Internet kills the Radiostar

– von Elena Vohl und Maritta von Wolfframsdorff – 

Um den Radiojournalismus ist es in Deutschland nicht gerade gut bestellt. Seine Zukunft ist alles andere als rosig. Der analoge UKW-Rundfunk feierte 2010 seinen 60. Geburtstag. Aber der technische Fortschritt sitzt ihm im Nacken und ob er seinen 70. Geburtstag noch erleben wird, steht in den Sternen. Unaufhaltsam entwickelt sich die Medienlandschaft weiter und durch die Digitalisierung und die veränderte Mediennutzung steht die Radioindustrie vor einem großen Umbruch.

Die Verschmelzung von Internet und Radio bedroht die Existenz der klassischen Radiojournalisten und ihrem Medium. Aufgrund von Blogs, Social Media, Twitter und anderen Internetdiensten haben Journalisten ihre Vormachtstellung als alleinige Nachrichtenmacher und Gatekeeper verloren. Wozu noch Journalismus bzw. Journalisten, wenn doch heutzutage jeder Hinz und Kunz die Arbeit verrichten kann, die einst ein Privileg ihrer war? Jegliche Kontrolle über Publiziertes gleitet den Journalisten und Nachrichtenagenturen aus den Händen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis echter Qualitätsjournalismus in Deutschland endgültig aussterben wird. Im digitalen Alltag bleibt keine Zeit mehr für ausführliche Recherche, für Gegenlesen und tiefer greifenden, investigativen Journalismus. Alles was zählt ist Geschwindigkeit – Erster zu sein. Die Nutzerzahlen von Webradioangeboten steigen jährlich. Immer mehr Onliner nutzen Webradiodienste. Mehr als 3.000 Webradioangebote zählt die Bayrische Landeszentrale für neue Medien im Jahr 2012. Wer schaltet da noch das Küchenradio ein? Bei einer so großen Sendervielfalt versenden sich aber natürlich auch wichtige Inhalte im World Wide Web und eine Nachrichtenflut überschwemmt die wirklich bedeutsamen Inhalte. Wer bietet uns Lesern und Hörern in dieser digitalen Welt Anker der Verlässlichkeit? Wer sichert Qualität? Abgesehen davon wird das Webradio die Gesellschaft auf kurz oder lang in zwei Lager teilen – jung und alt. Wo einst Familien zusammen saßen, um dem Radio zu lauschen, da wird in Zukunft jeder einzeln sein eigenes Programm hören. Damit geht eine wichtige soziale Funktion des Mediums verloren.

Auch finanziell ist das Radio dem Untergang geweiht. An jeder Ecke nehmen Medienunternehmen Kürzungen vor und auch Radiojournalisten werden davon nicht verschont bleiben. Nachrichtenagenturen und Zeitungen schreiben bereits rote Zahlen. Die dapd, eine der größten Nachrichtenagenturen weltweit, setzte im Oktober dieses Jahres ein Insolvenzverfahren in Gang. 40 Kündigungen wurden allein in diesem Monat bei der Westdeutschen Zeitung ausgesprochen und speziell freie Journalisten in allen Medienbereichen werden immer häufiger Opfer von Ausbeutung und bekommen den medialen Wandlungsprozess am eigenen Leib zu spüren. In Zukunft werden die einzelnen Mediengattungen noch weiter zu einem großen Einheitsbrei verschmelzen. Die Anfänge sind bereits heute sehr präsent. Wer aber kümmert sich in Zukunft um neue, dem Medienwandel gerecht werdende Regeln, Richtlinien und strukturelle Ordnungen? Wie sollen sich Journalisten in dem Chaos der cross- und multimedialen Arbeitswelt zurecht finden? Schon heute wird von einem Journalisten gefordert, dass er sich nicht nur mit dem geschriebenen oder gesprochenen Wort auskennt, sondern darüber hinaus wird ihm technisches Know-how und der kompetente Umgang mit Social Media und anderen Onlinediensten abverlangt. Die klassische Journalistenschule wird in den nächsten Jahren also komplett neu strukturiert werden müssen. Das Radio steht bereits mit einem Fuße im Grab und wenn es so weiter geht, wie in den letzten Jahren, sollten wir schon heute mit den Vorbereitungen für die Trauerfeier beginnen.

