Es gibt noch das Umgekehrt

Der Journalist Matthias Urbach wandeln Seine Arbeitsumfeld, zwar von Onlineauftritt zum Print-Magazin 

– von Vivian Napoles –

Um das Thema des Wandels der journalistischen Arbeit angesichts der sogenannten Digitalzeit zu begegnen, wurde ein Dialog mit dem deutschen Physiker und geübten Wissenschaftsjournalist Matthias Urbach (MU) via FaceTime am 20.11.2012 durchgeführt. Als Wirtschaftsresearcher hat Matthias Urbach insgesamt 15 Jahre bei dem Hauptstadt Büro der Tageszeitung (TAZ) gearbeitet und hat die Online Redaktion dieser (taz.de) im Jahr 2007 aufgebaut.

Jetzt befindet der Experte sich selber in einer Wandelzeit seines Funktionskontextes, denn er ist seit einem viertel Jahr bei dem briten Wochenmagazin New Scientist, und zwar bei der erweiterten deutschen Ausgabe eines Print-Magazin. Seit August 2012 ist Urbach als Ressortleiter von einem der beiden Research des Hard Science (Teil des New Scientist) tätig, eine neues Magazinprojetkt mit Sitzt im Hamburg. Es gib außer dem deutschen die russische und französische erweiterte Ausgabe dieses briten Print-Magazin und die Lizenz für die deutsche Ausgabe ist dank Bemühung des Spiegel Verlag gekommen.

In welchen Aspekten lassen sich der Funktionskontext Ihrer Arbeit ausdifferenzieren? MU. “Der Unterschied oder der Übergang wie es kommt, dass ich bis jetzt Online gemacht habe und jetzt für eine wöchentliche Magazin arbeite ist nicht so groß. Es ist kein Monatsmagazin sondern ein Wochenmagazin, das heißt, dass wir in der Lage sind, aktuelle Debatten zu verfolgen und auf aktuelle Ereignisse auch zeitnah einzugehen. Die Zugänge zu den Geschichten, die wir machen, sind ähnlich. Und wir machen zu unserem Print auch Onlineauftritte und diese Onlineauftritte sind ein bisschen aktueller. Es ist natürlich auch immer eine Frage, wie man sich unterscheidet ein bisschen durch die Art und Weise wie man auf Themen zugeht. Und da ist der Unterschied jetzt nicht so sehr eine Frage der Geschwindigkeit, es ist mehr eine Frage welche Themen wir für interessant halten und was für eine Auswahl treffen wir, weil man schon als ein Magazin immer gezwungen ist, mehr auszuwählen als man bei einer Zeitung auswählt. Aber, wenn man sich die Entwicklung der letzten zehn Jahren anschaut, kann man feststellen, dass die Zeitung immer mehr versuchet, ein bisschen mehr sowie ein Wochenmagazin zu ticken, weil sie sich wiederum von der Konkurrenz von Radio und Fernsehen abgrenzen müssen und insofern ist dieser Sprung gar nicht mehr so groß, wie man im ersten Moment vermuten könnte.”

Gib es Unterschiede zwischen dem guten Journalismus aus den 50er Jahren und der der heutigen Zeit? MU. “Es kommt schon darauf an, eine gute Auswahl zu treffen und dann die wichtigen Dinge gut einzusortieren, in einen Zusammenhang zu stellen, dass man verstehen kann, was eine Nachricht oder eine Meldung für ein Bedeutung hat. Das ist der Kern der Sache. Das ist die Stärke von Journalismus, nach wie vor, gut auszusuchen, gut vorzuselektieren und gut zu erklären.Heute ist es so, dass der Journalist nicht mehr in einer Schlüssel Position sitzt, er sitzt nicht mehr zwischen dem Weltgeschehen und dem Leser, sondern er ist irgendwo daneben und die Leserinnen und Leser können sich auf ganz verschiedenen Wegen informieren, sie können sich direkt an der Quelle informieren. Früher war es so, dass Sie auf der Straße mit dem Bürger direkt ins Gespräch kommen konnten und jetzt können Sie selbst ‘medial’, das ging früher immer nur gefiltert über Journalismus und damit hat der Journalist dieser Türrechter Funktion verloren, weil alles kann an ihm vorbei kommen. Das ist im Prinzip eine gute Sache, weil es etwas sehr demokratisches ist. Das zweite, was ich halte, dass sich verändert hat, ist, dass die Empfänger auch immer Sender sein können, dass die Leser und Leserinnen Blogs schreiben können, über Facebook oder wie auch immer in die Öffentlichkeit kommen können, dass sie sehr viel stärker auf das, was die Journalisten machen reagieren. Eigentlich gibt es auch, dass fast in jedem Themen finden Sie immer irgendeinen, der besser weißt und das auch schreibt in diesem Kommentar oder da direkt antwortet. Trotzdem finde ich, der Job der Journalisten hat sich eigentlich überhaupt nicht gerändert, nur das Umfeld hat sich verändert. Nach wie vor geht es darum, dass wir interessante Geschichten gut aufbereiten und dass wir versuchen, dass was wir schreiben nach besserem Wissen zu prüfen und das auch richtig zu beschreiben, das ist auch der Unterschied zwischen uns und ich sage mal eine NGO oder eine politischen Partei oder der Leser oder Leserin, die irgendwie am Internet unterwegs ist. Sie haben keine ethischen Kriterien auf dem was sie verfahren müssen, sie können einfach sagen was ihnen gerade einfällt. Sie prüfen keine Fakten, sie haben keine Apparate im Hintergrund oder eine Redaktion mit Kollegen, also ein Arbeitsumfeld, auch einen Erfahrungshintergrund. Sie sind alle Unterschiede, die zwischen uns und den Leser usw. geben und das macht doch unsere Qualität aus. Insofern ist es diese Berufsweise nach wie vor total notwendig und eigentlich auch sehr begründend.”

