Vom Monolog zum Dialog – Crossmedia im Zeitalter der Digitalisierung

„Wir befinden uns in der größten Medienrevolution seit Gutenberg.“ (Hubert Burda 2007

Bücher werden zu eBooks, Schreibmaschinen zu Tablet-PCs, Briefe zu Emails – Die Medienrevolution ist allgegenwärtig. Ihr Anführer heißt Internet, seine Anhänger sind wir – Du und ich, der Mann mit in der S-Bahn und die Frau im Café, die Studenten in der Bibliothek und der Nachbar im 3. Stock. Als neues Medium par excellence ist das World Wide Web aus unserem Alltag heute nicht mehr wegzudenken: Wir loggen uns ein, wir twittern, followen, posten, wir mailen, kommentieren und scrollen. Während sich immer weniger Menschen tagtäglich durch die Welt blättert, klickt sich die Mehrheit auf 13 Zoll durch sie hindurch und in sie hinein. Wir wollen nicht mehr einfach bloß blättern und rezipieren, wir wollen partizipieren und produzieren. Wir wollen die Welt mitgestalten.

Die Welt ist ein komplexes Mediennetz und wir sind mittendrin.

Unser Freundeskreis misst sich heute an Facebook-Kontakten, unsere Beliebtheit an Likes. Als Zweijähringe habe ich noch mit Bauklötzen gespielt und Zählen gelernt, heute begegnet mir ein Zweijähriger, der zwar noch nicht sprechen, dafür aber auf Papas iPhone Apps herunterladen und problemlos Videos oder Bilder aufrufen kann. Postkarten und handgeschriebene Briefe haben längst Sammlerwert; Emails, Tweets, Statusmeldungen und Chatmitteilungen erreichen uns stattdessen im Minutentakt. Die Welt ist ein fein gestricktes, komplexes Mediennetz und wir sind mittendrin.

Blätterst du noch oder scrollst du schon?

Ob zwei, zwölf oder zweiundsiebzig, unser aller Mediennutzungsverhalten ist einem tiefgreifenden Wandel unterworfen, der unter dem Motto „Blätterst du noch oder scrollst du schon?“ stehen könnte. Immer seltener begegnen einem Menschen, die in der Straßenbahn oder im Café Zeitung lesen oder in einem Magazin blättern. Umso alltäglicher erscheint heute der Gebrauch von Smartphones, Tablet-PCs und Notebooks. ELearning, EKiosk, EBooks – was kommt danach? Und was geschieht im Rahmen dieses tiefgreifenden Wandels mit klassischen Massenmedien wie der Zeitung? Wie verändert sich die Rolle des Mediennutzers und wie die des Produzenten?

Wer heute nicht in Einsen und Nullen denkt, geht unter.

Ohne Zweifel befinden wir uns der bislang größten Medienrevolutionen seit Gutenberg und das Internet als omnipräsentes Medium unserer Zeit steht dabei im Mittelpunkt. Dies stellt nicht nur den Mediennutzer vor Herausforderungen und stellt vor Fragen wie „Woher bekomme ich die für mich relevanten Informationen?“, „Was ist glaubhaft, was nicht?“, „Wie verbinde ich mein Lese- und Partizipationsverhalten?“. Aber auch Unternehmen, die Medien produzieren, müssen sich auf diesen Wandel einstellen und Hand in Hand mit der Digitalisierung gehen. Es ist geradezu ein Zwang zur Veränderung, dem besonders die klassischen Massenmedien ausgesetzt sind. Denn wer heute nicht in Einsen und Nullen denkt, geht unter.

Es gilt, Klassisches und Neues zu verbinden.

Um auf den „Zug der Digitalisierung“ aufzuspringen und Teil dieser neuen Medienwelt und eben nicht Opfer der Revolution 2.0 zu werden, gilt es Klassisches und Neues zu verbinden. Besonders für Verlage, die in der Printwelt tief verankert sind, ist dies entscheidend. Denn gerade gedruckte Medien stehen vor dem Problem, dass sie immer stärker in Konkurrenz mit neuen digitalen Medien treten und sowohl Anzeigen- und Werbekunden als auch Leser verlieren. Deshalb gilt es, Reichweite zu erzielen und gleichzeitig Bestandsleser langfristig an das Printprodukt zu binden.

Die Erfolgsstrategie: Crossmedia.