Geschichte des Radios in Deutschland

Das Radio besitzt in Deutschland wohl die gleiche Existenzberechtigung wie der Kühlschrank oder die Waschmaschine. Ähnlich selbstverständlich wird es im Alltag genutzt. Oder sollte man besser sagen, wurde es genutzt?

Ehe wir dieser Frage weiter auf den Grund gehen, sollte vorab geklärt werden, wo das Radio eigentlich her kommt und wie es seinen Weg in unser Zuhause fand. Wie zuvor das Buch, irritierte und schockierte in den 1920er Jahren eine nie da gewesene Form des Massenmediums das Land: der Rundfunk war geboren. Anders als zuvor, gab es nun einen völlig neuen Distributionsweg, der sich scheinbar unkontrolliert an viele Adressaten gleichzeitig richten konnte. Es muss wohl nicht erwähnt werden, welche Welle des Misstrauens in Regierungskreisen dadurch losgetreten wurde? Um möglichen Gefahren des neuen Mediums vorzubeugen, entstanden in Deutschland die Rundfunkanstalten unter Beteiligung der Landesregierungen. Somit unterlagen die Betreiber in ihrer Programmgestaltung strengsten Auflagen. Damit auch der Empfang des Radioprogramms kontrolliert werden konnte, war der Besitz eines Radios an eine Lizenz gebunden. Diese finanzielle Einschränkung sollte aber auch die kleinen Bürger nicht von ihrem „Recht auf Informationen“ abhalten; schließlich tauschten die Menschen zahlreiche Anleitungen zum Selbstbau von Radiogeräten aus und hörten notfalls einfach „schwarz“. Die Deutschen verbanden in den 1920er Jahren große Hoffnungen mit der grenzenlosen und vor allem grenzüberschreitenden Kommunikation. Doch bereits im Jahr 1932 konnte von einer Verstaatlichung des Rundfunks gesprochen werden – Hitler machte sich das Radio zur Zeit der Nationalsozialisten beispiellos zueigen und das Volk hatte nur eine Wahl: Entweder sie ließen sich von nationalsozialistischem Gedankengut verpesten, oder das Radio blieb eben aus. Da der Rundfunk als NS-Propagandainstrument genutzt wurde, kam es nach 1945 zu einem föderalistisch und öffentlich-rechtlichem Aufbau des Rundfunks. Die Alliierten setzten in den Westzonen das öffentlich-rechtliche Prinzip durch, ähnlich der britischen BBC. Die Sowjetischen Besatzungszonen setzten auf einen zentralistischen Staatsrundfunk. Das Radio wurde zum Kultfaktor und etablierte sich ohne akustische Konkurrenz. Der Rundfunk gewann schnell den Charakter einer übergeordneten Instanz und förderte das kollektive Bewusstsein der Menschen. In den 60er bis hin zum Ende der 80er Jahre hatten in Westdeutschland die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und in Ostdeutschland der Rundfunk der DDR eine Monopolstellung. Mitte der 80er konkurrierten in Westdeutschland erstmals auch private

Rundfunksender mit den öffentlich-rechtlichen. Ende der 80er kamen auch gemeinnützige freie Rundfunksender hinzu und es entstand der Begriff des „trialen Rundfunksystems“. Nach dem Mauerfall fusionierten Sender miteinander und es entstand eine breit gefächerte Radiolandschaft.