Und im Bezug auf die Finanzierung der journalistische Tätigkeit? MU. “Durch diesen Medienwandel hat es nicht nur diese qualitative Umschichtung stattgefunden, sondern es hat die journalistischen Quellen der Finanzierung auch weggebrochen und es geht vor allem um das Anzeigengeschäft und das findet gerade statt, dass momentan auch in Deutschland mehrere Zeitungen zu gemacht haben. Viele Leute glauben, dass das Internet den Journalismus irgendwie überflüssig macht und deswegen werden die Zeitung zu gemacht, aber das ist total Unsinn. Zeitungen werden zu gemacht, weil die Anzeigenmärkte kaputt gehen, das hat teilweise auch mit dem Internet was zu tun, aber nur teilweise. Vor allen das kleine Anzeigengeschäft, das Stellen Anzeigengeschäft, Autoanzeigen, Immobilienanzeige waren vor allem für die Alltagszeitungen sehr wichtig und auch die Image-Anzeigen. Früh in den 50er Jahren hatten sich den Zeitungen zu 80% aus Anzeigen und zu 20% aus Vertrieb finanziert, heute ist es so halbe-halbe und es bewegt sich gerade Richtung zu 20% Anzeige und 80% Vertrieb. In einer anderen Geschichte geht es um die Frage, ob es möglich ist, für das Internet ein Bezahlmodell zu etablieren, und bisher gibt es keine Lösung dafür und sie haben alle das Problem, dass es großer Player gibt, die von Anzeigen im Internet leben können und die werden keine Paywall etablieren, das heißt für alle anderen, die das nicht können, von Anzeigen im Internet leben, dass sie ein Problem haben und zwar ein großes.”

Hat sich das Verhältnis zwischen den Wissenschaftlern und den Journalisten verändert? MU. “Heutzutage können Sie sich jede Arbeit herunterladen. Das konnten Sie vor 10 oder 15 Jahren nicht machen, wenn es gerade los ging. Man kann sich ja heute über viel mehr und viel schneller eine Bild machen. Die Suchmaschine findet alle möglichen Arbeiten, man findet dazu passende Arbeiten. Die Verfügbarkeit, von den was die Forscher forschen, ist viel größer, man kann sich da heute viel leichter damit auseinander setzen als früher und ich finde auch präziser darüber berichten, weil man besser an diese original Sachen hereinkommt. Aber das Verhältnis zum Forscher selbst hat es sich nicht so geändert. Man versucht schon mit dem im Gespräch zu sein aber es ist wie es früher auch war. Aber ich bin ja auch in dem Journalismus angekommen in einer Zeit wo schon langsam der Umbruch los ging. Dass die Forscher auch da sich selber auch Marketing in einer Seite machen, das ist auch eine ältere Entwicklung aber das hat natürlich jetzt ein bisschen zugenommen, dadurch, dass sie sich jetzt über Blogs usw. profilieren können und das ist ganz sicher, dass ein Forscher, der jetzt blogt, heute mehr Gewicht hat und leichter eine Stellung bekommt als es vielleicht früher war.”