Das Magazin NEON aus dem Verlagshaus Gruner+Jahr gehört seit 2003 zu jenen Printmedien, die sich aktiv den Herausforderungen der fortschreitenden Digitalisierung stellen und dabei weiterhin auf dem Zeitschriftenmarkt erfolgreich sind. Die Erfolgsstrategie: Crossmedia. Mit dem Magazin und der gleichnamigen Community neon.de hat Gruner+Jahr ein Gesamtkonzept geschaffen, das den Bedürfnissen der Leser und User gleichermaßen gerecht wird. Oliver Kucharski, Online-Redaktionsleiter der NEON, verriet, wie wichtig eine Online-Präsenz für Printmedien ist, was die NEON-Community auszeichnet und welche Rolle Social Media-Dienste wie Facebook und Twitter für das Magazin spielen.

Lisa Adrian: Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, als Printmedium auch im Internet präsent zu sein? 

Oliver Kucharski: So etwas lässt sich pauschal nicht sagen und kommt sehr auf das Printmedium und dessen Leserschaft an – nicht jedes Printmedium muss zwingend im Internet vertreten sein. Für ein Magazin wie NEON, das sich an eine junge Leserschaft zwischen 20 und 35 Jahren richtet, ist die Online-Präsenz auf der eigenen Webseite und allen relevanten Social Media-Plattformen natürlich absolut selbstverständlich.

Adrian: Was zeichnet den Online-Auftritt der NEON aus?

Kucharski: NEON.de ist die Seite der NEON-Leser, auf der die Leser des Magazins zu Wort kommen. Sie können hier über eigene Texte, Kommentare und Bilder einerseits mitteilen, was sie bewegt und so eigene Themen anstoßen, andererseits können sie hier auch mit der Redaktion in Kontakt treten und die Themen aus dem Magazin aufgreifen und ergänzen. Im Idealfall ergibt sich daraus ein Kreislauf: Themen aus Print werden Online ergänzt und bereichert, Online werden Themen angestoßen, die in Print aufgegriffen werden können. Durch diese enge Bindung an das Magazin ist NEON.de eine sehr spezifische Community mit klar definierter Zielgruppe – das bedeutet zwar einerseits, dass das Wachstum der Seite nicht beliebig nach oben skalierbar ist, andererseits aber auch, dass die Seite niemals in Konkurrenz zu anderen Communities steht.

Adrian: Wie beurteilen Sie die Bedeutung von Social-Media-Anwendungen wie Facebook und Twitter und wie wichtig ist es, auch als Magazin auf diesen Plattformen präsent zu sein?

Kucharski: Wer daran interessiert ist, sich mit seinen Lesern auszutauschen, der muss dort präsent sein, wo sich diese Leser befinden. Früher mag das ausschließlich die eigene Webseite gewesen sein, heute gibt es sehr viele verschiedene Plattformen, auf denen man mit seinen Lesern in Kontakt treten kann – momentan sind das vor allem Facebook und Twitter, vor ein paar Jahren waren es MySpace und StudiVZ, in ein paar Jahren mögen das vielleicht wiederum ganz neue Plattformen sein. Es geht also weniger um Facebook und Twitter an sich, sondern mehr um die Erkenntnis, dass man seine Leser an sehr vielen verschiedenen Orten treffen kann und sollte, und dass die eigene Webseite eine gute Möglichkeit ist, all diese verstreuten Dialoge zusammen zu führen.

Vom Monolog zum Dialog – Vom Leser zum User, vom User zum Leser

Die Medienrevolution rollt über uns herein und sowohl wir als Mediennutzer und -mitgestalter als auch all jene, die Medien produzieren, müssen langfristig auf den Zug der Digitalisierung aufspringen, um nicht überrollt zu werden. Crossmediales Denken ist ein Weg, den vor allem Printmedien gehen, um Teil der neuen, digitalen Medienwelt zu bleiben und weiterhin erfolgreich zu sein. Das Magazin NEON denkt bereits crossmedial: Den Kontakt zwischen Lesern und Redakteuren herzustellen, Reichweite zu erzielen und gleichzeitig die Bestandsleser zu binden, sind die Hauptziele ihres Konzeptes. Dank Printausgabe, Community, Facebook und Twitter ist das Magazin überall dort präsent, wo sich auch die Leser und Nutzer befinden. Ob im Café, der Straßenbahn oder im heimischen Wohnzimmer – der Kontakt zur Redaktion und zum Magazin kann kontinuierlich aufrecht erhalten werden. Der NEON-Leser und -User kann sowohl blättern als auch scrollen sowie rezipieren und selbst produzieren. Das Magazin denkt nicht nur in gedruckten Buchstaben, sondern auch in Nullen und Einsen und hat deshalb gute Chancen, langfristig in unserer Medienwelt bestehen zu können.

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