1995 kam es dann erstmals zu einer Kollision zwischen dem „guten, alten Radio“ und dem wiederum bahnbrechenden, aber irgendwie auch gefährlichen Medium, welches sich nun ebenfalls auf seinen Weg in die Häuser der Deutschen machte: das Internet. Das Info-Radio Berlin-Brandenburg veranstaltete gemeinsam mit der TU Berlin einen Streaming-Dienst. Drei Jahre später wurde die Medienöffentlichkeit langsam auf Streaming-Dienste aufmerksam. Immer mehr Radiosender streamten ihre Sendungen und selbstständige Webradios tauchten in der Medienlandschaft auf. 2010 gab es laut der BLM-Studie bereits rund 2700 Webradios – allein in Deutschland. Bei einem solchen Angebot und der überragenden Vielfalt an Sendern und Musikrichtungen im Internet prophezeien Skeptiker gerne einmal das Ableben des Radios; wer schaltet denn schließlich bei diesen Zahlen noch das Radio ein?

Aktuelle Nutzung und Entwicklung von Webradioangeboten

Durch den schnellen Ausbau des Breitband-Internets stiegen die Zahl der Webradio-Sender sowie die Nutzung von Webradio-Angeboten innerhalb der nächsten Jahre enorm schnell an. Seit 2008 sprossen Webradios plötzlich wie Pilze aus dem Boden. Jährlich nimmt die Zahl der Anbieter um knapp 56 Prozent zu und dieses Jahr präsentierte der BLM-Webradiomonitor eine überaus gewaltige Zahl von  mehr als 3.000 Webradios in Deutschland. Dabei handelt es sich bei über 4/5 der Anbieter um Online-Only-Dienste, die ausschließlich im Internet genutzt werden können. Bereits jeder zweite deutsche Onliner ist schon einmal in Berührung mit dem neuen Medium gekommen und 13 Prozent der Onlinenutzer geben an, wöchentlich das Webradio zu nutzen. Auch ein Blick auf die Nutzungsdauer zeigt das Potential des Webradios. 2012 verdoppelte sich die Nutzungsdauer zum Vorjahr von 167 auf 231 Minuten. Knapp 4 Stunden täglich lauschen Nutzer dem Programm von Webradio-Diensten heute. An dieser Stelle fürchten Radio-Journalisten um ihre Existenz. Aber die steigenden Nutzerzahlen im Radio-Onlinebereich bedeuten noch lange nicht, dass die Nutzerzahlen der klassischen UKW-Sender linear dazu sinken. Vielmehr ergänzt das Webradio das klassische UKW-Radio. Während UKW-Hörfunksender noch immer hauptsächlich am Morgen eingeschaltet werden, konzentriert sich die Nutzung von Webradioinhalten vor allem auf die Abendstunden. Nur 1 Prozent der Deutschen hört ausschließlich Webradio. Auch im mobilen Bereich der Radionutzung über Smartphone und Tablet-PC stellt das Webradio bisher noch keine Gefahr für die traditionellen UKW-Sender dar. Während bereits fast 55 Prozent der Smartphone-Besitzer ihr Handy zum Streamen von UKW-Radiosendern verwendet, nutzen es nur knapp 40 Prozent, um Webradiodienste zu hören. Laut ARD/ZDF-Onlinestudie bleiben Hörfunk und Fernsehen auch weiterhin die dominierenden Medien.

Allerdings lässt sich ein struktureller Wandel in der Hörerschaft beobachten. Dank des technischen Distributionsweges über das Internet kann Webradio von überall auf der Welt gehört werden – vorausgesetzt ein Internetanschluss besteht. Durch die fast unendliche Programmvielfalt im Internet kann der Nutzer, seinen ganz persönlichen Neigungen entsprechend, ein individuelles Programm zusammenstellen. Der passive Hörer, der das Radio als Begleitmedium laufen und sich von dem Programm berieseln ließ, wird so aktiv zum Programmgestalter – ein selbstbestimmter Radiohörer, der dem traditionellen Medium in seiner Begrenztheit entfliehen zu versucht und mulitmedial das breite Angebot aller Medien zu einem völlig neuen und individuellen „Medium“ vereint. Vor allem junge Onliner, zwischen 14 und 29 Jahren, haben bereits erkannt, dass die Entscheidung für Fernsehen, Radio oder Internet nicht mehr der Entweder-oder-Logik der analogen Welt folgt. Vielmehr erlaubt das Internet jegliche Art der Mediennutzung.

