen Sinnkrise in Kauf nehmen lässt, bleibt spekulativ. Vielleicht ist es der Wunsch zu einem Kollektiv zu gehören, wo es in der breiten Masse der Öffentlichkeit doch schwer ist, als Einzelner etwas zu bewegen. Der Gedanke, ein „Medien-Revoluzzer“ und ein Teil der Veränderung zu sein ist und bleibt attraktiv. Ein Hoffnungsschimmer oder mehr Schein als Sein?

In „Warum der Journalist an Wert verliert“ erklärt Kurt Weichler den anhaltenden Andrang auf die Postfächer journalistischen Institutionen wie folgt:

„Auch wenn der Ansturm auf Journalismusstudiengänge und Journalistenschulen ungebremst zu sein scheint, so gibt es beim Volontariat, dem zahlenmäßig nach wie vor wichtigsten Zugang zum Journalistenberuf erste Warnsignale. So haben regionale Tageszeitungen zwar immer noch wesentlich mehr Bewerber als Volontariatsstellen, aber, so hört man aus verschiedenen Regionen, die Qualität der Bewerbungen habe deutlich nachgelassen. Anders ausgedrückt: Es bewerben sich nicht mehr die Besten für diesen Beruf, sondern die Mittelmäßigen.“

Kein Wunder, so auch Weichler, lassen sich Nachwuchstalente nicht ewig mit einer Anstellung als „freier Mitarbeiter“ abspeisen – vom Gehalt eines Volontärs ganz zu schweigen. Dringende Sparmaßnahmen hin oder her, die eher undankbaren Arbeitsverhältnisse sprechen sich auch unter den größten Idealisten rum. Isabelle Buckow, eine freie Journalistin aus Hamburg hat zu dieser Thematik eine Umfrage unter den Journalisten der Freischreiber durchgeführt, dem „Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten“.  Das Ergebnis bestätigt das eher traurige Image, denn im Schnitt steht einem freien Journalist gerade mal ein Brutto-Monatsgehalt von 2000 Euro zur Verfügung (siehe Abb.).

Bild 11

Screenshot aus Freischreiber Umfrage, Quelle: http://link.springer.com/content/pdf/bbm:978-3-531-92663-6/1

Um weiterhin Qualitätsjournalismus zu garantieren und vor allem, um junge Talente zurück ins Boot zu holen, müssen also neue Businessmodelle her. Spitzenreiter ist hier unter anderem das Modell der Anzeigenmaschinerie. Denn kaum etwas bringt mehr Geld ein als Werbung und nirgends wird diese momentan so gut verkauft und platziert wie auf Internetplattformen. Werbung als Rettungsanker des Qualitätsjournalismus? Vorstellbar, denn genau hier finden wir auch viele der vermissten Talente. Denn wie Buckows Umfrage zu entnehmen ist, haben sich ganze 87 Prozent der Befragten Journalisten ein zweites, zumindest finanzielles Standbein in der PR-Branche aufgebaut. Weichler sieht diesen Trend verstärkt bei potenziellen Journalismusanwärtern. Aus Existenzangst scheinen viele junge Leute eine wirtschaftliche stabilere Richtung einzuschlagen, und das ist in diesem Fall die PR- und Werbe-Branche. Laut Weichler geschieht das „nicht aus Überzeugung, sondern aus Berechnung – weil dort die Zeichen auf Wachstum stehen“.

Zusammenfassend steht fest: Der Markt verändert sich. Durch die immer mehr expandierende Online-Media-Industry hat das Print-Geschäft zurzeit schlechte Karten sich zu behaupten. Leider verliert dadurch der Journalismus für viele Junganwärter an Attraktivität, wenn selbst Zeitungen und Verlage um ihre Existenz kämpfen müssen. Laien feiern dafür mit zahlreichen Blogs und Twitter-Accounts mehr oder minder Erfolge. Die Zukunft des Journalismus scheint undurchsichtig; in einer Sinnkrise. Doch dabei sollte bewusst sein, dass der Journalismus an sich nicht ausstirbt, sondern sich viel eher auf neues Terrain begibt. Deshalb gilt es, sein Wissen zu erweitern, sich ein Beispiel an ambitionierten Programmen wie dem Nieman Lab zu nehmen und nach neuen, innovativen Ideen und Zukunftsperspektiven zu suchen.

Solange das Interesse an glaubwürdigem und qualitativem Informationsfluss nicht verschwindet, wird auch Journalismus nicht verschwinden. Er wird sich nur weiterentwickeln, mit dem Web 2.0.

Das könnte auch interessant sein:

  • Die Ergebnisse der Freischreiber Umfrage gibt es hier zum Download: Umfrage
  • Mehr zu Kurt Weichlers „Warum der Journalist an Wert verliert“ ist hier zu finden.

Podcasts:

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