Wie nehmen Sie die Öffentlichkeit der heutigen Zeit wahr? MU. “Sie ist die selbe. Sie hat neue Kanäle, aber die wesentlichen Diskussionen der Öffentlichkeit immer noch über eine kleine Zeit von Themen stattfindet. Es gibt Foren und es gibt für jeden, der irgendwie ein spezielles Hobby oder Interesse hat, der findet natürlich jetzt in Foren oder über Twitter oder Facebook Gleichgesinnte mit denen er sich darüber austauschen könnte. Das ist aber von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkbar, sie sind Teile der Öffentlichkeit und sie haben sicherlich zugenommen in den letzten 10 oder 15 Jahren, seitdem das Internet eingedrungen ist. Aber das was man unter der Öffentlichkeit versteht, der Raum wo wir über die großen Fragen hard wenden und in dem quasi Wahlkampf jedes mal geführt wird, da habe ich das Gefühl, dass sich die Themen nicht so geändert haben und auch die Leute, die reden, haben sich sogar nicht geändert. Natürlich erzählen wir mehr von uns, wir sind öffentlich präsenter und damit auch greifbarer, dass ist jetzt für ein Journalist nicht ein Problem, weil als Journalist bin ich gewohnt mich zu exponieren und öffentlich meine Meinung äußern. Ich glaube das ist ehe eine Änderung für die Leute, die nicht journalistisch Arbeiten. Und tatsächlich überlege ich mir als Journalist natürlich auch was die eine oder andere postet oder was die eine oder andere twittet und so mache ich vielleicht nicht, weil ich so denke ‘hum… dann bin ich vielleicht doch bei ihnen bemerkt und es gibt Leute, die sich was ich da kommuniziere angucken und die mich damit konfrontieren’. Aber daran sind wir auch geübt. Es gibt tatsächlich einige Leute, die sich sehr stark über Twitter, Blogs usw. geäußert haben oder sehr persönlich und sich sehr stark einbringen und ich glaube, dass diese auch teilweiser sehr schnell sehr bekannt geworden sind, gerade die, die es zuerst gemacht haben. Sie sind die Vorzeige Figuren der Sozialen Medien. Mein Eindruck ist es aber auch, dass es eine Menge Schau, die sich sehr Schau schlagen beziehungsweise auch Leute darunter sind, die sich eigentlich auch keinen Gefallen getan haben, um sich damit zu sehr zu exponieren.”

Wie definieren Sie den Begriff Wissen in Bezug auf die Bezeichnung Wissenschaftsmagazin? MU. “Wissen unterscheidet sich erst Mal von Glauben oder Vermutung. Wenn wir von Wissensmagazin sprechen, rekurrieren wir erstmal auf Wissenschaft. Der Begriff Wissen ist auch ein bisschen ein Marketingwort. Wenn man ehrlich ist, geht es auch ein bisschen darum, dass man einerseits signalisieren könnte, dass man wissenschaftliche Themen angibt oder an einem wissenschaftlichen Gut Interesse hat, dass man jetzt aber vielleicht nicht ganz mit so einem akademischen Anspruch an das Thema herangeht, sondern schon mit dem Anspruch ein allgemeines Verständnis zu sagen. Ich persönlich wurde sagen, dass die Entwicklung der Technik und der Wissenschaft der Größter Antreiber für geschichtliche Änderung ist, letztendlich. Und wenn man jetzt gerade noch die letzten zehn oder 20 Jahren zurückschaut und durch diese Entwicklung des Internets oder durch die Veränderung, die wir Informationen aufnehmen und dann mit denen wir uns befassen und auch wie die Technik doch sehr stark in unseren Alltag eindringt und wie stark die Technik unsere Berufswelt und das Berufsleben verändert hat, glaube ich ist dieses Gefühl auch weit verbreitet. Dass die Technik die Veränderung unserer Gesellschaft sehr stark begleitet und sehr stark bestimmt und auch uns sehr grundsätzlich trägt. Wenn Sie mal das Beispiel der Stammzellen Forschung nehmen oder den Beauftragen der Medizinfortschritt oder von Fortpflanzung Fortschritt, dann sehen Sie, dass es weitreichende Konsequenzen hat. Ich meine, es gib bevor so kleine Dinge wie der Pille, die uns heute enorme demokratische Probleme geschähe eben wie große angeblichen Dingen wie der heutigen Apparate der Medizin oder die Fortgeschrittene Computerisierung der Arbeitswelt, die Trennung von Arbeitsort, die Entwicklung, in der man heute von jedem Ort aus arbeiten kann, dass Sie heute zu Hause sitzen und Ihre Recherche Gespräche führen können, solche Dinge haben in den letzten Jahren doch unsere Lebensumstand unheimlich verändert.”

Da, dass ich leichter und mehre Informationen bekommen kann… MU. “Ist meine Arbeit ja definitiv viel leichter zu machen.”

Wissenswert: Blogosphäre: a) scienceblog.com (des Wissenschaftsmagazins Seed); b) Dinge bei den Blogs des Magazins Technology Review aus dem Heise-Verlag; c) blog.zeit.de/sex/ (von Zeit-Wissen-Redakteurin Sigrid Neudecker); d) huffingtonpost.com (von der Bloggerin und Journalistin Ariana Huffington); e) wissenschaft.wanhoff.de (von dem Wissenschaftsjournalist Thomas Wanhoffs).

Online PDF: a) “Onlinejournalismus: Veränderungen – Glaubwürdigkeit – Technisierung” (von Christoph Neuberger), unter http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/03-2003_Neuberger.pdf

Buch:WissensWelten: Wissenschaftsjournalismus in Theorie und Praxis (Holger Hettwer, Markus Lehmkuhl, Holger Wormer, Franco Zotte – Hrsg. – IBSN: 978-3-89204-914-2)

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By napolesvivian

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