Zahlen und Fakten – Belege einer sich wandelnden Branche. Dass sich die Medienlandschaft verändert ist unumstritten, doch sollte man nicht der Gerechtigkeit halber auch mal in die andere Richtung blicken und sich sogar fragen, ob der Wandel vielleicht auch Vorteile mit sich bringt?

Wer ist Dennis Horn?  

Einer der sich hingegen jeglicher Vernunft genau diese Frage gestellt hat, ist Dennis Horn. Zugegeben, er gehört zu den jungen Denkern des Landes und ist Veränderungen gegenüber möglicherweise eher aufgeschlossen als alteingesessene Journalisten, die ihre ersten Worte noch auf der guten, alten Schreibmaschine tippten. Obwohl er selbst mit den furchteinflößenden Veränderungen unserer Zeit zu tun hat, strahlt etwas in seinen Augen auf, was den alten Skeptikern wohl das Blut in den Adern gefrieren lässt: Vorfreude.

Aber nun erstmal zu seiner Person: Dennis Horn hat mit seinen 31 Jahren bereits als Autor, Redakteur, Moderator und Berater für den WDR, den Hessischen Rundfunk, Radio NRW und Antenne Düsseldorf gearbeitet. In Düsseldorf studierte Horn Germanistik sowie Medien- und Informationswissenschaften. Nebenbei unterstützte er die Uniradios in Bonn und Münster. Heute produziert er überwiegend Beiträge für den Hessischen Rundfunk als Moderator und Nachrichtensprecher und ist außerdem als freier Redakteur und Onliner bei 1LIVE tätig. Aber damit nicht genug: Nebenbei ist er Mitgründer der Agenturen „fiene,horn“ sowie der „Medienfüchse“ und referiert als Dozent an der ARD.ZDF medienakademie und der Hörfunkschule Frankfurt über Web-2.0-Themen.

Nun wird natürlich die Frage laut, wie jemand, der dem „Verfall des Qualitätsjournalismus“, der „Zerstörung des Radios“ und „der Vereinheitlichung der einzelnen Mediengattungen zu einem Gemeinschaftsbrei“ in seiner täglichen Arbeit ausgeliefert ist, so etwas wie Vorfreude empfinden kann? Schließlich sollte gerade er wissen, wie ausweglos die Situation aktuell ist. Doch was er zu sagen hat, überrascht:

„Ich würde den Skeptikern raten, in die Vergangenheit zu gucken. Skeptiker haben immer gesagt, dies und das würde sterben, so wie beim Kino oder der Erfindung des Fernsehers. Es sind immer wieder die gleichen Argumente gekommen. All diese Dinge sind aber nie verschwunden. Die Welt ändert sich und das wird sie immer wieder tun. Aber es wird nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“

Das Sterben des Radios  

Tatsächlich, so Dennis Horn, habe gerade das Radio die besten Chancen, den Wandel zu seinem Vorteil zu nutzen. „Radio begleitet die Dinge der Welt am ehesten per Echtzeit. Fernsehen ist schon aufwändiger herzustellen und die Zeitung hat wohl den größten Verlauf der Zeit bis die nächste erscheint. Deswegen habe ich festgestellt, dass sich Radiomacher mit dem Medienwandel noch am leichtesten tun.“ Sicherlich seien neue Rückkanäle hinzugekommen, so wie Facebook oder Twitter. Da es aber schon immer Rückkanäle gab, komme es nun darauf an, auch die neuen Wege zu nutzen. Außerdem bietet das Internet laut Horn die optimale Gelegenheit, Inhalte des Radios auch auf anderen medialen Wegen zu verbreiten. „Die Möglichkeit, die Radiosender heute haben, ist es, Inhalte zeitsouverän online zu stellen. Und die Radiosender, die darauf setzen, werden keine Probleme haben.“ Damit habe sich auch ein weiteres Problem gelöst: Durch das vielfältige Webradio-Angebot könnten sich möglicherweise spannende und qualitative Inhalte „versenden“. „Ganz im Gegenteil“, so Horn, „es versendet sich nichts, sondern durch das Internet und die Möglichkeiten, die die Radiosender haben, nämlich auf ihrer eigenen Homepage Themen noch mal anders darzustellen, werden Inhalte erst Recht gesetzt.“ Inhalte haben sich somit bisher versendet und die Chance sei es nun, diese durch das Internet festzuhalten. Insbesondere kleine Sender haben so die Chance, durch interessante Beiträge auf sich aufmerksam zu machen. Trotz dieses Vorteils bleibt die Frage, ob bereits existierende Webradio-Angebote nicht doch über kurz oder lang das klassische Radio ablösen? Immerhin ist es heute ein Leichtes, sich den passenden Musiksender online auszusuchen. „Meiner Meinung nach bietet das Webradio keine direkten Vorteile für den Rezipienten“, antwortet Horn auf diese Frage. „Meiner Meinung nach bedeutet die Übertragung übers Web eher Vorteile für die bisher etablierten Sender.“ Es können auf diese Weise nämlich genau die Zielgruppen gehalten werden, die „an den Rändern so langsam ausfransen“. Das heutige Webradio könne nur durch qualitative Inhalte konkurrieren, doch in den seltensten Fällen können diese mit bekannten Radiosendern mithalten. „Wir würden schon viel mehr Webradios sehen, wenn das so einfach wäre. Nur wenn der Inhalt stimmt, kann es einen Mehrwert bieten.“

Das Sterben der Mediengattungen   

Auch wenn Dennis Horn der Ansicht ist, dass die Vielzahl der Webradios dem klassischen Radio nicht schaden könne, so lässt sich nicht leugnen, dass insbesondere das Internet zur Plattform für alle herkömmlichen Medien wird. Der Printjournalismus stirbt ohne Online-Arbeit, Fernsehbeiträge finden sich im Netz wieder und ohne Twitter ist selbst die Tagesschau nicht mehr glaubwürdig. Führt dieser Trend nicht doch zur Verschmelzung der einzelnen Mediengattungen? „Nein“, so Dennis Horn. Bleiben wir einmal beim Radio. „Ich kann ein großes Medium wie das Internet nicht einfach so nutzen wie das Radio. Das Radio ist ein Nebenbeimedium.“ Sicherlich werde es Schwerpunkte bei der Mediennutzung geben. „Medienwissenschaftler unterscheiden ja meines Wissens nach zwischen der Lean-Back- und der Lean-Forward-Haltung. Es gibt also eben verschiedene Haltungen, die man beim Medienkonsum einnimmt. Das kann doch ein Medium allein gar nicht erfüllen.“ Horn glaubt nicht, dass die klassischen, großen Medien verschwinden. Trotz der aktuellen Schlagzeilen um bekannte und alteingesessene deutsche Tageszeitungen geht er nicht davon aus, dass die Printmedien dem Tod geweiht sind. „Auch die Zeitungen wird es weiterhin geben, wenn auch nicht in dem Maße wie bisher. Es werden sich Dinge ändern, aber nicht so, dass wir eine eierlegende Wollmilchsau bekommen.“

Das Sterben des Qualitätsjournalismus 

Die wohl größte Gefahr des Medienwandels ist viel diskutiert worden: Das Sterben des Qualitätsjournalismus. Wie kann journalistische Arbeit einen qualitativen Mehrwert bringen, wenn es heute nur noch darum geht schneller zu sein als die Konkurrenz? Qualität spielt doch schon längst eine untergeordnete Rolle, vielmehr zählt die schnellstmögliche Präsenz im Internet. Und auch die Recherche basiert auf sogenannten Weblogs oder Twitter; Plattformen, die oftmals nicht für repräsentative Hintergrundinformationen stehen. Und was bedeutet diese Entwicklung für die Rezipienten? Wie kann ein Journalist seine Gatekeeping-Funktion beibehalten, wenn doch heute jeder Hinz und Kunz als „Journalist“ durch das Internet surft? Dass gerade diese aktuelle Entwicklung Dennis Horn´s Augen freudig strahlen lässt, erscheint verwirrend. Denn im Gegensatz zu seinen Skeptikern, sieht er gerade hier die Chance für qualitativen Journalismus. „Ich glaube, dass auf Journalisten neue Aufgaben zukommen; nämlich zu filtern. Deswegen glaube ich nicht, dass der Journalismus irgendwann in irgendeiner Form ausstirbt. Ich glaube, dass sich seine Aufgabe wandelt. Und ich glaube, dass Journalisten auch heute schon viel gefragter sind, weil das alles sehr, sehr herausfordernd ist, mit dem wir es da zu tun haben.“ Das Filtern selbst sei weiterhin die Gatekeeping-Funktion des Journalisten, argumentiert Horn. Für die Rezipienten sei es außerdem ein großer Vorteil, dass die Arbeit der Journalisten heute so kontrollierbar sei. „Wenn ein Journalist sich auf die Füße getreten fühlt, dann ist das vielleicht gut für das, was er in Zukunft produziert. Er wird vorsichtiger und besser werden. Ich halte das für eine gute Sache, dass Journalisten sich da behaupten müssen, auch gegen andere.“ Die Aufgaben des Journalisten verändern sich. Er muss sich in der „Blogosphäre“ auskennen, um das Wichtigste filtern zu können. „Ich glaube, der Wandel ist superwichtig, weil der Journalist dadurch noch bestärkt wird. Der Journalist ist mehr denn je gefragt, um das alles zu sortieren.“ Dennis Horn freut sich auf die kommenden Jahre und hat eine ganz eigene Sicht auf die Entwicklung der heutigen Zeit:

„Ich habe keine Angst davor, dass der Beruf des Journalisten ausstirbt. Ich finde es stattdessen gerade superspannend. Viel spannender als vor zehn Jahren. Und ich glaube auch, dass Journalisten in ihrem Job nicht an Qualität verlieren, wenn sie weiter ordentlich und sauber arbeiten.“

Das Sterben der Skepsis               

Der Medienwandel schafft heute Spielraum für Innovationen, die in vielfältiger Weise auch genutzt werden. „Man sieht ja heute spannende Inhalte über Livestream-Anbieter, wie zum Beispiel auf dem Tahrir Platz, als die im arabischen Frühling einfach ihr iPhone in die Luft gehalten und mitgefilmt haben. Das wurde dann übertragen.“ Innovationen bringen Veränderungen mit sich, doch die haben in den letzten Jahren viel mehr Vorteile als Nachteile mit sich gebracht. Auch wenn sich die Aufgaben und Bereiche verändern oder erweitern, heißt dies nicht zwangsläufig im Umkehrschluss, dass andere „alt-bewährte“ Aufgaben und Bereiche entfallen. Sicherlich wird die Zukunft noch viele Neuerungen bereithalten, doch sollte es nicht unsere Aufgabe sein, diese zu begrüßen und sie zu unserem Vorteil zu nutzen? Denn genau diese Einstellung ist es, die auch in den kommenden Jahren qualitative Berichterstattungen ermöglicht – egal über welchen Distributionsweg.

Quellen:

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